Menschenrechte für Behinderte – Die UN-BRK

United Nations

Eine Kolumne von Ullrich Slusarcyzk Bullauge

Die UN-Behindertenrechtskonvention wurde 2006 von der UNO verabschiedet und trat 2008 in Kraft. Deutschland ist dem mit der Ratifizierung am 24. Februar 2009 beigetreten. Das heißt, es gab jede Menge Zeit, die Vorgaben umzusetzen. Passiert ist aber nur herzlich wenig. Hier ist die amtliche Übersetzung zum selber lesen und herunterladen: 

https://www.institut-fuer-menschenrechte.de/fileadmin/Redaktion/PDF/DB_Menschenrechtsschutz/CRPD/CRPD_Konvention_und_Fakultativprotokoll.pdf

Auf insgesamt 36 Seiten werden Dinge wie Teilhabe, Inklusion oder einfach nur das Recht, ein Mensch zu sein, festgelegt. In diesem Jahr wird Deutschland überprüft, inwieweit die Vorgaben umgesetzt wurden. Nach meiner Einschätzung schlecht bis gar nicht. So sollte es die WfbM (Werkstätten für behinderte Menschen) gar nicht mehr geben. Auch die sogenannten Sonderschulen, die jetzt Förderschulen heißen, nicht. Und eigentlich sollte klar sein, dass diese Konvention für alle gilt. Also nicht nur für den Staat, sondern für Schulen, Unternehmen, Körperschaften des öffentlichen Rechts (z.B. Jobcenter), aber auch Vermieter und Arbeitgeber.

WfbM

Ich habe das Thema schon einmal besprochen, nämlich hier:

Werkstätten des Grauens

Dass sich seitdem etwas signifikant geändert hätte, wäre mir neu.

Jobcenter

Sie können mit Behinderten so gut wie nichts anfangen. Jobangebote gleich 0. Stattdessen will man im Jahresrhythmus ein Gutachten erstellen über einen Fakt, der sich gar nicht mehr ändern kann. So zumindest meine Erfahrung. Und ich habe ja noch Glück. Denn ich bin ein unsichtbarer Behinderter. Mir sieht man die Behinderung nicht an. An mir ist noch alles dran, ich kann hören und sehen, und, wenn auch mit Schwierigkeiten, sprechen.

Firmen

Hier hatte ich vor kurzem eine interessante Begegnung mit Amazon. Da ich meinen Account nur sehr sehr selten nutze, habe ich mein Password vergessen. Also die Password vergessen Funktion genutzt. Soweit so gut. Bis zu dem Punkt, an dem ich aufgefordert wurde, anzurufen. Da eine meine Stimmlippen beschädigt ist, und die zweite gelähmt, gestalten sich Telefonate manchmal sehr schwierig, da meine Stimme sowohl sehr starken Lautstärkeschwankungen unterliegt, als auch manchmal die Frequenzen abrutschen. Das führt zu teilweise höchst unerfreulichen Telefonaten. So bin ich schon angeschrien worden, doch gefälligst deutlich und lauter zu sprechen. Es ist auch schon einige Male einfach aufgelegt worden. Also habe ich den Amazon-Support kontaktiert und denen die Situation geschildert. Aber keine Chance. Ich muss anrufen, es gibt keine andere Möglichkeit. Ok, dann eben nicht. Ich muss ja nicht bei Amazon kaufen. So viel zur Umsetzung der UN-BRK.

Ärztliche Notfallrufnummern

Sie sind die, mit denen ich die schlechtesten Erfahrungen gemacht habe. Anschreien und auflegen, das ist mir mehr als nur einmal passiert. Schlecht, wenn man die Nummern anrufen muss und es schlicht keine Alternative gibt.

