Ach, euch gibt’s noch?

LMV 22.3 Niedersachsen

Eine Kolumne von Ullrich Slusarczyk Bullauge

Ich war am letzten Wochenende auf einem außerordentlichen Parteitag, der in Niedersachsen natürlich nicht so heißt, sondern stattdessen Mitgliederversammlung. Und es gab jede Menge interessantes! Das interessanteste dabei war, dass ich wieder von einigen Dingen überrascht wurde, obwohl ich doch schon soviel in der Partei gesehen und erlebt habe. Da es diesmal hauptsächlich um die Wahl des Landesvorstandes ging, war ein Großteil des Tages ausgefüllt von Aussagen, wie die jeweiligen Kandidaten die jeweils angestrebte Position auszufüllen gedenken. Wirklich Neues gab es dabei nur sehr wenig, eher altvertrautes, dass ich selbst bei meiner Bewerbung schon gesagt habe. Um nur eins zu nennen: Die Gewinnung von neuen Mitgliedern. Das war denn auch genau das, was ich bei meiner ersten Bewerbung gesagt habe. Es gab noch vieles, was aber nicht wirklich erwähnenswert ist, bis auf eine Ausnahme, der ich aber einen extra Absatz widmen werde. Was es aber auch auf diesem „Parteitag“ nicht gab, war eine politische Vision! Keine Aussage auch nur zu einem der derzeitigen politischen Themen. Auch nicht zu den ehemals sogenannten Kernthemen. Lediglich eine statistische Auswertung einiger Themen. Keiner der Kandidaten hat auch nur ansatzweise ein „politisches“ Ziel definiert. Für mich bedeutet das, die Partei findet politisch nicht statt. Ein gutes Beispiel dafür ist die von mir genannte Ausnahme.

Strukturen

Bei einer Bewerbung wurde der Schwerpunkt auf sogenannte „Strukturen“ gelegt. Das ist sehr interessant, denn Strukturen können unterschiedliche Dinge sein. Allgemein gilt, eine Struktur ist eine Anordnung verschiedener, miteinander verbundener Elemente. Strukturen sollen bei der Organisation der verschiedensten Dinge helfen. In erster Linie sind damit Arbeitsabläufe gemeint. Man schafft mit Strukturen Systeme, in denen sich jeder zurechtfindet und agieren kann. Es gibt allerdings auch noch die „soziologische Struktur“. [1] Ich vermute allerdings, dass die nicht gemeint war, sondern die von mir erwähnte. [2]

Klar ist, Organisationsstrukturen sind wichtig. Und die Piratenpartei arbeitet gerne anarchisch, chaotisch. Das allerdings hat der Partei bisher mehr geschadet denn genutzt. Und ich bin ausgesprochener Fan eines gut organisierten Arbeitsablaufs. Zum Beispiel der Dokumentationspflicht.

Allerdings ist das für mich keine politische Arbeit. Was nutzt die beste Struktur, wenn wir uns politisch null bewegen. Es kann keine neuen Mitglieder geben, wenn wir nicht auch politisch aktiv werden. Und genau das habe ich nicht nur bei diesem Parteitag vermisst. Auch auf dem letzten BPT und dem davor, gab es beinah keinen Kandidaten, der auch nur ansatzweise ein politisches Thema in seiner Agenda hatte.

Mitmachpartei

Es gibt 11 untergeordnete Gliederungen, wie z.B. Kreis- und Stadtverbände. 4 davon sollen nicht mehr in Betrieb sein. Bleiben 7. Wenn jeder dieser Gliederungen einen Vorstand hat, der mindestens aus 3 Personen besteht, dann wären das schon 21 Personen. Wenn dann noch aus jeder dieser Gliederungen wenigstens ein Mitglied zur LMV gekommen wäre, dann wären alleine das schon 28 Mitglieder plus 3 Landesvorstände, also 31 Mitglieder. Tatsächlich waren 18 Mitglieder akkreditiert und damit stimmberechtigt. Von den 18 wurden 4 in den Vorstand gewählt, zwei weitere Vorstandsmitglieder waren nicht da und wurden in Abwesenheit gewählt. Dazu wurden noch Kassenprüfer gewählt und Richter für das Landesschiedsgericht nachgewählt. Das heißt, mehr als ein Drittel der Mitglieder war gleichzeitig Kandidat.

Dass Vorstände ganz grundsätzlich den übergeordneten Gliederungen misstrauen, kann ich in der Zwischenzeit verstehen. Allerdings verursachen sie dieses Problem in nicht unerheblichem Maße selber. Es sollte Pflicht sein, dass Vorstandsmitglieder zu einem Parteitag/Mitgliederversammlung erscheinen.

Und dann hatte ich noch mein ganz persönliches Déjà-vu.

Ach, euch gibt’s noch?

