Pegida – nicht in unserem Namen

Vielfalt statt Einfalt in Köln | CC BY 2.0 Stephanie Schmiedke

Kommentare

5 Kommentare zu Pegida – nicht in unserem Namen

  1. Georg Weber schrieb am

    “Gänsehautmomente” gab es auch auf Reichsparteitagen der NSDAP! Auch wenn es für pseudolinke Gutmenschen und für Pegida-Anhänger selber schwer zu begreifen ist: Pegida ist eine linke Bürgerbewegung GEGEN die planlose, unmenschliche Zuwanderung von billigen Zwangsarbeitern für die deutsche Wirtschaft, GEGEN die Entwicklungshilfeverweigerung der Industrienationen und die dadurch erzwungene Armutsflucht und Heimatvertreibung, FÜR globale Armutsbekämpfung, GEGEN Kriegsflucht und FÜR die Bekämpfung von Kriegen durch das Verbot von Waffenexporten, Abkehr von US-amerikanischer/europäischer Kriegspolitik, Schaffung entmilitarisierter, international kontrollierter Schutzzonen in den Kriegsgebieten auf UN-Beschluss, Verteilung von Kriegsflüchtlingen auf geografisch nahe liegende Länder gleicher Kultur einschließlich der reichen arabischen Terror- und Ölförderländer usw.

    • Moin Georg,

      gut möglich, dass deine Einschätzung mit “links” in teilen zutrifft. Gerade die extreme Rechte unddie extreme Linke treffen an ihren ausgefransten Enden in der Denkweise aneinander. Das machte es einem Horst Mahler so einfach “nach rechts” zu wechseln, das mag für die den Pegida-Führer so reizvoll sein Hitler-Zitate zu bemühen. Mir scheint, dass das von vielen wahrgenommenee “rechts” nahtlos in das von dir wahrgenommene “links” übergeht. Was ich bislang bei Pegida nicht wahrnahm waren Gedanken zu den oft unwürdigen Lebensverhältnissen von Asylbewerbern oder den Lebensumständen, wegen derer sie ihre Heimat verliesen. Auf den Transparten war jedenfalls nichts in diese Richtung zu lesen.

      Die einzige Partei (der Mitte) die sich damit beschäftigt sind tatsächlich wir Piraten.

      Schönen Sonntag

  2. Bemerkenswert, dass auch jemand trotz aller Anfeindungen den Mut findet, einmal konstruktive Elemente bei Pegida wahrzunehmen, die ja nun wirklich auch gibt. Offizieller Parteien- und Mediensprech ist ja von Anfang an gewesen, Pegida als obskure Versammlung Rechtsradikaler und Ewiggestriger in eine rechtsextreme Ecke zu stellen. Fuer die Parteien ist das das Einfachste, weil sie meinen, mit diesem Hebel leichter versuchen zu koennen, Waehlerabfluss bei zu verhindern und –ganz wichtig– von eigenen politischen Fehlern abzulenken.

    Natuerlich kann niemand verhindern, dass bei den Pegida-Demonstrationen auch welche mitlaufen, die rechtradikale Tendenzen haben – uebrigens auch welche, die sich linksaussen positionieren. Deswegen aber gleich die ganze Volksbewegung zu verunglimpfen, ist nicht fair und missachtet das Recht zur freien Meinungsaeusserung groeblich.

    Soweit ich weiss, ist auch Pegida fuer qualifizierte Einwanderung und auch dafuer, Fluechtlingen, die wegen Krieg und Verfolgung auf Basis von Art. 16 GG hierher fluechten, Unterschlupf zu gewaehren. Pegida ist aber gegen ungebremste, mafiaaehnlich organisierte Masseneinwanderung, vor allem aus Ost- und Suedosteuropa, die praktisch in keinem Fall durch Notlagen, die eine Asylberechtigung nach sich zoegen, gerechtfertigt waere.

    Pegida ist, soweit ich weiss, auch dagegen, dass, wie in der Politik neuerdings wieder zu hoeren ist, der Islam zu Deutschland “gehoert”. Der Islam existiert in Deutschland, aber er gehoert nicht zum christlich-juedischen Kulturkreis. Waere es anders, muesste die Politik Konsequenzen ziehen und islamische Feiertage einfuehren, Teile der Scharia ins Rechtssystem einfuehren und muslimischen Frauen und Maedchen Verschleierung in jeder Form gestatten und ihnen das Recht geben, nicht am Schulsport teilzunehmen. Und vor allem: Der Muezzin muesste singen duerfen ! Deutschland ist naemlich ein laizistischer Staat und der Artikel 137 der Weimarer Reichsverfassung, der als Bundesrecht weitergilt, sagt “Es besteht keine Staatskirche”. Da kann man noch darauf warten, dass ein mutiger Muslim zum Bundesverfassungsgericht geht, um dieses Recht des Muezzins einzuklagen….

    Man muss Pegida derzeit sehen als Thermometer zur Messung wachsenden Volkszorns ueber das Gefuehl der Machtlosigkeit der Buerger gegenueber den Mechanismen der sog. “politischen Elite”. Man denke nur an die erste Amtshandlung der neuen Regierung Anfang 2014, sich erst einmal supersatt die Diaeten zu erhoehen, waehrend immer mehr Menschen im Land in die Armut abrutschen, und die von der Sprache her mitunter fast gleichgeschaltet erscheinenden Medien liefern Kommentare in sich wiederholenden Sprachschemata.Da ist es doch kein Wunder, dass sich irgendwann die Wut buendelt !

