Sanktionierte käufliche Liebe – Piraten protestieren gegen die neue Meldepflicht für Sexarbeiter

Miteinander | CC BY 3.0 @bulgerina

Kommentare

16 Kommentare zu Sanktionierte käufliche Liebe – Piraten protestieren gegen die neue Meldepflicht für Sexarbeiter

  1. Christiane Lauer-Härtel schrieb am

    Bei einer Gleichstellung könnten die Jobcenter pp. allerdings auch dazu übergehen, die Arbeitssuchenden in das o. a. Gewerbe zu zwingen = keine sexuelle Dienstleistung – kein Hartz IV. Ist dieser Aspekt berücksichtigt?

    Frdl. Grüße

    • Ich persönlich halte nichts davon, die zukünftig geplanten Grundrechtsverletzungen der Sexarbeiter gegen die aktuell alltäglich stattfindenden Grundrechtsverletzungen auszuspielen, die “Kunden” der Jobcenter erleiden. Das ist die falsche Denkweise einer Ellenbogengesellschaft, die zulässt, dass die im GG verbrieften Menschenrechte immer weiter ausgehöhlt werden.

  2. Fabio Trotta schrieb am

    Das liest sich für mich wie Gleichberechtigung durch Sonderbehandlung. Und wenn man doch so stolz seinem Beruf nachgehen möchte, verstehe ich nicht wieso man sich auf der anderen Seite dafür schämt. Es gibt sicher genug Berufe wo Betreibende nicht stolz drauf sind. Soll man da auch die Meldepflicht abschaffen? Eine Meldepflicht wie bei einer Bewährung ist Quatsch. So etwas ganz normal wie jeden anderen Beruf anzumelden, wenn man denn als solcher anerkannt werden möchte, sollte selbstverständlich sein.

    Und ich bezweifle immer noch wie viele Leute glücklich dem Beruf nachgehen. Ich empfinde aber auch Pornos nicht als Bereicherung. Das schweift jetzt aber vom Thema ab.

    Wieder mal ein Piratenthema was mich eher ans austreten denken lässt.

    • Das geplante Gesetz sieht keine Gleichbehandlung der Sexarbeiter vor, sondern eine stigmatisierende Sonderbehandlung. Sexarbeiter sollen -im Gegensatz zu allen anderen Berufsgruppen- amtlich voll erfasst, zwangsgelistet und kontrolliert werden. Jeder Wechsel des beruflichen Standorts müsste angezeigt werden. Welche Maßnahmen genau geplant sind, kann man augenblicklich noch nicht sagen. Vergleichbare Meldepflichten sind für Straftäter auf Bewährung vorgesehen. Wenn das geplante Gesetz in Kraft tritt, wird ein Teil der Sexarbeiter die Verletzung ihrer Grundrechte zähneknirschend akzeptieren, um legal weiter arbeiten zu können. Vermutlich werden dies gut verdienende Sexarbeiter sein, z.B aus der SM -Szene, die stolz auf ihren Beruf sind. Viele SMler sehen ihre Veranlagung als ohnehin natürlich an und Streben nach gesellschaftlicher Anerkennung.Dies rechtfertigt allerdings keine Verletzung der Grundrechte, wie sie durch das neue Gesetz geplant ist. Andere Sexarbeiter werden von dem geplanten Gesetz erneut in die Illegalität getrieben, sie werden ohne der Meldepflicht nachzukommen, weiterarbeiten, um sich selbst, Lebenspartner und Kinder vor Diskriminierung zu schützen. Falls diese Sexarbeiter je aus dem Gewerbe aussteigen wollen, ist die Hemmschwelle schon dadurch erhöht, dass sie sich strafbar gemacht haben. Gravierend sind jedenfalls die massiven Grundrechtsverletzungen, die alle Sexarbeiter betreffen werden. Dies hat allerdings wenig mit den eigenen sexuellen Vorlieben zu tun oder mit der Frage, ob Sexarbeiter “glücklich” sind oder “Pornos eine Bereicherung ” darstellen, sondern ist ein prinzipielles Problem.

  3. claus martin schrieb am

    Ein sehr mutiger Artikel. Wir leben leider in einer verklemmten und heuchlerischen Gesellschaft. Kann man Geld damit verdienen, ist Porno und auch Hardporno gut. Versucht eine Frau, ihren Lebensunterhalt mit Prostitution zu verdienen, wird sie verabscheut und jeder glaubt, sie verachten und mit Füssen treten zu dürfen. Dazu zählen auch viele Politiker und Kirchenvertreter. Gegen diese Misstände einer heuchlerischen Gesellschaft hat sich bereits Jesus tatkräftig gewehrt und er wurde deshalb ermordet. Es hat wahrscheinlich in der gesamten Menschheitsgeschichte keine Gesellschaft gegeben, in der es keine Prostitution gab. Wir müssen akzeptieren, dass wir nicht rein geistige Wesen sind, sondern einen Körper haben, der auch Sex haben will. Und wenn das nicht in einer kanalisierten Form wie der Ehe möglich ist, muss die Gesellschaft dafür andere Wege finden. Und das sollte in einer Form erfolgen, die entsprechend unserem Grundgesetz die Würde der beteiligten Menschen wahrt und ihre Gesundheit so gut wie möglich schützt. Also keine Zwangsuntersuchung durch Amtsärzte, sondern Untersuchung durch Frauenärzte. Gerade Prostituierte sind einem sehr hohen Gesundheitsrisiko ausgesetzt und deshalb sollten sie alles tun, um ihre Gesundheit zu schützen. Die Gesellschaft sollte anerkennen, dass Prostitutierte viele Frauen vor Vergewaltigung schützen und sie deshalb das Bundesverdienstkreuz verdienen.

