Piraten dürfen sich von Feindbildern nicht verführen lassen

Bush Administration Iraq War Criminals? | CC BY SA 2.0 DonkeyHotey

Kommentare

19 Kommentare zu Piraten dürfen sich von Feindbildern nicht verführen lassen

  1. Ich bin mir sicher, dass auch vor diesem Beitrags-“Hinweis” jederman bewußt war, dass es auch unter US-Amerikanern friedfertige Menschen gibt, die sich beispielsweise für Menschenrechte einsetzen. Ich muss leider auch kritisieren, dass hier grausam und bewusst durchgeführte Handlungen zum Teil krass heruntergespielt werden. Es reicht hier nicht aus, von Fehlern zu reden! Guantanamo wurde bewußt deshalb für Inhaftierungen gewählt, um gültiges Recht zu umgehen. US-Präsident Obama hat sein Versprechen zur Auflösung Guantanamos auch nicht gehalten.

    Und wenn die “uralte Forderung” AMI GO HOME ausgerufen wird, sind damit hauptsächlich die Stützpunkte und Spionagemaschinerieen gemeint, die sich hierzulande schon kurz nach Kriegsende wie Zecken eingenistet haben. Das “Zusammenspiel” geförderter deutscher Politiker und Vertreter der USA führt nun mal genau zu dem Effekt, dass unsere Politiker Dinge tun oder unterlassen – ganz wie von Übersee gewünscht bzw. gefordert.

    Wenn wir Piraten in solchen Fragen Merkel-Positionen einnehmen, statt kritisch zu differenzieren und klare Forderungen auszusprechen, wäre dies m. E. ein großer Fehler.

  2. Hast schon recht, Michael. Mir gefiel der Vergleich mit Zecken beim Schreiben auch nicht besonders, denn die fallen ja wenigstens nach einer Zeit ab, wenn sie sich vollgesaugt haben.

  3. Ich kann Norbert’s Kommentar nur zustimmen und bekräftigen. Die bekannten Fakten (und nicht Meinungen) sprechen leider nicht nur bzgl. Guantanamo häufig gegen die amerikanische Regierung und deren Politik. Klar distanzieren müssen wir uns jedoch von allgemeinen Äußerungen gegen Amerikaner. Ich hab nix gegen Amerikaner, aber ich hab immer was gegen die amerikanische Regierung. Hier sollten wir – faktenbezogen – klar Stellung beziehen.

  4. claus martin schrieb am

    Ich bin auch der Meinung, dass der Satz °die Bush-Regierung hat gemeinsam mit den US-Geheimdiensten einen schweren Fehler gemacht” zu schwach formuiert ist.

    Die amerikanische Regierung unter Präsident Busch hat nicht nur das eigene Volk und die Weltöffentlichkeit bewusst mehrfach belogen, sondern auch viele schwere Verbrechen begannen und gehört eigentlich vor dem Internationalen Gerichtshof angeklagt. Wir dürfen nicht zweierlei Masstäbe anlegen, wenn wir Verbrechen in Diktaturen scharf verurteilen und in befreundeten Ländern weniger scharf. Eher umgekehrt. Und wir müssen unbedingt unsere eigenen Geheimdienste genau überprüfen; am besten ganz abschaffen. Da sie nicht wirkungsvoll kontrolliert werden können und Bürger sich vor Gericht nicht dagegen wehren können, sind sie eine grosse Gefahr für die Demokratie. Wir brauchen sie nicht. Das Geld dafür sollte in Sozialarbeit investiert werden und in den Ausbau der Polizei, die einige der Aufgaben der Geheimdienste übernehmen kann.

