Vernunft oder Gefühl? Wahlkampf oder Wahlkrampf?

Wahlplakate | CC BY SA 3.0 Steve König

Ein Gastartikel von Harry Hohlbein

Wie der Physiker und Schriftsteller Georg Christoph Lichtenberg einmal treffend bemerkte “leben die meisten Menschen mehr nach der Mode als nach der Vernunft”.

Ohne Worte 🙂

Im Journalismus und in der Politik findet sich ein ähnliches Muster: Ist der Zug losgefahren, springen alle mit auf – sei es, dass ein Esel vom anderen abschreibt (die PIRATEN sind in der Versenkung verschwunden!) oder sei es, dass auf einmal alle Parteien dem aktuellen Thema (Klimaschutz! Lockdown!) hinterherhecheln. Ob dies klug ist oder inwiefern man damit Erfolg hat, ist aber nicht messbar. Der aktuelle Erfolg der Grünen ist, nicht nur nach meiner Ansicht, vor allem der inhaltlichen Leere und der katastrophalen Politik beim Klimaschutz oder der Pandemiebewältigung von CDU und SPD geschuldet. Dies zeigt auch die Wählerwanderung in den Umfragen, und dies nicht erst bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz.

Einer der Grundgedanken unserer Partei war und ist auch noch teilweise, das wir uns mit Problemen sachlich auseinandersetzen und – früher fast durchgängig, heut nur noch vereinzelt – diese im Wahlkampf auf prägnante oder/und humorvolle Weise anzusprechen.

Ideenkopierer Plakate

In vielen  Wahlkämpfen, vor allem in den Jahren 2009 bis 2013, ist dies auch gut an den Plakaten erkennbar gewesen. Leider ist uns dieses Momentum in den späteren Jahren beinahe vollständig verloren gegangen. In manchen Kampagnen ist das Parteilogo so klein gewesen, dass man es kaum erkennen konnte, andere wiederum waren kaum als Wahlplakate der Piratenpartei wahrnehmbar. Dass es wohl keine besonders gute Idee war, das allgemein bekannte Logo durch eines zu ersetzen, das den Parteinamen nicht mehr beinhaltet, ist unter Werbefachleuten kaum strittig.

Auch bei der Themenauswahl hatten wir nicht immer ein glückliches Händchen. Zu oft wurde sich vor allem nach dem Geschmack des Anglers gerichtet und sich – mit Verlaub – einen Scheiß um die Erwartungen des Fisches gekümmert.

Dabei wäre es an sich so einfach gewesen herauszubekommen, was dem Fisch schmeckt: Einfach auf die Umfragen achten. Aber genau nicht die Umfragen unter Anglern, sondern Umfragen, in denen die Fische gefragt worden sind. Wenn man keine Umfragen zum detaillierten Betrachten findet, dann kauft man sich die benötigten Daten eben, denn sie sind fertig zu haben. Man muss nur zugreifen. Nein, Sie sind nicht teuer und anfragen kostet nichts. Wenn es zu teuer wird, sammle ich das Geld bei den Kreis- und Landesverbänden ein 🙂

Kein Kommentar …

Danach ist man meiner Erfahrung nach in der Lage, mit diesem Verstand eine Wahlkampfstrategie zu finden. Und nein, dafür ist es noch nicht zu spät – wir PIRATEN sind in der Lage, schnell zu reagieren. Ein Layout kann schon fertig in der Schublade liegen, der Inhalt ist flott geändert – wenn es sein muss tagesaktuell.

Expressdruck mag wohl etwas teurer sein, aber 100 aktuelle Plakate (oder 1.000 Flyer) sind definitiv wirkungsvoller als 200 Plakate zu einem alten Schuh oder noch einem “wir auch” – Flyer von vor 10 Wochen.

Mein Tipp. Fragt die Fische, nicht die Angler, Und angelt dann entsprechend, vollkommen egal ob ihr einen Angler habt der eine Doktorarbeit über den Köder geschrieben hat. Oft genügt schon was im Programm steht um ein Thema zu befüllen! No shit!

Transparenzinfo: Lektorat vom Sperling


Kommentare

2 Kommentare zu Vernunft oder Gefühl? Wahlkampf oder Wahlkrampf?

  1. JPT schrieb am

    Zustimmung. In der Vergangenheit wurden Sprüche geklpppt, um Nichtwähler zu mobilisieren oder generell zum Denken anzuregen. Hinsichtlich Stimmenfang ist das aber nicht hilfreich. Was denkt der Wähler, wenn er Piraten hört? Och, die Digital-Spinner! Wir müssen viel mehr kommunizieren, dass wir deutlich breiter aufgestellt sind. Dazu auch gerne mal Artikel, beispielsweise wie das BGE finanziert werden könnte. Aber auch generell, für was steht die Piratenpartei? In meinen Augen schlicht eine Politik für Menschen statt für Konzerne. Und das dann auch an einzelnen Themen konkretisieren. Digitalisierung brauchen wir nicht bewerben, das wissen die Leute eh, das wir das können.

    • Protestor schrieb am

      Es braucht beides. Eine Prise Populismus und auf der anderen Seite inhaltlich kompetente Sachlichkeit. Nur diese Kombi kann gut funktionieren, wenn es am einen oder dem anderen fehlt geht es schief….

Schreibe einen Kommentar zu Protestor Antworten abbrechen

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht öffentlich angezeigt. Verbindlich einzugebende Felder werden mit diesem Zeichen kenntlich gemacht: *

Weitere Informationen

Archiv aller Artikel