  4. Karl-Heinz Gerlach schrieb am

    Der Schreiber ihres Artikels hat den Sinn der Maßnahme nicht verstanden und sucht das geplante Gesetz mit unsinnigen konstruierten und nicht realen Gedankenspielen anzugreifen. Z.B. völliger Blödsinn, Kriminalbeamte versuchen als getarnte Freier Prostituierte zum GV ohne Präservativ zu überreden.(wohl zu viel billige Krimis angesehen) Die meisten konzessierten Bordellbetreiber haben Familien und fahren sogar ihre Kinder mit dem rosaroten Ammischlitten zur Schule. und und und. Besser erst überlegen, dann wird so ein Unsinn nicht in Schriftform gebrachte.

    • Christiane schrieb am

      Ich bin ausgesprochen überrascht, wie viel Leben dieser Artikel in die Kommentarspalte der Flaschenpost bringt. Das Thema scheint recht kontroverse Diskussionen heraufzubeschwören. Ich werde versuchen auf einige Kommentare zu antworten. In der Tat sind die Sexarbeiterinnen, die ich persönlich kenne, verheiratet oder leben mit ihrem Lebensgefährten zusammen beziehungsweise haben Kinder. Natürlich habe ich Verständnis dafür, dass es Menschen gibt, die diese Tatsache abstoßend beziehungsweise absurd finden könnten. Die Befürchtungen der Frauen durch das neue Gesetz Repressalien zu erleiden, die auf dich wirken, wie aus einem “billigen Krimi” ist groß und wahrscheinlich nicht von der Hand zu weisen.

  5. Karl-Heinz Gerlach schrieb am

    So einen Unsinn habe ich selten gelesen, er spricht nicht von Sachkenntnis, sondern versucht nur anzustänkern.

  6. B. Kern schrieb am

    Ja sicher: Frauen, die in der Sexbranche arbeiten sind vor allem unabhängig, können frei über ihre Zeit verfügen und bestimmen die Konditionen natürlich selber.MERKE: es geht in erster Linie um das Heer der verelendeten Zwangsprostituierten und um das Eindämmen des Raubtiersexkapitalismus. Der Artikel ist voller Widersprüche und bietet keine einzige eigene Idee, wie man das Problem der Sex-KZ-Lager (und um die geht es!) lösen sollte. Hier bastelt man sich irgendwie eine eigene Parteiposition ohne eine Haltung gegenüber dem Grundproblem zu haben. Sehr schwach das ganze, wirklich enttäuschend.

    • Christiane schrieb am

      Die Situation der Sexarbeiter sieht sehr unterschiedlich aus. Darauf gehe ich im Artikel auch ein. Meine persönliche Haltung zu der Problematik ist ganz klar. Es darf nicht dazu kommen, die Grundrechte einer auch noch so kleinen Gruppe von Menschen verraten, um Kriminalität effektiver bekämpfen zu können. Ich lehne es auch kategorisch ab in einer hypothetisch anzunehmenden Situation einen Kindesentführer zu foltern, um das Opfer zu retten. Eine Gesellschaft, die ihre Gesetze auf diese Art verrät, zahlt einen hohen Preis durch den Verlust der Hemmschwelle. Der Zweck heiligt nicht die Mittel.

  7. PG schrieb am

    Arbeitnehmer sind bei den Sozialversicherungen erfasst. Selbständige haben hoffentlich ein Gewerbe angemeldet. Ob Sexarbeiter es schaffen, als Freiberufler durchzugehen ist fraglich (und auch die sollten sich melden, sonst gibts Diskussionen ob man nun nicht-gemeldeter Selbständiger oder Freiberufler ist). Die Möglichkeit der Schwarzarbeit spare ich mal aus, es geht ja schließlich um die bessere Anerkennung des Berufsstands.

    Das heißt, es ist eh schon jeder Mensch, der legal Geld für Arbeit erhält, irgendwo mit Beschreibung der Tätigkeit erfasst (wenn auch ggf pseudonymisiert als “Masseuse”). In der Regel auch mit Angabe der regelmäßigen Betriebsstätte.

    Von daher braucht es keine “Datei ‘Horizontal'”, ein Auszug aus den entsprechenden Registern des Kreises sollte völlig ausreichen für Kontrollen. Kontrollen von Arbeitsstätten finden auch in anderen Berufsgruppen statt (z.B. zur Bekämpfung von Steuer- und Sozialbetrug). Eventuell sind Anpassungen notwendig, um Besonderheiten der Bedingungen im Bereich der Sexarbeit zu erfassen.