  5. Markus Schüßler schrieb am

    Nein, es sind nicht alle Amerikaner schlecht, es gibt auch Amerikaner, die “moralisieren” genau wie wir “Besserwisser” wenn es um die amerikanische Politik geht. Es sind auch nicht alle Israelis schlecht, denn es gibt Juden, die kritisieren die eigene Regierung mit der gleichen “Überheblichkeit” wie wir “pauschalisierenden” “Antisemiten”. Denn wenn man gegen Israel “pauschalisiert” ist man ja wohl automatisch “Antisemit”, ob man nun politisch rechts ist oder links. Eins so gut wie´s andere, nicht wahr? Ich frage mich, wer hier pauschalisiert und wer den klaren Blick auf die Verhältnisse wirft und wer etwas Neues machen will. Leute, die so moderat kritisieren, können sicher einmal Kariere in der Politik machen und damit auch was verändern. Fragt sich nur, ob das die Veränderungen zu Besseren sind, die wir eigentlich bräuchten. Ich glaube nicht.

  6. Ich bin zur Zeit in den USA. Über Guantanamo sind die wenigsten Amerikaner richtig informiert. Hier haben derzeit im TV die Republikaner das sagen. Sie sind am meisten bei den Wahlämtern registriert und regieren panisch. Die weiße Bevölkerung hat neuerdings nicht mehr die Mehrheit, sondern Latinos , Farbige und Nichtweiße. Das ist nämlich neu und führt zu Überreaktionen. Die Folterungen durch den CIA et al werden auch von Hardlinern wie Mc Cain verurteilt. Nur erfahren das wiederum die Deutschen nicht. Wir sind eben alle das Produkt von Meinungsproduzenten. Gruss Dr.G. Fleischner

  7. barny schrieb am

    du sagst es doch selbst: “Lasst uns einen klaren Blick auf die herrschenden Verhältnisse werfen statt in die Trägheit der Überheblichkeit und der Besserwisserei zu verfallen. Denn mit Vorverurteilungen und Pauschalisierungen wären wir nicht besser als die, welche wir politisch bekämpfen wollen.” die herrschenden verhältnisse in den usa sind eben antidemokratisch, militaristisch und hegemonial! denn die regierung macht politik, nicht die bevölkerung. obama als friedensnobelpreisträger ist eine zumutung und verhöhnung der idee von frieden. gruss barny

  8. Jürgen Stock schrieb am

    Der Artikel ist im Urteil nicht nur viel zu schwach formuliert – man denke daran, dass führende Kommentatoren etwa auf SPIEGEL ONLINE oder Sueddeutsche.de gefordert haben, dass die für Folterungen in Guantanamo politisch Verantwortlichen und nicht nur die unmittelbaren Täter bestraft werden müssen, wenn der Westen mit seinen Werten glaubhaft bleiben will. Zu diesen Verantwortlichen gehören unter anderen der Ex-CIA-Chef Tenet, Ex-US-Vizepräsident Dick Cheney und natürlich auch Ex-US-Präsident George Walker Bush. Genauso wenig sind die vorgetragenen Argumente nicht neu. Auch bei den Enthüllungen um die globale Ausspionierung von allem und jedem durch die NSA und die anderen der Five Eyes, ist gesagt worden, man dürfe die Untäter nicht mit den USA gleichsetzen. Natürlich nicht. Aber ich möchte auch hören, dass Kritik an der Politik Israels nicht automatisch, auch von einigen deutschen Politikern, mit Antisemitismus gleich gesetzt wird. Ob es nun die Exzesse in Guantanamo, Abu Graib oder die Exzesse der NSA-Spionage sind, alles das zeigt, dass sich weite Teile der der US-amerikanischen politischen Klasse von den Werten, die den Westen konstituieren, verabschiedet haben. Damit sind sie dabei, die westliche Zivilisation zu zerstören. Das ist das Thema. Hier davor zu warnen, Gruppierungen in einer Ein-Prozent-Partei – und etwas anderes sind die PIRATEN im Augenblick nicht – könnten „anti-amerikanische(n) Ressentiments“ anheim fallen, geht an der Sache vorbei. Warum hat man die NSA-Affaire im Bundestagswahlkampf 2013 nicht zum herausragenden Thema gemacht bei den PIRATEN? Vielleicht, weil man Angst hatte, die etablierten Parteien könnten die PIRATEN des Anit-Amerikanismus bezichtigen? Das wird der LINKEN auch mehr oder weniger offen vorgeworfen. Hat es denen geschadet? Nein. Wieso macht man ein eminentes äußeres Problem (US-Folterei, US-Spionage) zum Gegenstand einer partei-internen Debatte? Das ist Selbstbeschäftigung, aber keine Politik, mit der man potenzielle Wähler erreichen kann.

