Jahresrückblick 2022 und Vorschau 2023 in 2 Teilen

Jahresende 2022

Eine Kolumne von Ullrich Slusarczyk Bullauge

Es war ein schlimmes Jahr. Wir sind im dritten Jahr der Corona-Pandemie. Der Ukraine-Krieg hat begonnen und hat uns durch seine Nebenwirkungen ebenfalls stark betroffen. Die Klimakatastrophe schreitet weiter voran, was sich vor allem an steigenden Temperaturen bemerkbar macht. Und dann wäre da noch die Inflation, die durch viele Umstände noch zusätzlich befeuert wurde.

Corona

Das Jahr beginnt mit dem dritten Jahr der Corona-Pandemie. Und obwohl wir es besser wissen müssten, haben wir vieles nicht gemacht oder sogar aktiv verhindert. Es gibt nur an ganz wenigen Schulen Luftfilter. Die Maskenpflicht in den Schulen wurde abgeschafft, ja sogar Schüler genötigt, die Masken abzunehmen. Unsere Impfquote ist längst nicht so gut, wie sie sein könnte, ja sogar müsste. Die Maskenpflicht wurde fast flächendeckend aufgehoben. Und wir lassen noch immer ein erhebliches Maß an Desinformation zu. In den Medien, aber auch im Freundeskreis. Schließlich will man ja keine Freunde verlieren, also geht man notwendigen Diskussionen aus dem Weg. Und jetzt ist das Jahr fast vorüber. In China läuft eine neue Welle und die dazugehörigen Bilder erschrecken.

Und unser Superexperte Klaus Stöhr, im Sachverständigenausschuss nach § 5 Absatz 9 Infektionsschutzgesetz zur Evaluation der Coronamaßnahmen, redet davon, dass wir die Inzidenzen schon viel früher nicht mehr hätten melden sollen. Die Frage ist also, ist die Pandemie jetzt tatsächlich nicht mehr pandemisch, sondern endemisch? Die Unterschiede zwischen pandemisch und endemisch werden hier sehr gut erklärt.

https://www.zdf.de/kinder/logo/unterschied-pandemie-endemie-epidemie-100.html

Laut Christian Drosten ist Corona jetzt wohl endemisch. Das würde bedeuten, dass sie uns ab jetzt wie die Grippe ständig begleiten wird, allerdings mit deutlich heftigeren Folgen (Postcovid), im Vergleich zur Grippe, von denen wir jetzt schon wissen.

Ukraine-Krieg

Am 24. Februar setzt Wladimir Putin, was er mit der Annexion der Krim 2014 begonnen hat, in der Ukraine fort und startet mitten in Europa einen Krieg, der an Heftigkeit nichts zu wünschen übriglässt. Doch entgegen allen Annahmen entpuppt sich die Ukraine nicht als Fallobst, das man einfach aufsammeln muss, sondern als ein hellwacher, militärisch fitter Gegner.

In Zahlen sieht das so aus:

  • Tote: mindestens 42.000 Menschen
  • Verletzte: mindestens 54.000 Menschen
  • Vermisst: mindestens 15.000 Menschen
  • Geflüchtet: ca. 14 Millionen Menschen
  • Zerstörte Gebäude: mindestens 140.000
  • Gesamtschaden bisher: geschätzt 350 Milliarden $

In diesen Zahlen gehen die persönliche Schicksale, Tragödien und Massaker völlig unter. Es ist schwer, sie angemessen zu würdigen. Wo soll man anfangen? Was erzählt man, was lässt man aus? Ich beschränke mich auf ein Ereignis, nämlich das Massaker von Butcha. [1]

458 Tote, die meisten davon erschossen, gefoltert oder zu Tote geschlagen.

Dank der Unterstützung aus dem Westen und der Nachbarstaaten hat die Ukraine viele Waffen und Munition, aber auch jede Menge humanitäre Hilfe bekommen. Leider spielt Deutschland hierbei keine so wirklich tolle Rolle. Mit der Lieferung der Geparden und der Panzerhaubitzen haben wir zwar hervorragendes Kriegsgerät geliefert, das jetzt im Einsatz beweist, wie gut es ist, aber auch gleichzeitig viele Schwächen in der Bundeswehr aufgedeckt hat. Wir könnten z.B. den Marder liefern, tun dies aber aus nicht nachvollziehbaren Gründen nicht. Währenddessen äußern sich deutsche Politiker, selbsternannte Philosophen und Putinversteher angeblich für den Frieden und fordern Friedensverhandlungen und dass die Ukraine nachgibt. Dabei völlig ignorierend, dass Putin ganz offensichtlich daran überhaupt kein Interesse hat.

