Quoten – Pro und Contra


Kommentare

10 Kommentare zu Quoten – Pro und Contra

  1. Frank Heinze schrieb am

    1) Representativität: Was ist mit den Menschen mit Behinderung (10%), Migranten (25%), Homosexuellen und Polyamoristinnen? Warum bekommen die keine Quoten?

    2) Frauenanteil erhöhen: Das ist kein Wert an sich. Man macht dort mit, wo es einem gefällt und welche Themen einem zusagen. Wäre es anders, hätten konsequent durchgegenderte Parteien wie Grüne und Linke (mit sogar quotierten Redelisten) nicht auch nur einen Frauenanteil von um die 35%.

    3) Patriarchat: Das besteht in Deutschland aus der Bertelsmann-Chefin Liz Mohn,der Springer-Eigentümerin Fride Springer und der Bundeskanzlerin Merkel. Die drei zusammen bestimmen, wo es langgeht, wie es publiziert wird und das die Abgeordneten spuren.

  2. Michael schrieb am

    Die Quote ist ein Werkzeug. Nichts weiter. Es ist allerdings auch ein brachiales Werkzeug, ein dicker Hammer, der nur verwendetet wird, wenn sonst nix geht. Wer die Quote verhindern will, der möge sie durch gleichstellende Regelungen überflüssig machen. “Argumente” dagegen reichen da nicht und Anti-Quoten-Anträge sind so ziemlich das Blödeste was Piraten je erfunden haben. Ein schönes Beispiel für eine Maßnahme ohne Quote: Ein Orchester hat sich gewundert hat, daß fast nur Männer da sind, obwohl sich genauso viel Frauen bewerben. Spielen Frauen schlechter Geige als Männer? Man hat nun beschlossen, daß Bewerber hinter einem Vorhang spielen, sodaß die Juroren nur das Spiel, nicht aber die Person beurteilen konnten. Oh Wunder, mehr als die Hälft der ausgewählten waren nun Frauen. Der Sexismus ist in unseren Köpfen (in fast(?) allen!) und dieser Sexismus bewertet mit; bei Wahlen, Beförderungen, Übertragung von Aufgaben, Berufswahl usw. Wir wissen nicht ganz genau, warum die Juroren vorher keine Frauen gewählt haben, wir wissen nur ganz sicher, daß es nicht an der Kompetenz lag, sondern daß es was mit dem Geschlecht zu tun hat!

    Ich kann auch diese “verharmlosenden” Argumente nicht mehr hören, wie z.B. daß es nur ein paar DAX-Vorstände gibt, und das wäre doch da nicht wichtig. Das mögen wenige sein, aber die haben das Sagen! Im übrigen geht es nicht um Gleichberechtigung sondern um Gleichstellung. Gleichberechtigung haben wir schon seit 40 Jahren.

    In der Quotendebatte würde ich mir wünschen, daß die Quote im jeweiligen Kontext diskutiert wird. Eine Quote für einen Piratenvorstand ist was ganz anderes als ein Quote für einen DAX-Vostand oder für eine Landesliste zur Bundestagswahl. Und eine Quote für BuVo ist was anders als für einen KVo. Wenn Quoten gebraucht werden, sollten sie nicht “hart” sein (z.B. mindestens 30% statt 50:50). Quoten sollten vor allem zeitlich befristet sein! Denn wenn die Quote gewirkt haben soll, wird sie ja überflüssig. Sie würde aber natürlich niemals abgeschafft werden, denn warum soll jemand einen Vorteil aufgeben. Die Abschaffung muß daher mit der Einführung beschlossen werden.

    Und bitte laßt die alten Anti-Quoten-Kalauer im Schrank. Wer die hören will, möge sich Quotendebatten der Grünen oder der SPD aus den 90ern reinziehen. Ich muß diesen Scheiß nicht nochmal haben 😉

    Besser wäre es aber, wir würden erstmal eine Gleichstellungsdebatte führen, mit Anträgen darüber was Sache ist und wie die Sache geregelt werden kann, bevor wir in Betracht ziehen, den großen Hammer Quote rauszuholen.

