Die Flaschenpost

Eine Kolumne von Ullrich SlusarczykBullauge

Am Freitag sollte eigentlich meine dreißigste Kolumne erscheinen. Das heißt, dreißig Wochen jede Woche mindestens einen Artikel, den ich geschrieben habe.

Aber ich hab es nicht geschafft, den Artikel rechtzeitig fertig zu stellen. Das liegt zum einen an den Ansprüchen, die ich an mich selber stelle. Zum anderen daran, dass ich den Rechercheaufwand bei diesem Thema komplett unterschätzt habe.

So wird der Artikel also frühestens nächsten Freitag erscheinen. Und ich musste mir Gedanken über einen Ersatzartikel machen. Das hat ein wenig gedauert, denn auch ich bin nicht in der Lage mir jeden Tag Texte auszudenken, die meinen Qualitätsansprüchen gerecht werden.

Und damit kommen wir zum Thema Flaschenpost.

Warum schreibe ich für die Flaschenpost? Warum sogar wöchentlich als Kolumne plus zusätzliche Artikel? Wieso tue ich mir das an, wo doch klar ist, wie sehr ich für vieles angefeindet werde?

Die Antwort darauf ist gar nicht so einfach. Vielleicht sollte ich erst mal erklären, wie ich die Flaschenpost sehe.

Anzeiger oder journalistisches Medium?

Es gibt sogenannte Anzeiger. Der Bundesanzeiger ist das beste Beispiel dafür: https://www.bundesanzeiger.de/pub/de/amtlicher-teil?0

Hier werden Gesetze, Änderungen, Bekanntmachungen etc. der Bundesregierung und den dazugehörigen Ministerien veröffentlicht. Im Falle der Flaschenpost würde das bedeuten, sie veröffentlicht Pressemitteilungen, Beschlüsse, Programme etc. Eigenständige journalistische Arbeit würde es dann nicht geben.

Sowas kann wichtig und auch erforderlich sein, ist aber ganz sicher nicht mein Betätigungsfeld.

Ich sehe die Flaschenpost als ein journalistisches Medium mit dem Schwerpunkt Piratenpartei. Dabei frei von Zwängen und vor allem von Einmischung. Ein Medium mit Innen- und Außenwirkung. Damit einher geht natürlich auch eine gewisse Verantwortung. Es gibt Unmengen von Presseerzeugnissen. Egal ob gedruckt oder online. Und vielen merkt man an, dass sie finanziellen Einflüssen und Zwängen unterliegen. Dazu kommt bei vielen eine deutlich spürbare Bewegung nach rechts.

All das ist bei der Flaschenpost nicht gegeben.

Es gibt keine finanziellen Zwänge, keine Beeinflussung durch den Bundesvorstand. Natürlich muss man sich an die Netiquette halten. Und der Piratenpartei wissentlich und willentlich zu schaden, ist natürlich auch nicht im Sinne des Erfinders. Deswegen gibt es einen Chefredakteur, der dafür geradesteht und das überwacht. Eine wie ich persönlich finde völlig legitime Aufgabe. Sinnvoll sowieso, denn niemand ist perfekt und fehlerfrei.

Für mich ist die Flaschenpost die Möglichkeit, den Parteimitgliedern Dinge aufzuzeigen, die sie sonst vielleicht nicht wissen. Schwachpunkte aufzuzeigen, aber auch Stärken. Ich sehe es nicht als meine Aufgabe an, Lobhudelei zu verkünden. In der heutigen Zeit ist Content das A + O im Internet. Je mehr Content, umso mehr nehmen einen die Suchmaschinen wahr. Und ich liefere Content. Ich habe dabei bewusst die Form einer Kolumne gewählt. Denn eine Kolumne ist eine Art der Meinungsäußerung. Und ich äußere eine Meinung. Nämlich meine. Das schafft nicht nur Freunde.

Dessen war ich mir schon vorher im Klaren. Welche Auswüchse das teilweise annimmt, hätte ich allerdings nicht unbedingt erwartet. Trotzdem macht mir die Arbeit Spaß.