    Solche Anpassungen sollten Diskriminierung keinen Vorschub leisten und entsprechende konstruktive Forderungen (idealerweise bevor der Entwurf auf dem Tisch liegt) wären ein super Thema für politische Arbeit. Dieser Artikel vermittelt aber leider nur das übliche unkonstruktive Politikgeblubber: “Die anderen bauen nur Mist und sind eh voll blöd” gibts auch woanders.

  8. Ich war als Student Taxifahrer, vorwiegend in der Nacht und kenn daher die Scene. Die Fortentwicklung unserer Gesetzgebung besteht in Kommerzialisierung unserer Rechtsprechung mittels matrialchaischer Politik. Damit werden wieder mehr Männer wegen Vergewaltigung eingesperrt. Wollen wir das wirklich.?

    DGF

    • Christiane schrieb am

      Ich weiß nicht, ob ich dich richtig verstehe. Meinst du, falls die Rechte der Sexarbeiter eingeschränkt würden, würde es dadurch weniger Prostitution geben und die Folge wäre dann, dass Männer ihrem Sexualtrieb zum Opfer fallen, Frauen vergewaltigen und dafür eine Gefängnisstrafe verbüßen müssten, was die geheime Absicht der Frauen wäre, die die Gesetzesinitiative initiierten?

  9. “Sexarbeit” – das ist kein Arbeit aber Sklaverei.

    Sagen sie, bitte, Piratten, wer moechtet dass ihre Toechter lernte solche “Profession”? Oder vorstellen, bitte, dass 16-jaehrige Madel dachte wie sie kann verdient ein bischen Geld nach der Schule: wo ich verdient mehr – in eine Kaffe putzen oder in einem Bordel Schwanze lecken…

    Prostitution – dass ist nicht Frage ueber “Aarbeitsrecht” aber – dass geht ueber MORAL, ueber Menschlichkeit, ueber Socium Gesundheit und Degradierung.

    Leute, sie dachten wie verrueckte und wie Monstren.

    KEIN MENSCH IST KEINE WARE.

    Entschuldigung fuer mein Deutch.

    • Moin, ich glaube das ist ein Missverständnis. Es geht nicht darum Prostitution zu fördern oder Töchter zur Prostitution zu ermutigen oder gar hinein zu zwingen. Tatsache ist aber, dass es Prostitution gibt, ob wir das nun wollen oder nicht, wahrnehmen oder nicht, nutzen oder nicht, gut heissen oder nicht. Und an diesem Punkt setzen wir an: die Bedingungen in diesem Bereich sollen verbessert werden. Raus aus der Schmuddelecke und aufrecht stehen, Weg aus der Illegalität und Selbstbewusstsein lernen, nieder mit der Abhängigkeit und selbstständig handeln. All das hilft den Betroffenen sich als Mensch statt als Ware wahrzunehmen.

  10. claus martin schrieb am

    Wir müssen bei der Diskussion, wie wir arbeitsrechtlich mit der Prostitution umgehen sollen, uns frei machen von allen in unserer Gesellschaft herrschenden Vorurteilen. Und wir müssen anerkennen, dass es keine Gesellschaft gibt, in der es keine Prostitution gibt. In Diktaturen oder autoritären, religiös geprägten Gesellschaften mag die Prostitution offiziell verboten sein, trotzdem gibt es sie. Frauen werden in den meisten Ländern unterdrückt, in vielen zur Zwangsheirat gezwungen und in allen Kriegen massenweise vergewaltigt.Viele Frauen werden auch in Deutschland durch andere zur Zwangsprostitution gezwungen, sei es, indem ihre Notlage durch Kriminelle schamlos ausgennutzt wird oder sie durch Drogen willenlos gemacht werden. Eine Zwangsprostitution besteht auch, wenn eine Frau in eine wirtschaftliche Notlage gerät und sie keinen anderen Ausweg daraus sieht, als die Prostitution. Es gibt also noch sehr viele Misstände auch in Deutschland und die müssen wir unbedingt beseitigen. Wenn eine Frau, ohne Not, freiwillig als Prostituierte arbeiten will, haben wir keinerlei Recht, sie deswegen zu verurteilen. Sie besitzt alle Rechte unseres Grundgesetzes und die Gesellschaft ist verpflichtet, dass ihr diese Rechte auch gewährt werden. Und der Staat darf keine “Sonderbehandlung” für sie vorsehen, sonder muss dafür sorgen, dass sie ihren Beruf ungehindert und sicher ausführen kann, ohne irgendwelche Bedrohungen oder Beschimpfungen. Wir müssen die Prostitution aus dem kriminellen Umfeld herauslösen.

Schreibe einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht öffentlich angezeigt. Verbindlich einzugebende Felder werden mit diesem Zeichen kenntlich gemacht: *

Weitere Informationen

Archiv aller Artikel

  • Feinstaubsensoren
  • SH-STOPPT-CETA