  3. Thomas schrieb am

    @Michael Hätten wir in der Partei das Problem, dass Frauen nicht gewählt werden würden oder aktiv unterdrückt, könnte man darüber reden. Aber genau das Problem haben wir nicht. Wir hatten noch nie damit Probleme weibliche Mitglieder zu wählen, sofern wir sie für qualifiziert hielten. Wir wollen aber weder Frauen dazu zwingen für irgendetwas anzutreten, noch irgendwelche geistigen Tiefflieger auf irgendeinen Posten wählen, nur weil sie Frauen sind. Selbiges gilt im übrigen für Kandidaten jeglichen (oder keines) Geschlechtes.

  4. xwolf schrieb am

    Quoten bedeuten in der Praxis nichts anderes, als die Freiheit eines jeden Menschens (egal welcherlei Geschlechts) frei und selbstbestimmt zu wählen, einzuschränken. Gleichzeitig werden auch potentielle Kandidaten zu der Wahl diskriminiert, da sie nun nicht mehr gleichberechtigt behandelt und gewählt werden können.

    Wie oben der PRO-Autor schrieb: “Quoten haben nicht das Ziel, Schwachen zu helfen oder Menschen für Diskriminierung zu entschädigen. Sie haben das Ziel, dort Repräsentativität herzustellen, wo das freie Spiel der Kräfte das nicht tut.”

    Die Umsetzung dieser Theorie in die Praxis bedeutet also: Die Wahl des Einzelnen (Parteimitglieds) soll sich einem Ideal unterordnen; Der Mensch ist weniger wichtig als die Gesellschaft und verliert seine individuellen Freiheiten zugunsten der genannten Ziele. (Gleichwohl wurden diese Ziele nicht durch die Gesellschaft bestimmt, sondern von einzelnen.) Gesellschaftlichen Freiheiten zu fördern indem man Freiheiten von Einzelnen einschränkt erscheint mir allerdings unlogisch und macht das ganze unglaubwürdig: Wie kann man ernsthaft für Freiheit eintreten, wenn man Freiheit einschränkt?

    Das ein bessere Gesellschaftsform nicht durch Zwang erreicht werden kann, zeigte die Geschichte. Menschen müssen überzeugt werden und von sich und aus selbst heraus den richtigen Weg finden. Jeder einzelne für sich und dann daraus alle zusammen. Eine verordnete Doktrin hingegen fördert dieses ideale, von einzelnen Menschen auserkorene Ziel nicht, sondern konterkarieren es, indem es Widerstand provoziert.

    Gesetze und Verordnen sollten niemals dazu dienen, die Gesellschaft zu Formen und zu zwingen. Stattdessen sind sie dazu da, die Gesellschaft mit ihren einzelnen Individuen zu schützen und ihr einen formellen Halt zu geben. Nicht Gesetze, nicht Algorithmen oder Programmcode formt die Gesellschaft, die Gesellschaft bestimmt diese. Und tut es fortwährend und passt sie dauernd an. Gesetz von heute sind nicht die von damals und nicht die der Zukunft.

  5. Bionic schrieb am

    Die Quote berücksichtigt vor allem nicht, ob die Verteilung von Vorlieben und Interessen der Verteilung der Geschlechter entspricht. Die Annahme, Frauen müssten sich genau so wie Männer für berufliches Vorankommen in hierarchisch organisierten Großunternehmen begeistern wie Männer, oder Frauen müssten/sollten sich dafür interessieren, professionell in das harte Geschäft “Parteipolitik” einzusteigen, ist die Prämisse, auf der alle Quoten aufsetzen, aber leider völlig unbelegt, bzw. nur vom Wunsch geboren, es solle doch bitte so sein.