Deutsche Bahn

Die Berichte über die Deutsche Bahn sind Legion. Über kein anderes Unternehmen, das sich noch dazu im Besitz des Staates befindet, gibt es so viele negative Berichte in Sachen Inklusion. Es gibt ganze Webseiten, die sich nur damit beschäftigen, wie diese:

Klar! Barrierefreie Bahn für alle

Aber auch das Blog von Cécile Lecomte hat jede Menge Informationen:

https://blog.eichhoernchen.fr/

Dazu gibt es Twitter Accounts, die das Thema sehr vorurteilsfrei angehen, aber trotzdem nicht mit Kritik sparen:

https://twitter.com/ZauberBaerin 

https://twitter.com/Frank2_2

Und einen Podcast gibt es neuerdings auch:

https://wir-rad-antrieb.podigee.io/

Behörden

Meine Erfahrungen mit Behörden sind extrem schlecht. Ich kann hier nur das Landesamt für Soziales, Jugend und Familie in Niedersachsen nennen, mit dem ich es zu tun habe. So sind Menschen, die Krebs haben, offensichtlich kognitiv (geistig) nicht in der Lage, Ihre Angelegenheiten selbst zu regeln. Und so werden munter Vorsogebevollmächtigte angeschrieben, ohne ärztliches Attest (Das dafür zwingend gesetzlich vorgeschrieben ist). Aber auch sonst ist man meilenweit von einem vernünftigen Umgang mit Antragstellern entfernt. Medizinische Evidenz, Mangelware. Stattdessen versucht man, dem Staat Kosten zu sparen, indem man z.B. Merkzeichen nicht erteilen will. Ich kann natürlich nur raten, was zu so einem Verhalten führt. Eventuell ja das:

https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_9_2018/__231.html

https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_9_2018/__232.html

Kurz: So ein Merkzeichen kann also dazu führen, dass der betroffene im Regionalverkehr kostenlos befördert wird. Allerdings muss der Staat bzw. das betreffende Bundesland dafür Ausgleichszahlungen leisten. Und beim Geld hört halt die Freundschaft auf. Behindert darf man sein, nur Geld darf es keins kosten.

Ich suche!

Nun kann ich nicht bei jedem Thema mitreden. Ich bin weder taub noch blind, bin Autist oder sitze im Rollstuhl. Das disqualifiziert mich zwar nicht unbedingt, aber mein Wissensstand ist wenn dann überhaupt eben nur Hörensagen. Jetzt hab ich schon mehrere Interviews geführt mit Betroffenen.

So zum Beispiel mit Nixklusion:

Interview mit “Nixklusion”

Webseite von Nixklusion:

https://kirstenmalzwei.de/

Oder mit Peggy´s Gedankenwerkstatt:

Interview Peggy´s Gedankenwerkstatt

Webseite Peggy´s Gedankenwerkstatt:

Herzlich Willkommen!

Gesucht werden Geschichten, aber auch Interviewpartner. Wer also eine Geschichte hat und die gerne veröffentlicht wissen möchte. Ich mache das gerne. Allerdings brauche ich auch Nachweise. Da bitte ich um Verständnis. Interviews werden in der Regel per Mail geführt. Es gibt klare Regeln. Ich ändere niemals Texte, allenfalls werden Rechtschreibung und Grammatik korrigiert. Ich würde daraus gerne ein neues Reihe machen: nämlich Inklusion in Deutschland. Also wie meine Kolumne, nur nicht mit zwingend festgelegten Terminen.

Wer mir gerne schreiben möchte: ullrich.slusarczyk@piratenhannover.de

Natürlich geht auch: redaktion@flaschenpost.piratenpartei.de

Ullrich Slusarczyk

About

Ullrich Slusarczyk 1963 in West-Berlin geboren. Jetzt in Hannover. Sehr viel gemacht im Leben und sehr viel gesehen. Schreibe gerne. Bin für direkte Sprache bekannt, manchmal berüchtigt. Halte nichts davon, Fakten auf einem DIN A4 Blatt breitzutreten, wenn das Wort „Idiot“ ausreicht. Schreibe jetzt hier die Kolumne hauptsächlich. Meine Themen sind: Gesundheit, Digitalisierung, Urheberrecht und Energie. Ich bin kein Wissenschaftler, logisches Arbeiten und Denken ist mir aber nicht fremd. Bin ein Wissenschaftsfan. Lese Science Fiction. Habe Karl May gelesen, aber auch Antoine de Saint-Exupéry oder Stanislav Lem. Mastodon

Download as ePub


Schreibe einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht öffentlich angezeigt. Verbindlich einzugebende Felder werden mit diesem Zeichen kenntlich gemacht: *

Weitere Informationen

Newsletter

Um unseren Newsletter zu abonnieren geht bitte auf diese Seite und abonniert die Liste.

Archiv aller Artikel