  9. M. S. Europa schrieb am

    Polarisieren ist das Instrument der Stunde. Mit keiner anderen Taktik gelingt es effizienter diejenigen im Handumdrehen mundtot zu machen, mit denen man sich ansonsten harte politische Auseinandersetzungen liefern müsste. Die härtesten Kritiker des demokratischen Systems sind jedoch in den seltensten Fällen Antidemokraten. Genau so, wie die härtesten Kritiker Israels in jedem Fall Antisemiten sind. Ein wahrer deutscher Patriot war im dritten Reich im Widerstand. So, und da könnte man, wenn man denn wirklich wollte schon mal Unterscheidungen zur Rechten finden. Aber es ist ja bequemer für einige Argumentatoren hier einen Topf aufzustellen, der groß genug für alle Kritiker ist, seien sie nun politisch rechts oder links. Und damit macht man genau das, was man anderen ankreidet: man differenziert nicht. Warum? Man will im Grunde gar keine Diskussion über diese Dinge führen müssen – über Themen, die Amerika oder Israel in Erklärungsnot bringen würden – man will die Diskussion beenden. Es ist deren Politik und darum geht es uns nix an. Und jeder der meint, dass es ihn doch was angeht, weil er sieht, dass solche Politik weltweite Auswirkungen hat, ist, solange man es vielleicht noch gut mit ihm meint, ein kleiner überheblicher Besserwisser, der aber, wenn er dann weiterhin keine Ruhe geben sollte, schließlich als spinnerter Verschwörungstheoretiker oder Schlimmeres endet. Problem gelöst! Diejenigen, die angeblich Feindbilder aufstellen werden selbst zum Feindbild erklärt, oder eben zu Deppen degradiert – je nach Belieben. Wer sich dagegen immer schön moderat durch die politische Mitte schummelt, dort hin also, wo ja alle seriösen Parteien und Politiker hin wollen, dem winkt eine gewisse Anerkennung, sogar vom vermeintlichen politischen Gegner. Aber wozu dann eine neue Partei gründen oder unterstützen, wenn diese sich in Politik und Inhalt nur marginal von den anderen unterscheidet? Warum eine weitere Partei für die Mitte? Will man nur eine scheinbare politische Alternative bieten, oder eine echte politische Alternative? Hier wird von der Trägheit der Besserwisserei und Überheblichkeit gesprochen – für mich findet sich diese Trägheit und Überheblichkeit eher in der politischen Mitte, wo man es sich – wenn man geschickt anstellt – richtig gemütlich einrichten kann. Viel Erfolg, kann ich da nur sagen!