    Möglicherweise “profitieren” Männer von ihrer durchschnittlich höheren Risikobereitschaft, wenn es um Karriere geht. Dabei betrachtet man allerdings immer nur die erfolgreichen Männer und nicht die Massen, die beim Versuch, Karriere zu machen, kläglich gescheitert sind, alkoholkrank werden, ausbrennen etc. (“Apex Fallacy”). Es wäre also möglich, dass Männer im Schnitt weniger Lebensfreude und Erfolg haben als Frauen, weil sie massenhaft für die meisten aussichtslos Kämpfe kämpfen, und Frauen im Schnitt mehr Lebensfreude und Erfolg haben als Männer, weil sie aussichtslose Kämpfe vermeiden und sich realistischere Ziele setzen. Es wäre also möglich, dass Frauenquoten frauenfeindliche Wirkungen haben, indem sie Frauen die Übernahme “männlicher” Zielvorstellungen, Ideale und Werte aufzwingen wollen. Darum ist es wohl auch möglich und meiner Meinung nach höchstwahrscheinlich, dass Frauenquoten zum Scheitern verurteilt sind, weil diese nicht dazu führen werden, die weiblichen Vorstellungen, Werte, Ziele, Ideale und Wünsche zu ändern, die Grundlage der Entscheidungen von Frauen sind.

    Von daher bin ich sehr unaufgeregt, was das Thema Quote angeht: Die Menschen, egal ob Männer oder Frauen, werden auch weiterhin auf ihre Herzen, also auf ihre unterbewussten, ursprünglichen Sehnsüchte und Wünsche hören, und machen was sie wollen. Aufrufe im öffentlichen Dienst in 35-Stunden-Woche beschäftigter Gender-Wissenschaftlerinnen, “als Frau” doch bitte MINT-Berufe zu studieren und dann in der freien Wirtschaft zum Zweck der Karriere 40 bis 70 Stunden in der Woche Selbstausbeutung zu betreiben werden auch weiter zu Recht ungehört verhallen.

    Und es wird auch immer humanistische, liberale Parteien geben, die für das Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit eintreten werden, auch wenn das zu Ungleichverteilungen zwischen Geschlechtern führt, anstatt Menschen aufgrund ihres Geschlechts in irgendwelche Lebenswege zwingen zu wollen.

  6. k1l schrieb am

    Es ist also nicht Ok Frauen nicht zu wählen weil sie Frauen sind. Es ist aber Ok Männer nicht wählen zu dürfen weil sie Männer sind.

    Wer dabei noch von Freiheit, Chancengleichheit oder Minderheiten Schutz spricht lügt einfach nur und hat in Wirklichkeit ganz andere Ziele.

    Und wer Politik machen mit “in den BuVo gewählt werden und sich an dem Ruhm sonnen” gleich setzt ist sowieso im falschen Film.

  7. Katja schrieb am

    Warum sind es eigentlich meist nur alte Männer oder Jungs, die meinen uns mit der Quote beglücken zu müssen? Da müssen die sich schon bessere Unterwerfungsspielchen ausdenken, um bei mir Chancen zu haben.

  8. Martin schrieb am

    Mich würde mal interessieren wie der Pro-Autor auf die Idee kommt dass die Wählerschaft der Piratenpartei zur Hälfte aus Frauen bestehen würde. Laut Statistik des Bundeswahlleiters haben uns bei der Bundestagswahl 2,8 % der Männer gewählt, aber nur 1,6 % der Frauen.

  9. Frank Heinze schrieb am

    Was die Realität sagt:

    “Den höchsten Frauenanteil an der Gesamtzahl der Bewerber einer Partei weist die CSU mit 52,6 Prozent auf”, sagte Bundeswahlleiter Roderich Egeler am Mittwoch in Berlin. http://www.welt.de/politik/deutschland/article127038772/Bei-der-CSU-kandidieren-die-meisten-Frauen.html

    Ganz ohne Quote.

    Kann es sein, dass sich freiwillig mehr Frauen für CSU-Politik begeistern, als für Grüne oder Linke? MM überzeugt das Programm und die soziale Kompetenz der Mitgliedschaft vor Ort darüber, ob und wieviel ein Mensch in seiner Freizeit einer Partei opfert.

  10. hans-peter stoehr schrieb am

    Wieso greift von den vielen Wahrheitssuchenden hier eigentlich niemand das sehr interessante und REALE Beispiel mit dem Orchester und dem Vorhang auf?

    Nein, hier werden lieber feste die Augen zugehalten und Worthülsen produziert. So viel Angst, zuzugeben, dass Sexismus real existieren könnte? Dann bitte alle Angsthasen sofort den Mund halten und raus aus der Politik. Denn sie schaden unserer Gesellschaft.

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