10 Jahre Hartz IV – eine Chronologie des Schreckens?

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Kommentare

8 Kommentare zu 10 Jahre Hartz IV – eine Chronologie des Schreckens?

  1. Ralf schrieb am

    Verwaltungskosten Jobcenter ? / Arbeitsagentur+ Sozialämter existieren weiter. Ergänzen möchte ich noch fogendes: Es wäre wirklich einmal interessant zu erfahren, wie die Verwaltungskosten vor und nach SGB II aussehen. Da habe ich bisher leider keine wirklich vergleichenden zahlen gefunden. Haben die Sozialpiraten dazu Infos ? Ich vermute eine deutliche Steigerung der Kosten. Dazu kommen noch die Kosten für die exorbitante Zunahme der Verfahren vor den Sozialgerichten die dazugerechnet werden müssen. Faktisch exitsieren nun 3 Behörden nebeneinander. Denn Arbeitsagentur und Sozialämter gibt es weiter in jedem Landkreis und Stadtbezirk. Denne SGB III und SGB XII/SGB IX/Grundsicherung müssen weiter verwaltet werden. Mit dem Jobcenter konnte die etablierte Kommunalpolitik wieder eine neue Behördenleitung personell “besetzen” ohne eine bisherige Verwaltung abzuschaffen. BGE könnte vieles von dem verwaltungsmäßig zusammenfassen und Verwaltungskosten senken. Dabei gibt es aber Knackpunkte wie die unterschiedlichen Wohnkosten in Ballungszentren und im ländlichen Raum. Aber sicherlich ein lösbares Problem.

    • Ja, das ist eine Frage, die ich mir auch schon gestellt hatte. Ich fürchte, dass die verdeckten Kosten des Hartz IV Systems (durch die von dir genannten Folgen) letztendlich ziemlich hoch sind. Deine Frage nehme ich mit in das nächste Mumble der Sozialpiraten. Vielleicht hat da jemand Statistiken dazu parat.

  2. Georg Weber schrieb am

    Hartz IV ist doch nur der Versuch, durch ein scheinheiliges “Sozialsystem” die Arbeitslosigkeit als Druckmittel gegen Arbeitnehmer zu erhalten. BGE für Hassprediger (“heilige Arbeitslose”), Parallelgesellschaften “, Kriminelle usw. will keiner und schafft keine Integration über den Einbezug aller in das gesellschaftliche Arbeitsleben. Einzige Lösung: Einklagbares Grundrecht auf Arbeit zu einem menschenwürdigen Mindestlohn für alle realisiert durch gerechte Verteilung vorhandener Arbeit (Arbeitszeitverkürzung, niedrigere Lebensarbeitszeit), Schaffung öffentlicher Arbeitsplätze aus den ehemaligen Arbeitslosigkeits-, Verbrechensbekämpfungs- und Krankenbehandlungskosten, Verbot von Überstunden, Verbot von mehr als 60 Arbeitsstunden in kinderlosen Doppelverdienerhaushalten usw.

  3. Rüdiger schrieb am

    Danke für diesen umfassenden Bericht! Hier kommen wirklich einige Zusammenhänge klar zur Sprache. Die ganze Privatisierungsmassnahmen werfen ja auch rechtliche Fragen auf! Dass dieser beschriebene Zustand bereits 10 Jahre alt werden konnte lässt (in mir meine) Betroffenheit aufkommen. Der soziale Aspekt ist bekannter Weise die Grundlage von Frieden und persönlicher Freiheit! Ich frage mich halt, warum lässt die EZB das Geld nicht von der finanziell schwachen Ebene aus nach oben steigen? Denn das Geld würde dann vielen Branchen und insbesondere auch dem teilweise subventionierten Mittelstand zu Gute kommen. Für die EZB wäre es auch ein Leichtes das BGE zu fördern!

    Zum Kommentar von Georg Weber: BGE für Hassprediger??? Ebenso wie zum restlichen Kommentar???

    Das “Bedingungslose Grundeinkommen” steht für sich und deckt viel größere Bereiche ab als der Mindestlohn! Das BGE ist sehr umfassend, vielseitig und anpassungsfähig. Das “Bedingungslose Grundeinkommen” bietet soziale Sicherheit für jedes Alter, für alle Lebensperspektiven und für alle Lebensentwürfe. Das BGE bietet dafür allein die notwendige finanzielle Grundvoraussetzung und hat mit (Deinen) Worthülsen gar nichts zu tun, denn dafür gibt es andere Gesetze!