    • Moin, ich kann nicht anders als dir zuzustimmen! Diese Erbsenzählerei wer mehr Demonstranten auf die Strasse bekommt – unerträglich. Diese Vorstellung, dass die Mehrheit recht haben muss – mit einem nachgeschobenen “Wir sind das Volk” um grösser zu wirken – unmöglich! Dazu kommt die Beobachtung, dass dieses “ist ja gar nicht wichtig wie viele Teilnehmer eine Demonstration mobilisieren kann” erst dann in die Diskussion kam, als die Demokraten endlich aufwachten und Flagge gegen rechts zeigen. Immerhin Flaggen die farbenfroher zeigten als die Beschränkung auf “schwarz-rot-gold” bzw. “schwarz-weiss-rot”. Hoffen wir mal, dass das, was ich “demokratische Allianz” nennen möchte gleichermassen gegen die Rechten von Pegida wie die linken Deppen eintritt, die mit dem schwachen Argument “wie sind gegen Nazis” Innenstädte verwüsten und Schauensterscheiben zum Gegner erklären. Das Land wäre besser dran, wenn die demokratische Mehrheit, sie nimmt politisch viel Raum ein, deutlich zeigen kann, dass die anderen vielleicht lauter sind, aber eben doch keine Mehrheit. Recht möchte ich dir auch in Frage geben “was denn nun für die Flüchtlinge getan wird?”. Schauen wir nach Berlin fällt sofort Fabio Reinhardt (Pirat!) auf, der unermüdlich nicht nur für die Rechte von Flüchtlingen, sondern auch dafür eintritt, ihre Lebenssituation zu verbessern. Es bräuchte mehr wie ihn, um ihr Leben flächendeckend zu verändern. Es ist schon wahr wenn du schreibst beklagst es werde “immer wieder polarisiert”, aber mehr als das “geht weg, ihr seid anders” können die Pegiden eben nicht kreischen. Erstaunlich eigentlich, dass ausgerechnet in Deutschland, wo wirklich alle Völkerwanderungen durchkamen und dabei auch Einfluss auf den grossen Genpool nahmen, von der ethnischen Homogenität geträumt wird. Hier hat, aber das sagen wir Piraten ja seit langem, die Bildung versagt!

      Dass die Piraten nichts von der von dir genannten “Trägheit der Besserwisserei und Überheblichkeit” kennen gibt mir Hoffnung, dass auch wir als eine Partei der Mitte (na ja, oder “vorne”) etwas reissen kann. Das erfordert Einsatz und Fantasie. Deswegen bin ich stolz Mitglied einer Partei zu sein, die sich geistigen Brunnenvergiftern in den Weg stellen oder setzen. Deswegen gilt auch seit 2006: Piraten wählen. Dich weiss ich dabei auf meiner Seite!

  10. M. S. Europa schrieb am

    Was ist eigentlich die Aufgabe eines Chefredakteurs bei den Piraten? Auf einen Kommentar zu antworten bevor es ein anderer tut? Nur mal so als Tipp: Ich stehe drauf, Reaktionen auf meine Kommentare zu bekommen. Seien sie gut oder schlecht. Hauptsache, ich merke, mein Gegenüber hat den Versuch unternommen meine Position zu verstehen. Bei Dir habe ich jedoch eher das Gefühl dass Du mir (oder den Lesern) mit Deinen Reaktionen auf meine Kommentare ein Stück weit Deine Sicht der Dinge unterschieben willst, weil Dir meine nicht so ganz passt. Du kommentierst manipulativ. Macht man das so in dem Geschäft? Wenn Du mit einer Aussage von mir nicht übereinstimmst, hör ich mir gerne Deine Gegendarstellung an. Einfache Sache. Aber vielleicht will man hier ja auch keine wirklichen Diskussionen? Vielleicht will man ja nur so tun, als gäbe es eine … gewissermaßen als eine Art Service für potenzielle (Wähler-)Kunden, die man einfach bei der Stange halten will, indem man teilweise sogar versucht, ihnen die Stange notfalls auch ein Stück weit hinterzutragen, so kommt es mir fast vor. Ich hoffe nicht, dass das wirklich ein Teil Eures Konzeptes ist. Ich wäre froh, von Dir zu hören, dass es nicht (so) ist wie es (mir) scheint.

  11. moonopool schrieb am

    Was ist eigentlich die Aufgabe eines Chefredakteurs bei den Piraten? … Bei Dir habe ich jedoch eher das Gefühl dass Du mir (oder den Lesern) mit Deinen Reaktionen auf meine Kommentare ein Stück weit Deine Sicht der Dinge unterschieben willst, weil Dir meine nicht so ganz passt.

    Diese Argumentation vermag mich fast zu verwundern. Denn ist es nicht gerade eine wunderbare Manipulation, Ausgrenzer dadurch in ihren ausgrenzenden Ansichten zu legitimieren, dass sie von Demokraten ausgegrenzt werden? Und, wenn Dich dann Michael auf freundliche und augenzwinkernde Art darauf aufmerksam macht, gerade ihn der Manipulation anzuklagen.

