Open-Source in Schulen: Die bessere und klügere Lösung

Schule | CC0 (Public Domain)

Ein Gastartikel von Julian Häffner (@Lord_Julius)

Nahezu jeder Schüler kennt es, ein Schulunterricht ohne Microsoft ist nicht mehr vorstellbar. Sei es das auf jedem Schulrechner installierte Windows oder das überall vorinstallierte Office 365 mit Word, Excel und natürlich PowerPoint. Seit Corona hat sich an vielen Schulen nun auch noch Teams in diese Reihe gesellt. An fast allen Schulen hat Microsoft mittlerweile eine Monopolstellung eingenommen und mangels Alternativen werden Schüler auf diese Art und Weise gezwungen, im kompletten Schulalltag (z.B. bei Referaten, Präsentationen usw.) ebenfalls auf Microsoft zu setzen. #

Es gibt aber einiges, das gegen die Nutzung von Microsoft an Schulen spricht:

Datenschutz und Kosten

Da wäre zum Einen der Datenschutz, denn die Nutzung von Office 365 lässt sich nicht Datenschutz- und Rechtskonform umsetzen. Zu diesem Ergebnis kam auch ein Arbeitskreis der Datenschutzkonferenz von Bund und Ländern, welche davor warnte, Microsoft bzw. Office 365 in öffentlichen Institutionen zu nutzen [1]. Diese Datenschutzrechtlichen Bedenken kommen nicht von irgendwoher und sind alles andere als neu. Wer hätte auch gedacht, dass ein amerikanisches Großunternehmen, welches sich nie groß um Datenschutz geschert hat, dies nun in Deutschland anders handhaben würde.

Man darf zum anderen auch nicht vergessen, dass nahezu alle Microsoft Produkte, im Gegensatz zu Alternativen wie Linux, kostenpflichtig sind. Gerade die Nutzung in staatlichen Institutionen kostet einiges an Steuergeldern, wie man bei der Umstellung von Windows 7 auf Windows 10 in Behörden gesehen hat. Aus dieser Sicht ist auch die Nutzung an Schulen mehr als kritisch zu sehen, da durch das Monopol von Microsoft dort die Schüler mangels Alternativen aufgrund der gelehrten Kenntnisse in eine langfristige relativ teure Abhängigkeit von Microsoft Produkten getrieben werden.

Berufs- oder Lebensvorbereitung?

Wenn man jedoch an Schulen mit diesen Argumenten eine Abkehr von Microsoft fordert, hört man sehr häufig das Gegenargument “Schulen müssen die Schüler auf das mehrheitlich Microsoft geprägte Berufsleben vorbereiten”.

Hierbei wird allerdings verkannt, dass es keineswegs die mehrheitliche Aufgabe der Schulbildung ist, später im Berufsleben benutzt zu werden. Beste Beispiele hierfür sind die Fächer Geschichte, Sozialkunde oder alte Sprachen, die nur von einer sehr geringen Zahl an Schülern im späteren Beruf gebraucht wird. Denn es ist hauptsächlich die Aufgabe der Schulen auf das spätere Leben, also auch den Alltag, vorzubereiten. Jedoch besonders im Alltag ist es sinnvoll privat aus Datenschutzgründen auf Linux und Open-Source Varianten zu setzen. Diese Alternativen werden aber an den Schulen nicht aufgezeigt, so dass sehr viele Schüler am Ende ihrer Schullaufbahn kaum Bescheid wissen. Dies ist das Ergebnis eines eher einseitigen Unterrichtes, im Sportunterricht käme ja zum Beispiel auch niemand auf die Idee nur Fußball zu unterrichten weil es so viele interessiert.

Kreativität, Nachhaltigkeit, Kostensenkung

Lizenz: CC-O

Auch aus pädagogischer Sicht empfiehlt sich die Nutzung von Open-Source an Schulen, ihr Einsatz fördert das Interesse für Programmierung das Wissen über Alternativen zu den kommerziellen Programmen und “kostenlosen Programmen”, die einen ausschnüffeln, kann nicht schaden. Wenn jemand zum Beispiel Linux benutzt, muss sich derjenige dadurch auch zwangsläufig mit dem, was im Rechner passiert auseinandersetzen. Dadurch werden sowohl Neugier als auch die Kreativität gefördert.