    Mindestlohn kann man fordern oder auch nicht. Die Durchsetzung benötigt viel zu viel Verwaltung, Kontrolle, Energie und kann sich, wenn überhaupt nur in größeren Firmen mit starken Gewerkschaften etablieren. Die Gesetzmäßigkeiten in der Welt haben sich massiv geändert! Noch vor wenigen Jahren konnte nahezu jede Familie mit einem Gehalt über die Runden kommen und sogar mehrere Kinder schon in jungen Jahren haben… Heute reicht das Geld, das einige verdienen nicht einmal für sich selber aus. Die Familien verlieren an innerem Halt. Der eigene Besitzstand lässt sich kaum noch halten, geschweige denn Vererben! Die digitale Diktatur und die damit verbundene Bedrohung unserer sämtlichen Werte, hat allerdings erst begonnen! ( Wenn wir uns über unsere Werte keine Gedanken machen, dann erledigt sich das Thema von ganz alleine und es wird, wie bereits schon Vieles andere, Digital entschieden.)

    Nun, der “ML” befindet sich gegenüber dem “Bedingungslosen Grundeinkommen” in einer weit untergeordneten Position! Es lohnt wirklich, sich mal ausgiebig mit dem “Bedingungslosen Grundeinkommen” zu beschäftigen, denn es gibt schon ganz gute Bücher darüber zu lesen! Es wird Zeit mit deren Umsetzung zu beginnen!

  4. ottoaktiv schrieb am

    Ihrem Artikel kann ich nach 9 Jahre Hartz 4-Bezug nur zustimmen. Leider gibt es periodische Stress-Steigerungen für die sogenannten “Kunden”. Der Druck wird stetig erhöht. Mit offensichtliche Vorgehensweisen die völlig rechts- und Verfassungswidrig sind. Die Gerichte, passen sich immer mehr dem Schema und den Vorgaben (Weisungen) der BA an. Datenmissbrauch (auch bei Minderjährigen) wird nicht mehr verfolgt. Oder verformuliert bis es passt. Es ist mir aufgefallen, dass auch in fernen Entscheidungsbereichen von sonstigen Behörden, auch so vorgegangen wird. Ich kann zu der momentanen Regierung nur sagen: Pfui Teufel. Wenn Sie noch Beweise benötigen, gerne. Meine Emailadresse haben Sie ja.

  5. marsupilami schrieb am

    Vielen Dank für den Artikel. Doch es sind ein paar Ungenauigkeiten, die aber wesentlich sind, enthalten. Erst einmal fand ein Paradigmenwechsel mit ALG II statt. Es sollte nur noch das Existenzminimum finanziert werden und alle, die kein Einkommen durch Arbeit regenerieren können, waren mit einem Mal unqualifiziert, faul und unwillig, was schlicht eine Verdrehung der Tatsachen ist. Und die Unwahrheit wurde “hoffähig”, Mainstream. Das das nicht durch die Realität gestützt wird, wurde von der Uni Jena eindrucksvoll in einer Untersuchung belegt. http://www.gegen-hartz.de/nachrichtenueberhartziv/bewaehrungsproben-fuer-die-unterschicht-9001524.php Bei der Sozialhilfe wurde immer noch von Teilhabe ausgegangen, die fiel jetzt unter den Tisch. Und bis 2004 gab es versicherungsfinanziertes Arbeitslosengeld und von den Ländern finanzierte Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe, wobei bei letzterer auch das Problem bestand, dass alle Sozialversicherungen nicht vorhanden waren (Rente und vor allem Krankenversicherung) und das war sehr teuer für die Länder, denn oft erhielten kranke Menschen Sozialhilfe, bei denen hohe Krankenversicherungskosten anfielen z.B. für Langzeitbehandlungen in der Psychiatrie. Wieviel erst durch HARTZ IV allein durch die Einsparung der Krankenkosten eingespaart wurde, weiß ich nicht, aber hier die neuesten Zahlen was HARTZ IV kostet: Und dann wird den Ärmsten noch Geld geklaut! http://www.n-tv.de/politik/Verwaltungskosten-fressen-Hartz-IV-Mittel-auf-article13678186.html Dann ist es sehr wichtig, dass Peter Hartz Wohnkosten, Sozialversicherung (Krankenversicherung und Rente) und 512 € für jeden vorgeschlagen/errechnet hatte. Das wurde dann aber auf Betreiben von CDU/CSU und FDP auf 345 € “gekürzt”, das wären heute ca. 570 € (399 € heute real), ca. 170 € monatlich weniger. Warum ist hier die SPD/GRÜNE umgefallen? Denn die CDU/FDP wollte die Zusammenlegung von Sozial-und Arbeitslosenhilfe schon in den 80iger Jahren, was aber immer von der Opposition (SPD;Grüne) im Bundesrat verhindert wurde. Schon lange wird von unseren europäischen Partnerländern die massive Erhöhung der Löhne in Deutschland gefordert, denn dadurch wird die Wettbewerbsfähigkeit massiv verzerrt. Deutschland hat die höchste Arbeitsproduktivität in der EU, glaube sogar weltweit Spitze, aber die die niedrigsten Löhne. Der Abstand zwischen Löhnen und Arbeitsproduktivität ist extrem, d.h. die Gewinne explodieren. Deutschland gehts gut, d.h. wem genau? Und es gibt auch eine Untersuchung (vor kurzem) die belegt die Vergütung im Dienstleistungsbereich im Gegensatz zur Produktion ist sehr, sehr groß. Das wissen wir alle. Die Anforderungen an Dienstleister (die Berufe, die mit Menschen für Menschen arbeiten) sind sehr hoch (Krankenschwestern, Altenpfleger, Sozialarbeiter, Erzieher usw.) aber die Löhne sind sehr niedrig. Es ärgert mich, dass Du “Verschwörungstheorien” anführst. Das neue Modewort für Kritik um es abzuqualifizieren. Gut das wir jetzt wissen das “Überwachung” im Netz auch eine Verschwörungstheorie war! Und heute kam gerade die Nachricht über einen “Ehrenmord” in der islamischen Community in Hessen an einer 18järigen von ihrem Vater über den Äther. Und Kinder sind schon seit den 80iger Jahren bekanntlich in Deutschland ein “Armutsrisiko”, nicht erst seit HARTZ IV. Sicherheitsunternehmen im JobCenter gibt es in Berlin seit 2005. Mich würden die Verhältnisse in anderen Bundesländern interessieren.- Und auch wichtig, wir wissen seit Inge Hannemann, dass die JobCenter Mitarbeiter angewiesen werden, die Gesetze flexibel so auszulegen, dass immer zu wenig ausgezahlt wird. In meinem JobCenter jedenfalls sind die meisten Mitarbeiter fest angestellt (ca. 90%)und seit 2005 dabei, können aber immer noch nicht richtig berechnen bzw. kennen die SGB Gesetze nicht (es geht nicht nur um SGB II, sondern auch I (allgemein) und SGB III und SGB VI (Rente)). Das selbe hat jetzt meine Tochter in ihrem Jobcenter festgestellt (erst seit 2013 dabei wegen Kind und Mann). Das hat Methode. Aber die dummen Hartzer merken es trotzdem und klagen ihre Rechte ein. Dumm das Du diesem Bashing gegen die Mitarbeiter der JobCenter aufsitzt. Die Bürokratie und Sammelwut könnte kritisiert werden. Und dann kann das gar nicht bearbeitet werden. Gut das Du auf die Zwangsverrentung bei HARTZ IV mit 63 hinweist. Ist aber erst jetzt relevat, genau genommen für alle nach 1950 Geborenen, also greift erst seit 2013. Und dann vielleicht noch ein anderer Aspekt, der oft vergessen wird, HARTZ IV zwang viele Menschen sich arm zu machen, Lebensleistung entfiel massiv. Der Staat hat die Menschen geplündert. Es gab nur noch geringen Selbstbehalt. Und da hätte ich gern auch gewußt um wieviel. Ja und die “Bedarfsgemeinschaft” wurde erfunden, nicht zu vergessen. Für vile Menschen entfiel damit ein Einkommen völlig. Die Gesellschaft versucht seitdem Kosten abzuschieben auf andere Menschen wo sie nur kann. Das gab es so massiv auch nicht vor HARTZ VI. Und dann noch eine Bitte von mir, bitte nicht Eurokrise /HartzIV vermischen.

