Hilfe für Afrika: Macht endlich Schluss mit Top-Down-Ansätzen!


Kommentare

4 Kommentare zu Hilfe für Afrika: Macht endlich Schluss mit Top-Down-Ansätzen!

  1. Guter Artikel. Interessant dazu finde ich einerseits die sozialpsychologischen Parallelen im Theater um die “Rettung” Griechenlands und andererseits die Ähnlichkeiten zwischen Entwicklungshilfeindustrie und Armutsindustrie (siehe auch den hier erschienenen Artikeln über die TAFELN https://flaschenpost.piratenpartei.de/2015/07/12/tafeln-fuer-beduerftige-wohltaetigkeit-oder-geschaeft-mit-der-armut/).

    Ich muss allerdings auch ergänzen, dass gerade die NRW-PIRATEN mit ihrer brutalstmöglichen Unterstützung der Interessen der Tabakindustrie (siehe Kommentare unter https://lobbywatch.wordpress.com/2012/08/17/tabaklobbyisten-kapern-die-piratenpartei/) ausdrücklich (neo-)kolonialistische Ausbeutungsstrukturen unterstützen: http://unfairtobacco.org/

    Was wirklich hilfreiche Konzepte angeht, schlage ich ein weltweites bedingungsloses und individuelles Sockeleinkommen vor, welches über eine ebenfalls weltweite Umweltabgabe (primär auf klimaschädliche Emissionen und spaltbare Energieträger) finanziert wird. Ungefähr so wie unser Programmpunkt zum Sockeleinkommen (https://www.piratenpartei.de/politik/wahl-und-grundsatzprogramme/wahlprogramm-btw13/arbeit-und-soziales/#wahlprogramm-arbeit-bgeschritte-sockeleinkommen), wobei natürlich die einzelnen Länder entscheiden müssen, ob sie dem System beitreten. Daraus könnte eines Tages dann ein weltweites (existenzsicherndes) Bedingungsloses Grundeinkommen werden.

    (im Artikel ist noch ein Typo, bitte korrigieren und dann diesen Hinweis löschen: “Ein großer Teil der Flüchtlinge (…) fliehen (muss: FLIEHT) aus Gründen…”)

    • Christiane schrieb am

      Das ist ein interessanter Gedanke, insofern vielen Dank für den Kommentar ( das ist eine gute Anregung für die AG-BGE) . Ein zweites Danke für das Auffinden des Grammatikfehlers (jetzt ist er weg).

  2. Betrachtet man die bisherige Zusammensetzung des Fluechtlingsstroms aus afrikanischen Laendern nach Europa naeher, so wird schnell klar, dass sehr viele (vermutlich die allermeisten) derer, die aus Sub-Sahara-Afrika nach Europa kommen, dies nicht aus Gruenden politischer oder religioeser Verfolgung heraus tun, sondern deshalb, weil sie schlicht kaum Moeglichkeiten sehen, in ihren Heimatlaendern ein halbwegs wuerdevolles Leben zu fuehren.

    Setzt man hier die kritische Sonde des Asylrechts gem. Art. 16 GG an, so ergibt sich, jedenfalls nach deutschem Recht, vermutlich nur fuer relativ wenige dieser Fluechtlinge eine Perspektive auf ein dauerhaftes Bleiben. Armut allein ist kein Asylgrund und darf es auch nicht sein.

    Gleichwohl ist es m. E. richtig und wichtig, dass Frau vom Schloss darauf hinweist, dass hier eigentlich nicht pauschal von “Wirtschaftsfluechtlingen” gesprochen werden darf – anders als zB bei den Bevoelkerungsstroemen vom Westbalkan und Suedosteuropa. Verschiedene Laender, vor allem an der Westkueste Afrikas, sind durch brutale Ueberfischung ihrer Meere durch asiatische, russische, aber leider auch europaeische Grossfangflotten bereits weitgehend um die Grundlage ihres Lebensunterhalts gebracht worden. Massive Importe von Secondhand-Kleidern aus westlichen Laendern ueberfluteten zB den Markt in Ghana und zerstoerten die dortige Textilindustrie, ebenso wie der Billig-Chicken-Export aus Europa oertliche Fleischmaerkte. Coltan wird ruecksichtslos im Kongo ausgebeutet. Das sind nur einige Beispiele.

    Noch hinzu treten in vielen dieser Laender traditionell korruptive Machenschaften oertlicher Politiker, einer kleinen, reichen lokalen Oberschicht und archaische Gesellschaftsstrukturen, die eine fairere Umverteilung von Guetern und Rechten verhindern.

    Da ist es dann schon nachvollziehbar, dass sich Menschen vermehrt auf den Weg nach Norden machen, um dort auf ein menschenwuerdigeres Leben zu hoffen, selbst wenn eine Asylanerkennung kaum erreichbar sein duerfte.