Schreiben ist eine meiner Stärken. Zumindest was Artikel anbetrifft. Anträge und Ähnliches dagegen eher nicht. Da gibt es eindeutig bessere. Ich kann mit dem geschriebenen Wort bewegen, die LeserInnen mitnehmen, beeinflussen. Und das ist die Aufgabe eines Journalisten. Den Nutzer mit relevanten Informationen zu versehen, ihm die Möglichkeit geben, selbst entscheiden zu können. Dazu muss ich nicht neutral sein. Ich muss dem anderen nur die Möglichkeit geben, auch anderer Meinung als ich zu sein.

Mit den Interviews im „Spotlight“, versorge ich die Piraten, aber auch alle anderen mit Informationen und Blickwinkel, die sie so vielleicht bisher noch nicht gehabt haben.

Mit dem „Bullauge“ weise ich auf Schwachpunkte innerhalb der Partei hin, aber auch Schwächen der Politik allgemein. Wobei ich sagen muss, dass der externe Teil bisher leider für meinen Geschmack etwas zu kurz gekommen ist.

Mit ein Grund dafür sind natürlich die reichlich vorhandenen Schwächen innerhalb der Piratenpartei. Aber vielleicht habe ich ja bald alle Themen in der Piratenpartei durch und kann mich um den Rest der Welt kümmern.

Ich halte nichts von diesen ganzen persönlichen Angriffen, dem Diffamieren und Diskreditieren. Allerdings bin ich sehr wohl der Meinung, dass man manchmal Ross und Reiter nennen muss. Denn nicht alles ist ein strukturelles Problem. Manchmal ist es eben tatsächlich der Mensch, der das Problem ist.

Bei meiner Sprache bevorzuge ich die klare und einfache Ausdrucksweise. Ich brauche keine Fremdwörter, um ein Problem zu schildern, obwohl ich das sehr wohl könnte. Je mehr Leute mich verstehen, ohne jedes zweite Wort zu googeln, umso besser ist der Artikel.

Meine persönlichen Ziele

Die Nutzerbasis Stück für Stück zu erhöhen und so aus der Flaschenpost ein Presseerzeugnis zu machen, das auch außerhalb der Piratenpartei gelesen wird. Das bedeutet auch, dass man da hingeht, wo es weh tut. Ich will Nachrichten, Informationen, die sonst keiner hat. Und ich glaube, dass das bei der Flaschenpost möglich ist. Ich muss hier nicht lügen, keinem einen Gefallen tun. Bei der Flaschenpost ist noch vieles möglich.

Aber, das kann ich auf keinen Fall alleine schaffen. Dazu braucht es noch viele andere, die wie ich an die Macht des Wortes glauben. Sei es für Lektorate, Artikel oder Ideen, worüber man schreiben kann oder sogar müsste.

Das können auch Informationsbroschüren sein, innerparteiliche Bildung etc. Es gibt so vieles, was in einem Onlinemagazin gebraucht wird. Es geht der Flaschenpost hier genau wie der Piratenpartei. Viele zu wenige für viel zu viel Arbeit. Eine wie ich glaube typische Eigenschaft des Ehrenamtes.

Wer also glaubt, er kann die Flaschenpost unterstützen, schreibt bitte an: redaktion@piratenpartei.de

Ullrich Slusarczyk

 

About

Ullrich Slusarczyk 1963 in West-Berlin geboren. Jetzt in Hannover. Sehr viel gemacht im Leben und sehr viel gesehen. Schreibe gerne. Bin für direkte Sprache bekannt, manchmal berüchtigt. Halte nichts davon, Fakten auf einem DIN A4 Blatt breitzutreten, wenn das Wort „Idiot“ ausreicht. Schreibe jetzt hier die Kolumne hauptsächlich. Meine Themen sind: Gesundheit, Digitalisierung, Urheberrecht und Energie. Ich bin kein Wissenschaftler, logisches Arbeiten und Denken ist mir aber nicht fremd. Bin ein Wissenschaftsfan. Lese Science Fiction. Habe Karl May gelesen, aber auch Antoine de Saint-Exupéry oder Stanislav Lem.


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