    Nein, auf einer Webseite der Piraten darf diese Art – und ich meine: Deine Art – der Manipulation selbstverständlich nicht unwidersprochen bleiben. Es ist nicht nur die Aufgabe des Chefredakteurs, dem entgegen zu treten, sondern die Aufgabe jedes Piraten und jeder Piratin. Ganz im Sinne bereits des ersten Paragraphen in unserer Satzung, in dem wir jede Form gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit ablehnen.

    Ich denke, dass viele Piraten gerade die in letzter Zeit aufwallenden rechten Tendenzen in weiten Teilen der Bevölkerung sehr, sehr ernst nehmen. Nicht eine gedachte “Islamisierung” ist das Problem, sondern die Gründe, warum Menschen sich zu solchen rassistischen Argumentationsmustern treiben lassen. Die Ursachen liegen nur scheinbar darin, dass der ideologische Flügel von CSU und CDU permanent ausländerfeindliche Klischees bedient – Stichworte seien hier Bulgarien und die Autobahnmaut. Normalerweise müsste die Bevölkerung solchen Politikern in den Allerwertesten treten und sie bei der nächsten Wahl aus dem Amt jagen. Aber das tun sie nicht. Warum nicht? Weil sie merken, wie die Sozialsysteme ausgehöhlt werden, wie Grund- und Schutzrechte immer öfter Verhandlungsmasse werden, wie die Gesellschaft sich radikalisiert, wie ihr bescheidener Wohlstand in Gefahr ist. Und in dieser Situation bietet ihnen jemand ein einfaches Erklärungsmuster an: “Die da” sind es. Islamisierung !!1!drölf!!. Na herzlichen Glückwunsch: So baut man sich eine lebenswerte Zukunft.

    In diesem Sinne, Michael: Danke, dass Du auch versteckte Versuche aufdeckst, uns diese “Lösungsmuster” unter dem Deckmäntelchen der Meinungsfreiheit oder ähnlichem unterzujubeln.

    Die Piraten sind, notabene, im Moment übrigens die einzige ernstzunehmende politische Kraft, die die notwendige Diskussion über das schleichende Abdriften der sogenannten “Mitte” nach rechts wirklich führen könnte. Denn die CxU hat sich mit ihrem ständigen Schüren von Ressentiments genauso unglaubwürdig gemacht, wie rotgrün durch “Hartz IV” und ihrem Einlenken bei TTIP. Blieben noch die Linken, die sich immer noch nicht wirklich deutlich von den Leichen (im Sinne des Wortes) im Keller eines Unrechtsregimes distanzieren können und die Oberausgrenzer von der AfD, die uns die Peinlichkeit einer Beatrix von Storch im Europparlament nicht ersparen wollten. Nein, keine dieser Kräfte ist auch nur im Ansatz geeignet, die Missstände von Jahrzehnten schwarz/rot/grün aufzuräumen und eine würdige Zukunft in Freiheit glaubwürdig zu vertreten.