    Die Frage bleibt, ob ein solches Kalkuel aufgehen kann. Ich fuerchte – nein. Es waere wohl kaum vorstellbar, wenn letztlich Millionen afrikanischer Fluechtlinge auf diese Weise ihr Leben nach Europa verlegen, dass diese Menschenmassen hier integriert und in Beschaeftigung gebracht werden koennten.

    Deshalb gibt es m. E. nur den einen Weg fuer westliche Laender, um diese Voelkerwanderung einzudaemmen: Nachhaltige Hilfe fuer die Menschen in ihren Heimatlaendern selbst, die im Aufbau von Infrastruktur und im Wiederaufbau ihrer dortigen Ressourcen besteht. Hilfe darf erstens nicht aus schlichten Sachleistungen bestehen, und zweitens muss sie vom gesamten sog. “Westen” und aus den wohlhabenden Laendern Asiens kommen und nicht nur aus einzelnen wohlmeinenden Laendern. Nur dann werden Menschen in Subsahara-Afrika sich entschliessen, in ihrer Heimat zu bleiben.

  3. Rüdiger schrieb am

    Einer der besten Berichte, inklusive der Kommentare. Das stimmt mich tendenziell optimistisch. Die Situation ist nun allerdings die, dass erst mal viele Menschen noch zu uns kommen werden und diese dann in Konkurrenz zu den hier lebenden sozial schwachen stehen. Außerdem ist wie immer fraglich, wer Nutznießer und wer das bezahlen darf. Nach meiner Beobachtung: “Die ersten paar relativ wenige Ankömmlinge tragen nach relativ kurzer Eingewöhnungszeit mittlerweile Neuwertige Kleidung, zum Teil auch Markenartikel, zum Beispiel iPhone mit Headset, sie sind jung, schwarz, männlich und wirken ehr unbeschwert, sorgenfrei und ohne Anhang. Ich habe aus direkter Quelle zufällig gehört, dass Geschäftsleute bei all zu dreistem Handeln gelegentlich auch mal Hausverbot erteilt haben.” Ob alle weiteren genau so auftreten werden, wird sich zeigen. Kurzfristig aber vor allem Langfristig kann diese Geschichte gewaltig daneben gehen und das schon allein deshalb weil die Europäischen Länder ihre eigenen Konfliktfelder des Geldes wegen, haben. Jedes weitere Konfliktfeld ist eines zu viel! Wie all zu oft, stehen die Menschen, in den europäischen Ländern, wie auch hierzulande und nicht nur an Hand dieses Beispiels “Einwanderung – Afrika”, vor vollendete Tatsachen. Die Frage lautet, wie kann eine beidseitig negative Erfahrung der Beteiligten abgewendet werden. Und da fällt mir ein: da sie schon einmal bei uns sind, sollten sie sich auch an bestimmte Regeln halten müssen, welche wenigstens ihrer Angestammten Herkunft und sich selbst zugute kommen. Sie sollten in absehbarer Zeit, bei uns lernen wie sie in Ihrem Herkunftsland bzw. in ihrer angestammten Heimat, selbst zufriedener werden können. Sie sollen zudem lernen, dass bei uns auch nicht alles so ist wie es im Fernsehen über uns gezeigt wird. Und bevor die Heimreise dann wieder angetreten wird, sollte Ihnen auch einen mehrwöchigen Aufenthalt in Israel gewährt werden, um auch von dort noch etwas positives an Erfahrung mitzunehmen, zumal deren Einfluss auch eine große weltweite Bedeutung hat. Als verfehlte Politik würde ich bezeichnen, wenn alle Beteiligten unglücklicher sind als vorher oder nur eine Seite glücklich wird. Es kann auch nicht sein, dass in Deutschland und in anderen Europäischen Ländern die Pille und die “Ein Kind Politik” medial oder “sonst wie” gefördert werden und am Ende ein Zuzug von außen das richtige Ergebnis sein soll. Auch über diesen Punkt sollten unsere lernwilligen Gäste etwas erfahren dürfen.

Schreibe einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht öffentlich angezeigt. Verbindlich einzugebende Felder werden mit diesem Zeichen kenntlich gemacht: *

Weitere Informationen

Sascha Köhle (@sakoelabo) ist Jahrgang 1974. Anfang 2011 wurde Sascha Mitglied der Piratenpartei. Er engagiert sich in der AG Außen- und Sicherheitspolitik, ist kommunal aktiv im Kreis Recklinghausen, u.a. als sachkundiger Bürger im Kreistag.

Archiv aller Artikel

  • Fahscheinfrei
  • Feinstaubsensoren
  • Smartgerecht
  • SH-STOPPT-CETA