Die Free Software Foundation

CC BY-SA 2.0 Douglas Whitfield

Am 13.02.2017 hat Richard Stallman für die Regionalgruppe Münsterland der Gesellschaft für Informatik einen Vortrag über die Free Software Foundation gehalten, die insbesondere bekannt durch das GNU Projekt und Anwendungen für Linux ist. Wegen des enormen Interesses an dem Vortrag musste extra in einen größeren Raum ausgewichen werden. Die Regionalgruppe Dortmund der Gesellschaft für Informatik und die Alumni Informatik Dortmund hatten einen Bus organisiert, der von Dortmund zum Vortrag nach Münster gefahren ist.

Linux Pinguin | Free Redistribution by Larry Ewing

Der Vortrag war überaus interessant und inspirierend. Dort wurde unter anderem darauf hingewiesen, dass Linux ja unter der GNU Public License läuft und somit ein wichtiger Bestandteil des GNU Projekts ist. Man sollte daher nicht immer nur von Linux, sondern von GNU / Linux reden, weil es die korrektere Bezeichnung ist. Die Philosophie von freier Software wird ausführlich hier diskutiert.

In dem Vortrag wurde zunächst der Begriff der Freiheit genauer untersucht und beschrieben, um ein Verständnis für seinen Wert zu bekommen. In Kürze geht es bei Freiheit um Kontrolle. Wenn ich frei sein möchte, soll niemand Kontrolle über mich haben. Freiheit ist also etwas sehr Wertvolles und Schönes. Bei freier Software soll es keinen Hersteller der Software geben, der für mich entscheidet, was mit der Software zu passieren hat.

Kurz gesagt geht es bei freier Software um vier wesentliche Freiheiten:

  • (0) das Programm ausführen,
  • (1) den Quellcode untersuchen und abändern,
  • (2) exakte Kopien redistribuieren
  • (3) modifizierte Varianten distribuieren

Es lohnt sich, über diese Freiheiten genauer nachzudenken. Freiheit 0 bedeutet insbesondere, das Programm beliebig oft auf beliebigen Rechnern auszuführen. Die vier Freiheiten schließen übrigens nicht aus, dass man mit der Software Geld verdient. Hier muss sich freie Software genau gegen Open Source Software abgrenzen. Denn Open Source bedeutet nicht automatisch frei. Der Begriff Open Source ist ein Begriff, der aus einem Teil der Gemeinde der Freien Software heraus entstanden ist. Bei diesem Begriff wird die lizenztechnische Seite der freien Software im Hintergrund gelassen, um mehr Zuspruch zu bekommen.

Es wurde bereits mehrfach versucht, diese Freiheiten der GNU Public License zu umgehen. Daher gibt es diese Lizenz mittlerweile in der 3. Version. Die bekannten Linux Distributionen sind allesamt keine freie Software, weil sie sämtlich um nicht freie Teile ergänzt wurden. Freie Linux Distributionen findet man hier.

Die vier Freiheiten lassen sich auch auf Hardware übertragen. Allerdings ist die Entwicklung noch lange nicht so weit, dass freie Computer Hardware in größerem Maße verfügbar ist. Aber das ist auf jeden Fall auch ein Ziel.

Richard Stallman ist Begründer der Bewegung der freien Software und lebt freie Software. Er setzt nur ganz freie Software ein: Also kein Handy, kein Windows, kein MacOS, kein Hotel, kein soziales Netzwerk und einige andere Dinge auch nicht.

Der Vortrag war toll. Es lohnt sich auf jeden Fall, die Free Software Foundation zu unterstützen.

About Holger Burbach

Jahrgang 1965; Hobbys: Politik, American Square Dance, Brettspiele, Eve Online; Beruf: Computer; mehr auf meiner politischen Web-Seite


Kommentare

2 Kommentare zu Die Free Software Foundation

  1. Max schrieb am

    Hallo Holger,

    danke für den Bericht, leider gibt es mehrere inhaltliche Unstimmigkeiten:

    • Die Lizenz heißt “GNU General Public License”, kurz GNU GPL
    • Linux (der Kernel) ist kein Bestandteil des GNU-Projekts, sondern steht nur unter GPL 2.0-Lizenz. Die Liste an GNU-Projekten: https://www.gnu.org/manual/blurbs.html
    • GNU/Linux ist der korrekte Terminus für ein Betriebssystem, weil es überlicherweise eine Verbindung des Linux-Kernel mit dem GNU-Softwaresatz ist.
    • Bei Open Source ging es ursprünglich eher darum, einen Begriff für Business-Kunden zu erstellen, weil “Free” im Englischen zu sehr nach “kostenlos” klingt. Daher legten die Begründer des Begriffs den Fokus auf die Offenheit des Quellcodes. Die Freie-Software-Bewegung allerdings bleibt bei dem Begriff der “Freien Software”, weil damit die Freiheit betont wird und nicht nur eine der vier Freiheiten.
    • Es ist nicht korrekt, dass alle bekannten Linux-Distributionen unfreie Software sind. So ist Debian – das am weitesten verbreitete Serverbetriebssystem – per se Freie Software. Die nordamerikanische FSF kritisiert Debian allerdings deswegen, weil es recht leicht ist, unfreie Software zu installieren. Andere Freie-Software-Organisationen wie etwa die europäische FSFE (fsfe.org) sehen Debian aber als 100% Freie Software.

    Disclaimer: Ich arbeite für die Free Software Foundation Europe, die finanziell und strukturell unabhängig von ihrer Schwesterorganisation FSF ist.

  2. Hallo Max, vielen Dank für deinen Kommentar und deine Zusatzinformationen. Ich war davon ausgegangen, dass Debian auch nicht frei ist, weil es nicht in der Liste der freien Distributionen auf gnu.org auftaucht. Richard Stallman vertritt Ansichten, die, vorsichtig ausgedrückt, durchaus polarisierend wirken. Ich habe mich bemüht, den Vortrag möglichst so wiederzugeben, wie ich ihn erlebt habe und dadurch kommt die polarisierende Wirkung evtl. auch in meinem Artikel etwas rüber. In dem Vortrag hat Richard Stallman durchaus klar gemacht, dass er den Begriff Open Source nicht mag und nicht vertritt, weil er im Sinne es Freiheitsgedankens irreführend wirkt.

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