  12. M. S. Europa schrieb am

    Das jetzt so was ähnliches kommt habe ich mir fast schon gedacht. Das kommt eben dabei heraus, wenn man nicht in der Lage ist zwischen rechts und links zu unterscheiden. Ich lasse mir auch nicht gerne Aussagen unterstellen, die ich so nicht gemacht habe. Und schon gar nicht lasse ich mich für Aussagen vom Chefredakteur rügen, die andere gemacht haben. Da sollte man sich vor einem Kommentar doch erst einmal einen Text genau durchlesen. Aber zurück zum Thema. Sicher ist es so, dass es teilweise thematische Überschneidungen gibt, wenn es um bestimmte politische Auffassungen geht. Und da liegt genau das Problem. Im Moment ist alles was politisch nicht Mainstream ist PEGIDA. Viele Linke stellen sich natürlich, wie ich auch, eindeutig gegen PEGIDA, wenn es um Ausländerfeindlichkeit geht (wenngleich mir eine Teilnahme an den Anti-PEGIDA-Demonstrationen viel zu blöd ist). Aber was ist mit all den anderen Themen, die vor PEGIDA auf den Montagsdemos auch noch zur Sprache kamen? Diese Themen, die vorher auch Themen der Linken waren, existieren jetzt nur noch auf den Demos der Pegiden. Von “Lügenpresse” ist nichts mehr von links zu hören. Warum? Weil man dann automatisch in die rechte PEGIDA Ecke gestellt wird. Es gäbe aber durchaus genügend Gründe die Berichterstattung und die Rolle der öffentlich-rechtlichen, wie auch der privaten Medien z. B. im Ukraine-Konflikt und zu anderen Themen zu kritisieren. Für mich ist das Ganze PEGIDA und Anti-PEGIDA-Getue vor allem auch ein willkommener, von den Medien benutzter Hype um das eigene Image wieder zu aufzupolieren und sich ein Stück weit wieder aus dem Schussfeld vor allem auch der Linken zu bringen. Das Attentat in Paris wurde auch vorbildlich in dieser Weise genutzt. Da haben sich die Medien als d i e großen Kämpfer für die Meinungsfreiheit aufgespielt – Jede Zeitung hatte plötzlich nur noch Charlies als Mitarbeiter. Die Wahrheit sieht etwas anders aus. Wer das nicht sieht, ist entweder naiv oder will es nicht sehen. Wenn man aber – wie Ihr – der politischen Mitte angehört oder angehören will, sieht man das wahrscheinlich anders. Und weil die Mitte zur Zeit so ist, wie sie ist, bleibe ich auf unabsehbare Zeit links davon. Da ist mir dann eine so von den Medien erfolgreich diffamierte demokratische Partei als Überbleibsel aus einem “Unrechtsstaat” lieber als all diejenigen, die sich durch die Mitte lavieren und, wie z. B. die SPD dabei jede Selbstachtung verlieren.

  13. alex schrieb am

    Lieber M. S. Europa, es ist schön das du Dir so viel Zeit nimmst für deine Kommentare auf diesen Artikel. Allerdings würde ich so als Beobachter gerne bitten konkret zum Artikel etwas zu schreiben, uns an deiner (möglichen) Expertise teilhaben zu lassen und Dich weniger auf die Selbstdarstellung zu verlegen und den Redakteur anzugehen. Es ist ganz einfach wenn Du dir nur mühe gibst, nur zu ;).

    Vielen Dank im Vorraus

  14. Und so kommt man im Bezug auf die SPD doch noch zusammen 🙂

    Im Ernst, M. S. Europa: Ich stimme Dir völlig zu, dass ein gewisser Rechtsruck in der Bevölkerung und das offene Ausbrechen von Ablehnung des Anders in der parlamentarischen Form (AfD) und auf der Straße (PEGIDA) dazu geführt hat, dass es schwieriger wird, manche Themen offen zu diskutieren. Die Rechten haben sich dieser Themen bemächtigt und alle, die sich in die Diskussion einlassen, müssen jedes Wort auf die Goldwaage legen, um nicht in ihren unseligen Strudel zu geraten.

    Dazu zählt auch die – mitunter berechtigte – Kritik an einer ganzen Reihe von Medien. Nein, nicht an “den Medien”, schon gar nicht an einer “Lügenpresse” (ein Wort, das übrigens nicht von Goebbels erfunden wurde, sondern unter den Nationalsozialisten “nur” einen ersten traurigen Höhepunkt seiner Verwendung erleben musste). Alleine die (völlig unnötige) Verwendung des Wortes “Mainstream” zeigt schon, dass Du diese Goldwaage, offenbar durchaus absichtlich und provokant, nicht zu benutzen bereit bist. Und damit stellt Du dich außerhalb des zielführenden Diskurses und redest einer “das wird man doch noch mal sagen dürfen”-Kultur das Wort, die die Gesellschaft in der Konsequenz bis weit nach rechts öffnet.