Ich glaube, jeder, der schon für die Piraten einen Infostand gemacht hat, hat irgendwann diese Aussage gehört. Ich habe dagegen etwas Ähnliches erlebt. Wie so oft auf einem Parteitag, gab es auch hier Mitglieder, die ich nicht kannte. Und natürlich kommt man dabei auch in das ein oder andere Gespräch. Und meine Aussage, dass ich als Redakteur für die Flaschenpost arbeite, brachte nicht das von mir erwartete Ergebnis. Es gab und gibt tatsächlich Mitglieder der Piratenpartei, die entweder nicht wissen, dass es die Flaschenpost gibt, oder aber die Flaschenpost ablehnen, wegen z.B. irgendwelcher Verfehlungen in grauer Vorzeit. Hier übrigens ganz klar ein Punkt, der auf fehlende Strukturen hinweist. Der Umstand, dass ich auf Mitglieder getroffen bin, die nicht mal wussten, dass es die Flaschenpost gibt, hat mich veranlasst, mal etwas zu überprüfen.

So sehen wir im Internet aus

Ich habe mich auf den Bund, die 16 Landesverbände und eine Themenseite beschränkt.

Fazit

Es gibt keine einheitliche Handhabung bezüglich der Verlinkung untereinander. Also z.B.: Der Bund verlinkt auf die Länder und sämtliche Portale und Themenseiten. Die Länder verlinken auf alle kommunalen Seiten sowie sämtliche Portale und Themenseiten. Alle kommunalen Seiten, Portale und Themenseiten verlinken auf den Bund und die dazugehörige Länderseite. Das nennt man übrigens Trafficsteuerung. Interessant auch die Links zum alten P-Shop oder sogar zu Seiten, die seit langer Zeit tot sind. Faszinierend auch die Anzahl der Bundesländer. Verlinkungen zu unserem Europaabgeordneten Patrick Breyer sind auch nicht die Regel. Von dem Farben, Logo- und Signetwirrwarr ganz zu schweigen. Corporate Design Fehlanzeige. Schade um die vielen Möglichkeiten, die hier willentlich verschenkt werden. Es wundert mich, dass wir das „Ach, euch gibt es noch“, nicht öfter hören, wenn wir sowas Einfaches nicht einmal hinbekommen. Schade auch für die Flaschenpost, die sehr häufig nicht verlinkt wurde, genau wie viele Länder einfach nicht auf kommunale Seiten verlinken. Ausgerechnet die Internetpartei ist nicht in der Lage, ihre eigenen Webseiten zu verlinken. Ein echtes Armutszeugnis.

Ullrich Slusarczyk

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Struktur_(Soziologie) 

[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Organisationsstruktur

About

Ullrich Slusarczyk 1963 in West-Berlin geboren. Jetzt in Hannover. Sehr viel gemacht im Leben und sehr viel gesehen. Schreibe gerne. Bin für direkte Sprache bekannt, manchmal berüchtigt. Halte nichts davon, Fakten auf einem DIN A4 Blatt breitzutreten, wenn das Wort „Idiot“ ausreicht. Schreibe jetzt hier die Kolumne hauptsächlich. Meine Themen sind: Gesundheit, Digitalisierung, Urheberrecht und Energie. Ich bin kein Wissenschaftler, logisches Arbeiten und Denken ist mir aber nicht fremd. Bin ein Wissenschaftsfan. Lese Science Fiction. Habe Karl May gelesen, aber auch Antoine de Saint-Exupéry oder Stanislav Lem. Mastodon


Kommentare

Ein Kommentar zu Ach, euch gibt’s noch?

  1. Die fehlende bzw. schlechte Verlinkung ist eine Katastrophe…. Auch in Bezug darauf das für viele Portale z.B. in BW Subdomains genommen werden (Um die .de Domaingebühren zu sparen)…. Das führt dann dazu das die Inhalte wegen fehlender Verlinkung von Google im Ranking stark reduziert und nicht mehr gefunden werden…. Denn Google hat ja schon vor 25 Jahren mit dem PageRank angefangen Webseiten nach ihrer Verlinkung zu ranken. Da ich mit Suchmaschinenoptimierung mein Geld verdiene weiß ich das einigermaßen. Die Verantwortlichen Piraten haben da aber bisher konsequent Verbesserungsvorschläge ignoriert und sehen gar kein Problem dabei….

    Geht mittlerweile so weit das selbst Sicherheitslücken auf Domains die die E-Mailserver berteffen (Enormes Mißbrauchspotential) selbst Monate nach dem Hinweis NICHT geschlossen werden, obwohl ich es denen gemeldet habe und es für einen halbwegs erfahrenen Techniker eigentlich in c.a 10 Minuten abgedichtet wäre….

    Anderes Beispiel ist ja das BEO wo noch nicht mal mehr Fortschritte in der Entwicklung kommuniziert werden…..

    Für Leute mit IT/Internet Erfahrung wird die Piratenpartei somit natürlich zunehmend unglaubwürdig und uninteressant. Jedenfalls kenne ich persönlich so einige Leute aus der Internet, IT, Linux Szene welche die Piratenpartei nicht mehr ernst nehmen und nix mehr davon wissen wollen. Schlägt sich dann natürlich alles auch in den Wahlergebnissen nieder….

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