Wenn dann einer der führenden Oppositionspolitiker, Friedrich Merz (CDU Parteichef), die Mär vom Sozialtourismus verbreitet, dann kann einem angst und bange werden. Hier laufen wir Gefahr, dass die eigentlichen Neonazis von der CDU rechts außen überholt werden. Während es sich dabei aber eher um metaphorische Probleme handelt, hatte der Ukraine-Krieg auch ganz handfeste Auswirkungen auf Deutschland und auch Europa.

Inflation und Energiekrise

Beide hängen unmittelbar mit dem Ukraine-Krieg zusammen. Zwar ist der Krieg nicht der alleinige Verursacher, aber er steht im direkten Zusammenhang. So zum Beispiel als die Regale in den Discountern plötzlich leer waren.

Sonnenblumenöl, Weizenmehl, Haferflocken und vieles mehr war plötzlich nicht oder nur sehr schwer verfügbar. Infolgedessen stiegen vor allem die Lebensmittelpreise exorbitant. Dieser Anstieg der Lebensmittelpreise hält unvermittelt an, wenn auch nicht mehr ganz so rasant. Mitschuld an dem Preisanstieg ist auch die Energiekrise. Auch sie wurde durch den Ukraine-Krieg verursacht. Plötzlich hat sich nämlich herausgestellt, dass wir in Sachen Energie ziemlich abhängig sind von Russland.

Im Zuge dessen stiegen die Strom- und Gaspreise teilweise absurd an. Mein Stromanbieter, vorher der preiswerteste am Markt, mutierte zum teuersten Anbieter. Ich glaube, sowas nennt man Gewinnmitnahme. Und der ehemals teuerste Anbieter ist plötzlich der preiswerteste.

Dabei müssten die Preise längst nicht so hoch sein. Zumindest im Strombereich nicht. Hier ist nämlich ein guter Teil der Preisexplosion hausgemacht. So haben wir dieses Jahr mehr als 800 Millionen € für abgeregelten Strom, also Strom, der zwar produziert, aber nicht geliefert werden durfte, bezahlt. Und das ist nur die Summe, die als Entschädigung gezahlt werden muss. [2]

Klimakatastrophe

Seit über 40 Jahren wird vom Klimawandel geredet. Nur getan wurde fast nichts. Und auch aus der Ahrtal-Flutkatastrophe wurden längst nicht die erforderlichen Konsequenzen gezogen. Zwar ist der verantwortliche Innenminister dann doch zurückgetreten, weitere Konsequenzen aber, nicht nur politisch, sind nicht in Sicht. [3] Keine Pläne bezüglich der Bebauung oder der Renaturierung von Flussauen. Kein Tempolimit, keine Wasserentsalzung, nichts. Dabei reden hauptsächlich FDP Politiker davon, das Ganze mit Innovationen und Start-ups zu lösen.

Dabei gibt es diese Innovationen längst schon. Sie heißen Windenergie, Solarenergie oder auch Schwammstadt.

https://www.ardmediathek.de/video/wissen-vor-acht-erde/die-schwammstadt/das-erste/Y3JpZDovL2Rhc2Vyc3RlLmRlL3dpc3NlbiB2b3IgYWNodCAtIGVyZGUvNjNmMjJhNjItYTU2OS00MjcyLWI5ODItYmRkODk1MmQ4NjVj

Stattdessen regen wir uns über die sogenannten Klimakleber auf. Und weil das ja gar nicht geht, dass wir z.B. unseren heißgeliebten Straßenverkehr behindern – Falschparker zählen nicht – sperren wir z.B. in Bayern Menschen präventiv in das Gefängnis, bis zu 30 Tage. Ohne irgendetwas getan zu haben. Und so marschieren wir weiter fleißig in die Katastrophe, mit steigenden Temperaturen, Hitzetoten, sterbenden Wäldern. Und auch 2022 wird wohl wieder ein Rekordjahr, was die Temperatur anbetrifft. [4] Und da vielerorts davon gefaselt wird, dass der Mensch sich anpassen würde. Hier ein kleiner Tipp!