    Und das ist schade! Denn in der Tat gibt es an der Verwebung von Politik, Wirtschaft und Medien, und in der Folge auch an der demokratischen Legitimierung mancher gewachsenen Struktur eine ganze Menge zu kritisieren und zu verbessern. Und wir sollten das tun. Als Pirat, und meinetwegen auch als Linker (auch wenn mir deren halbschale Distanzierungen jedesmal, wenn ich sie lese, wieder übel aufstoßen). Aber eben nicht so. Nicht mit “die Medien”, nicht mit “Lügenpresse” und schon gar nicht unter dem Deckmäntelchen einer “Meinungsfreiheit”, die keine moralischen Schranken mehr kennt.

    Stattdessen ist differenzierte und am Beispiel nachvollziehbare und belegte Kritik angesagt. An Missgriffen einzelner Medien, an schädlcihen Folgen sozialer Einschnitte, an der fatalen Wirkung der Schönung der Arbeitslosenstatistik und so weiter. Daran müssen wir gemeinsam arbeiten. Oder müssten…

  15. Jano schrieb am

    Möchte zu der Feindbild-Diskussion kurz etwas beitragen: Möchte das mal differenzierter betrachten.

    1. Kommt es beim Feindbild drauf an, ob es sich gegen Personen oder gegen Strukturen/Institutionen richtet. Strukturkritik hat den Vorteil, dass sie lösungsorientiert ist. Personen sind im Grunde austauschbar, solange systemisch Fremdsteuerung betrieben wird, gegen die sich zu recht aufgelehnt wird.

    2. personenbezogene Feindbilder und Stigmatisierungen erzeugen Fronten und sind deshalb eine prima Strategie, um machtorientiert Meinungskontrolle zu betreiben, da feindbildgesteuerte Diskussionen nicht mehr lösungsorientiert ablaufen und an den eigentlichen Zielkriterien vorbeilaufen. Zudem findet damit keine freie, ausgewogene und gerechte Urteilsbildung mehr statt. s.a.: http://flaschenpost.piratenpartei.de/2015/01/22/jetzt-neu-ag-demokratieforschung/

    3. bei personenbezogenen Feinbildern läuft man schnell Gefahr, Hetze und Propaganda zu betreiben. Personenbezogene Hetze beginnt ab ff-level2, siehe auch: http://wiki.piratenpartei.de/Benutzer:Janonymous/FunktionalerFaschismus

    4. Personenbezogene Feindbilder machen darüber hinaus funktional hilflos. Man ist mit personalen Feindbildern in der Rübe nicht in der Lage, friedlich etwas an den Missständen zu ändern und kommt zwangsläufig auf menschenfeindliche und menschenrechtswidrige Lösungen und kriegsartige Zustände. Bei Strukturkritik ist das jedoch anders.

    Zur Wirkung von Feindbildern auf den Gruppenzusammenhalt (Kohärenz): Was zu Spaltungs- und Teile-und-Herrsche-Effekten zwischen eigentlich ähnlich eingestellten Gruppen führen kann, kann auch zusammenschweißen. Von diesem Effekt profitieren jedoch meist (neo-)rechte Gruppen, da die weniger Wert auf Differenzierung und die Vereinbarkeit ihrer Forderungen mit Menschenrechten legen.

    Diesen “Zusammen-Schweißeffekt” durch gemeinsame (strukturbezogene) Feindbilder oder nennen wir es mal empirisch fundierte System- und Strukturkritik sollten wir uns nicht entgehen lassen! Diese beiden Philosophen hier z.B. wünschen sich dahingehend am liebsten die Aliens zurück, damit die Menschheit in die Lage versetzt wird, die dringenden Probleme unseer Zeit endlich zu lösen… https://www.youtube.com/watch?v=BXJU_srHqA0

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