    • Vielen Dank für den ausführlichen Kommentar. Er enthält viele weitere interessante Aspekte. Das Thema Hartz IV ist ja auch sehr vielschichtig, insofern glaube ich, dass jeder Artikel ungenau ist, schon weil man auswählen muss und außerdem ist er ein Kommentar, deshalb Sonntag erschienen. Einige Thesen kann man selbstverständlich diskutieren, da sie meiner Position entsprechen, der man natürlich nicht zustimmen muss. Aber ich habe den Artikel vorher mit den Sozialpiraten abgestimmt.

      Vielleicht hast du Lust selbst einen Artikel zu schreiben, dann könntest du dich mit Gernot Reipen in Verbindung setzen. Er wollte noch einige Artikel zum Thema Hartz IV veröffentlichen.

      Widersprechen möchte ich dir bei zwei Aspekten: Ich halte definitiv gar nichts von den PEGIDA, LEGIDA oder wie auch immer Demos. Sie sind ausländerfeindlich und eben meiner Meinung nach auf die Unzufriedenheit vieler Menschen durch den wegbrechenden Sozialstaat zurückzuführen (Sündenbocksuche). Ich nehme die Menschen schon ernst, aber für Islamfeindlichkeit in dieser Form ist für mich üble Rattenfängerei. Ein Ehrenmord, den du als “Beweis” erwähnst, rechtfertigt dies nicht.Im Namen von allen Religionen sind jahrhundertelang Menschen gefoltert und getötet worden. Trotzdem ist Toleranz und Respekt aus meiner Sicht unerlässlich und eine positive Willkommenskultur für Muslime gehört dazu. Mitarbeiter im Jobcenter bashe ich nicht, die Quellen für die Ausführungen dazu sind verlinkt. Es geht mir in dem Artikel viel mehr darum, zu zeigen, dass auch sie “Opfer” eines Systems sind, das Menschen erniedrigt und Grundrechte missachtet, und dass die Arbeit im Jobcenter eben nicht leicht ist.

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