Offener Brief an Karl Lauterbach

Hanfpflanzen | CC BY SA 2.0 MarihuanayMedicina

Ein Gastartikel von Sabin @Billow4

Sabin Schumacher

Wir erinnern uns, Antragsinitiativen auf Bundesebene von Grünen, FDP und Die Linke für eine Cannabis-Legalisierung scheiterten bisher an der Unterstützung von der SPD. Als Legalisierungsgegner hatte sich immer wieder dabei auch der Arzt und SPD-Abgeordnete Karl Lauterbach hervorgetan.

Nach der Bundestagswahl sind die Karten nun neu gemischt und mit zunehmender Aussicht auf eine Rot-Grün-Gelbe Regierungskoalition, erhöht sich nicht nur der außerparlamentarische Druck zugunsten einer Legalisierung.

Einen vermeintlichen Sinneswandel gibt es lt. Medien seit Neuestem auch beim Arzt und SPD-Abgeordneten Karl Lauterbach. Herr Lauterbach offerierte sich jetzt als Cannabis-Legalisierungsbefürworter und begründete seinen plötzlichen Haltungswandel gegenüber der Rheinischen Post mit der Behauptung, “Straßencannabis würde neuartiges Heroin beigemischt”. Die Folge sei, dass Cannabis-Konsument:innen dadurch schnell in eine Heroinabhängigkeit getrieben würden.


Sehr geehrter Herr Lauterbach,

woher nehmen Sie solch unqualifizierten haarsträubenden Unsinn? Wo sind die Beweise für so eine hanebüchene Behauptung? Von der Polizei kann es jedenfalls nicht sein [1]

Unbedachte populistische Äußerungen wirken sich schnell mal schädlich auf das Leben von Menschen aus! Klar, Sie sind Arzt und Abgeordneter, aber weder ein medizinisches Studium noch eine politische Laufbahn, machen jemanden zum Experten oder zur Expertin für Drogenpolitik, dazu gehört dann schon etwas mehr. Von daher bitte ich Sie, informieren Sie sich zuerst, bevor Sie “die Gründe geänderter Überzeugung” der Öffentlichkeit kundtun.

Außerdem frage ich mich, worum es Ihnen geht? Sie haben sich verschiedentlich zur Drogenpolitik der Regierung geäußert. Welchen Weg Sie aber verlässlich wirklich unterstützen, ist mir bisher nicht ganz klar.

Klar ist nur, was eine “regulierte Abgabe von Cannabis und Cannabisprodukten an Erwachsene” angeht, dass das bei Weitem nicht ausreicht. Es geht um weit mehr als nur um Cannabis oder um legale Bezugsquellen für Kokain, wie vor einiger Zeit auch schonmal von Ihnen gefordert.

Herr Lauterbach, es geht um Würde, es geht um Grund- und Menschenrechte, es geht um die Anerkennung und Umsetzung des Rechts auf Selbstbestimmung! Und zwar für alle Konsument:innen, unabhängig davon, welche Substanz jemand nutzt. Das Recht auf Selbstbestimmung wird seit Jahrzehnten durch Aufrechterhaltung der prohibitiven Gesetzgebung von den Mandatsträger:innen der Regierungsparteien konsequent ignoriert!

Es geht darum, dass die Grund- und Menschenrechtsverletzungen als Folge von Prohibition und restriktiver Drogenpolitik endlich beenden müssen. Das wird aber nicht über eine Legalisierung einzelner Substanzen erreicht. Menschen nutzen psychoaktive Substanzen. Die Frage ist also, was ist das Interesse des Staates (und das Einzelner!), Menschen daran hindern zu wollen?

Worum geht es Ihnen, Herr Lauterbach?

Geht es um Überzeugung mit dem Ziel ernstgemeinter Veränderung der Drogenpolitik zum Wohl der Konsument:innen und aller anderen oder eher darum, politisch frühzeitig mitreden zu wollen?

Aber egal was Sie motiviert, in der Gesellschaft gibt es quer durch die Altersgruppen seit Jahren ein zunehmendes Bewusstsein dafür, dass nicht die Substanzen das Problem sind, sondern die Interessen basierten prohibitiven gesetzlichen Rahmenbedingungen wie auch Politiker: innen, die aufgrund Unwissenheit und Vorurteilen daran festhalten.

Die Prohibition ist Interessen-basiert und zerstört Menschenleben. Das verstehen mittlerweile viele. Die Gesellschaft ist also, was das angeht, schon sehr viel weiter ist als die Politik. Fakt ist, wer sich gänzlich oder in Teilen gegen die Legalisierung ausspricht und an der Verbotspolitik festhalten will, unterstützt kriminelle Strukturen & lässt die Menschen, unabhängig davon, um welchen Substanz(en)gebrauch es geht, individuell und als Gesellschaft im Stich! Deshalb braucht es die Legalisierung aller Substanzen, die (auch!)😉 psychoaktiv wirken können.

Sprechen Sie mit Fachleuten, allen voran mit User:innen. Und unbedingt mit jenen, die Sie nicht auf den Fluren von Reha-Einrichtungen finden! Über Jahrzehnte wird Substanz-Gebrauch mit Ausnahme der legalisierten Stoffe nicht nur kriminalisiert, sondern angetrieben von Interessen auch pathologisiert.

Herr Lauterbach, wenn Sie so was wie das Sprachrohr der SPD für die Legalisierung sein wollen, gehen Sie in Austausch mit Usern. Also sowohl mit der Mehrheit der Menschen, die psychoaktive Substanzen als funktionales/bereicherndes Element im Leben nutzen und erleben wie mit jenen, die Opfer der restriktiven Drogenpolitik geworden sind.

Lassen Sie sich auf einen ernstgemeinten Austausch auf Augenhöhe ein mit Menschen, die sich seit Langem mit dem Thema Drogenpolitik beschäftigen und die wissen wovon sie sprechen. Sie können nur profitieren! Btw … Viel Informatives & Lehrreiches finden Sie z. B. auf den Seiten von JES Bundesverband e.V. [2],  der Deutschen Aidshilfe [3] und dem Hanfverband [4] Zum Thema Gefahren durch Streckmittel schauen Sie am besten Mal bei #Eve&Rave vorbei oder auch bei den #Drugscouts Drugscouts [5].

Und klar, Sie können sich jederzeit auch gerne an mich wenden! 😉


 

 

 


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