Zudem haben Rechner mit einem Windows Betriebssystem auf Dauer das Problem, dass man dazu gezwungen ist sich immer wieder die neusten Aktualisierungen zu kaufen, da man sonst (wie bei der Umstellung von Windows 7 auf 10) Gefahr läuft, dass das System ohne Sicherheitsupdates ist. Währenddessen laufen aktuelle Linux Distributionen auch noch auf 15 Jahre alten Notebooks die mit Windows 10 meist überfordert wären. Dadurch hat die Nutzung von Linux auch einen großen Nutzen in Bezug auf Ressourcenschonung und Nachhaltigkeit. Ganz zu schweigen von der finanziellen Ersparnis durch kostenlose Alternativen zu Windows und Office 365, welche besonders für finanziell schlechter ausgestattete Familien ein enormer Vorteil wären.

Fazit

Die Nutzung von Open-Source hat  enorme Vorteile für jedermann, jedoch muss auch hier, wie so oft im Leben, der Staat mit einem guten Beispiel vorangehen, damit sich etwas ändert. Solange Kinder aus der Schule kommen und kaum über die vielen kostenlosen Open-Source-Alternativen und ihre Vorteile Bescheid wissen, wird sich das Nutzungsverhalten sowohl im Privaten, als auch in der Wirtschaft nicht ändern und Microsoft behält sein Monopol – unterstützt vom deutschen Staat.

[1]: heise online: Microsoft Office 365: Die Gründe für das Nein der Datenschützer

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Kommentare

4 Kommentare zu Open-Source in Schulen: Die bessere und klügere Lösung

  1. tux. schrieb am

    Blöd, dass die Kompatibilität freier Officesuiten mit den Microsoftformaten unterirdisch ist. Damit kommt nur das proprietäre SoftMaker Office in Frage.

    • Sperling schrieb am

      Das kommt darauf an, LibreOffice ist zu Microsoft Office kompatibel. Sie können Dokumente aus MS Office ohne Rückfrage in LibreOffice öffnen sowie in Libre Office erstellte Dokumente in den Dateiformaten von Microsoft Office speichern. Selbiges gilt für Open Office.

      Einige Formatierungen, Rechenfunktionen und Gestaltungsmöglichkeiten werden in Libre Office und MS Office unterschiedlich gehandhabt oder nicht unterstützt. Das macht beim Austausch komplexer Dokumente eine gewisse Nachbearbeitung erforderlich, etwa fürs Nachformatieren. Gut: Die meisten alltäglichen Standarddokumente wie Briefe, Berichte, Haushaltspläne oder Inventarlisten kommen ohne Nachbearbeitung aus.

      Für den privaten Gebrauch gibt es da keine Problem, und selbst im “normalen” Bürobetrieb klappt das.

  2. Bolzkopf schrieb am

    Eigenschaften wie “das Beste” oder “das Klügere” waren noch nie wichtige Kriterien – zumindest nicht, was die Schulen angeht. Was erwarten sie von einem System in dem jeder Kultusminister/in zu allererst seine Duftmarke im Schulsystem hinterlässt ? Ob sinnvoll oder nicht.

    Hinzu kommt, dass die Kultusministerien eher den Ruf von Abstellkammern für abgehalfterte Polits haben oder bestenfalls als Aufwärmpöstchen für “Newbies” auf der Regierungsbank herhalten müssen.

    Dass unsere Zukunft im Schulsystem beginnt ist indes allen klar – aber es juckt keine(n) “da oben”.

    Und das Thema ständig auf irgendwelche Kompatibilitätsfragen zu reduzieren wird natürlich vom Marktführer inittiiert. Dabei wäre ein Leichtes diese Kompatibilität in das Pflchtenheft bei allen öffentlichen Ausschreibungen zu packen. Natürlich pönalebewehrt. Aber selbst dazu sind diese Versager unfähig. Unfähig bis ins Mark.

    Und der Wähler hat die Schnauze davon voll – und wählt allzuoft nach Alfabet, nicht nach Verstand.

  3. dot tilde dot schrieb am

    die entscheidungsträger in den schulen haben wegen corona kaum zeit für politische philosophie, suchen aber ganz konkret ansprechpartner für praktische fragen.

    und zwar jetzt.

    .~.

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