    • Moin,

      nun ist es natürlich richtig auf die Strasse zu gehen und zu klar zu kommunizieren wenn etwas nicht stimmt. aber nicht jeder Einsatz ist auch demokratieförndern. Und, um es deutlich zu sagen: Eine offene Gesellschaft muss es aushalten, dass sie Änderungen unterworfen ist. Dazu gehören auch Einwanderungen. Entschudligung, dieses blöde Gerede von der “Islamisierung Deutschlands” ist nur schwer zu ertragen. Natürlich gehört der Islam zu Deutschland. Macht die Augen auf, schaut euch um! Dann seht ihr Muslime die hier leben und selbstverständlich auch in einer Wechselwirkung mit ihrer Umwelt stehen. In der Familie, am Arbeitsplatz, im Kino, Theater und auch im Restaurant, wo neben “Freitag nur Fisch” oder “koscher” eben ein weiteres Kriterium kommt: halal. Das ist eine neue Entwicklung. Du liest nichts bei Goethe oder Schiller davon, nichts bei Zille oder Kästner. Aber wir sehen es im Fernsehen, im Kino oder Theater. Es macht unsere Kultur reicher, nicht ärner! Und es gehört zu uns.

      Mit dem Vorschlag, dass der Muezzin gleichberechtigt mit den Kirchenglocken rufen dürfen sollte, bringst du mich ins Grübeln. Auch wenn ich Gläubigen mit Respekt begegne kann ich selbst mit dem Glauben nichts anfangen. Eigentlich ist Religion Privatsache, mir geht schon das Glockengeläut zu weit. Die Frage für mich wäre weniger “darf der Muezzin das auch” sondern “wollen wir alle Religionen gleich behandeln”. In Norwegen (speziell in Oslo) dürfen auch Atheisten, gleichberechtigt mit den Kirchen, ihre Botschaft mit Megaphonen über die Dächer der Stadt verbreiten. Hier wäre weniger sicher mehr.

      Und wie sieht es mit den Feiertagen aus? Staatliche Feiertage gibt es nur wenige. Wir haben den Todestag von Franz-Joseph Strauss (als “Tag der deutschen Einheit” schon im Jahr nach seinem Ableben auf den 3. Oktober gesetzt), Neujahr und den “Tag der Arbeit”. Im laizistischen Frankreich sieht es besser aus: Neben Neujahr und dem Tag der Arbeit gibt es den “Tag der Befreiung” am 8. Mai (eigentlich der Tag der Deutschen Kapitulation, der bei uns tatsächlich als “Tag der Befreiung gefeiert wird”), den Nationalfeiertag am 14. Juli und den 11. November für den Tag des Endes des 1. Weltkriegs. In einigen Überseedepartements gibt es noch einen weiteren Tag, der auf die “Befreiung von der Skalverei” zurück geht. Das könnte, vom regionalen Charkater befreit, ein Modell für muslimische Feiertage für Deutschland sein. Jede Glaubensgemeinscahft hat ihre Feiertage, an denen die Gläubigen zuhause bleiben. Zusätzlich gibt es staatliche Feiertage. Atheisten wie ich tun was für das Bruttosozialprodukt 😉

  3. M. S. Europa schrieb am

    Es ist immer wieder schön, zu sehen, wie in unserem Land immer und immer wieder polarisiert wird, um einer Diskussion über das eigentliche Problem aus dem Weg zu gehen. Gute Demonstranten gegen schlechte Demonstranten, gute Flüchtlinge gegen schlechte Flüchtlinge, gute Muslime gegen schlechte Muslime, das alte Spiel von Gut gegen Böse. Wer nicht für mich ist gegen mich! Und bei der ganzen Schwarz-weiß-Malerei wird doch – wenn man einmal genau hinguckt – immer wieder das gleiche Spielchen gespielt, auch wenn wir es vielleicht nicht wahrhaben wollen und uns statt dessen lieber tausend gute oder weniger gute Argumente für oder gegen was auch immer um die Ohren hauen. Das eigentliche Problem soll nach Möglichkeit immer unterm Tisch bleiben! Es ist das Problem von mächtig und machtlos, oder einfacher ausgedrückt: das Problem von arm und reich. Dass das tatsächlich so sein könnte, will bei uns natürlich niemand wahr haben und selbst wenn es so wäre, erst recht niemand diskutieren, denn damit stünde das ganze westliche System auf dem Prüfstand. Und das kann ja keiner wirklich wollen, oder? Wir sind ja schließlich eine Demokratie und da geht ja alles – wie man weiß – mit rechten Dingen zu. Und unser Wohlstand ist dafür ja schließlich auch der Beweis – oder etwa nicht? Oder ist der Wohlstand einiger weniger nicht vielleicht doch eher der Beweis für etwas ganz anderes? Aber wir sind ja gegen PEGIDA, damit sind wir die Guten. Das reicht uns für ein gutes Gewissen. Aber was haben wir damit für die Flüchtlinge in der Welt verändert? Nichts! Dass sich diesbezüglich etwas ändert, dafür geht niemand auf die Straße, das ist ja jetzt auch grad nicht das Thema, oder?

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