Schon vor sehr langer Zeit hat der Mensch sich auf einem anderen Kontinent an die große Menge von Sonne angepasst. Das Ergebnis war eine Veränderung der Hautfarbe. Irgendwie bin ich aber sicher, dass dies für viele Menschen wohl eher die größere Katastrophe sein könnte.

Aber auch politisch hat sich in Deutschland was getan.

Bürgergeld

Endlich ist es da, das Bürgergeld. Jubeln wird deswegen vor allem die SPD. Ist sie doch endlich den ungeliebten Namen Hartz los. Die ehemaligen Empfänger von ALG II hingegen werden das Bürgergeld wohl eher nicht bejubeln. Denn obwohl es faktisch um 53 € erhöht wurde, berücksichtigt es die Inflation überhaupt nicht. Letztendlich stellt es zumindest finanziell eine Verschlechterung dar, da der Kaufkraftverlust die 53 € bei weitem übersteigt. Alleine die Preissteigerungen im Energiebereich wurden nicht eingearbeitet. Stattdessen wird z.B. bei Studenten, die eh schon wenig Geld haben, auch noch die Bibliotheken der Unis geschlossen, aus Energiespargründen. Somit der Energieverbrauch auf die Studenten abgewälzt wird.

Nimmt man alles zusammen, dann verschlechtert das Bürgergeld die Situation für viele Menschen. Und in der viertstärksten Wirtschaftsmacht [5] der Welt wird die Anzahl derer, die von Armut betroffen sind, größer. [6]

Wahrscheinlich könnte man noch über vieles berichten, aber ich glaube, das alleine reicht schon fast. Eine Sache allerdings ist noch erwähnenswert.

Wahlalter

Das Wahlalter für die Europawahl wurde auf 16 Jahre gesenkt. Dies ist auch und vor allem ein Erfolg der Piratenpartei! Hier sei Lukas Küffner, Pirat aus Nürnberg, der auch Mitglied der Redaktion der Flaschenpost ist, genannt. Er führte die Beschwerde vor dem Bundesverfassungsgericht zusammen mit anderen Jugendlichen an. [7]

Mit diesem für die jungen Menschen, aber auch die Piratenpartei erfreulichen Ende, endet auch dieser Jahresrückblick.

Teil 2 mit der Vorschau 2023 im Anschluss.

Ullrich Slusarczyk

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Massaker_von_Butscha 

[2] https://taz.de/Zu-langsamer-Ausbau-der-Stromnetze/!5902431/ 

[3] https://mainzund.de/flutkatastrophe-ahrtal-innenminister-roger-lewentz-tritt-zurueck-kein-eingestaendnis-eigener-fehler-aufarbeitung-geht-weiter/

[4] https://wetterkanal.kachelmannwetter.com/temperaturentwicklung-in-deutschland-seit-1881/ 

[5] https://www.laenderdaten.info/groesste-volkswirtschaften.php 

[6] https://www.der-paritaetische.de/themen/sozial-und-europapolitik/armut-und-grundsicherung/armutsbericht-2022/#spacer 

[7] https://www.piratenpartei.de/2020/05/26/piraten-zur-senkung-des-wahlalters-als-belohnung/

About

Ullrich Slusarczyk 1963 in West-Berlin geboren. Jetzt in Hannover. Sehr viel gemacht im Leben und sehr viel gesehen. Schreibe gerne. Bin für direkte Sprache bekannt, manchmal berüchtigt. Halte nichts davon, Fakten auf einem DIN A4 Blatt breitzutreten, wenn das Wort „Idiot“ ausreicht. Schreibe jetzt hier die Kolumne hauptsächlich. Meine Themen sind: Gesundheit, Digitalisierung, Urheberrecht und Energie. Ich bin kein Wissenschaftler, logisches Arbeiten und Denken ist mir aber nicht fremd. Bin ein Wissenschaftsfan. Lese Science Fiction. Habe Karl May gelesen, aber auch Antoine de Saint-Exupéry oder Stanislav Lem. Mastodon

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