Piraten: Energiewende statt Kernkraft!


Kommentare

14 Kommentare zu Piraten: Energiewende statt Kernkraft!

  1. Hallo Jürgen,

    wie müßte Kernenergie denn deiner Meinung beschaffen sein, damit sie deine Zustimmung erführe?

    Der Punkt Sicherheit kann es nicht sein, denn Kernergie fordert mit 0,04 Toten pro Terawattstunde von allen Energieformen die wenigsten Opfer. Zum Vergleich: Windkraft kostet 0,15 Tote pro TWh, Solar 0,44, Wasserkraft 1,4, Biomasse 12, Erdgas 4, Öl 36, Kohle 100 (Quelle: http://www.smh.com.au/comment/want-to-kill-fewer-people-go-nuclear-20130710-2pqbq.html bzw. die dort genannten Quellen).

    Auf meine Frage, wie Kernenergie deiner Meinung nach beschaffen sein müßte, wirst du vermutlich nicht mit einer Liste von Anforderungen antworten. Vermutlich ist Kernenergie für dich prinzipiell nicht zustimmungsfähig – völlig egal, welche Sachargumente auch immer dafür sprechen mögen. Wenn aber die Sachebene verlassen wird, befinden wir uns im Reich der Ideologie.

    Inwieweit sich mit Ideologie eine stabile, saubere und bezahlbare Stromversorgung für Haushalte und Industrie realisieren läßt, wird die kommende Energiewendezeit zeigen. Die Welt schaut uns interessiert dabei zu. Zuletzt sah sie steigende Strompreise und steigenden Kohleverbrauch. Was wohl als nächstes kommt?

  2. Patrick schrieb am

    Damit triffst du den Nagel auf den Kopf. Es wird aus Prinzip abgelehnt, nicht aus Ideologie, sondern gerade weil es keine Sinnvollen Rahmenbedingungen für Kernkraft gibt. Ich weiß wie jeder Ingenieur, dass das prinzipiell keine Technologie unfehlbar ist. Versagen nimmt man als unvermeidlich, mit einer Gewissen Wahrscheinlichkeit in kauf. Flugzeuge stürzen ab. Kann man nicht vermeiden. Alles geht mal unvorhergesehen kaputt. Der Unterschied, welcher Kernenergie unvertretbar macht, sind schlicht die nicht eingrenzbaren Folgen eines Versagens bei dieser.

    Deshalb ist die Diskussion nicht weiter zielführenden, weil die Randbedienungen unerfüllbar sind und bleiben. Egal wie die Reaktoren heißen .

    P.S. Persönlich als Raumfahringenieur weine ich der Technologie übrigens hinterher, weil für mein Fachgebiet sind gut erforschte Nuklearkonzepte in Zukunft Gold wert. Ändert aber nichts an der oben beschriebenen Tatsache.

  3. Nein. Selbst wenn schiefgeht, was nur schiefgehen kann – siehe Fukushima –, ist der wirtschaftliche Schaden zwar immens, doch die Folgen für Menschen und Umwelt halten sich durchaus im Rahmen. Oder besser: Es lassen sich auch ohne Radioaktivität weit schlimmere Folgen anrichten, siehe z.B. http://bravenewclimate.com/2013/07/29/nuclear-waste-series-p1/.

    Selbst durch Tschernobyl ist es nicht zu den von Greenpeace vorhergesagten Millionen von Toten gekommen. Kernkraftgegner müssen vielmehr mühsam abstruse Argumente an den Haaren herbeiziehen, um das Gefühl zu haben, überhaupt irgendetwas in der Hand zu halten – Geburten beispielsweise, zu denen es nicht gekommen sein soll. Wow, beeindrucken!

    14 Millionen Krebsfälle gab es in den letzten 25 Jahren in den durch Tschernobyl besonders betroffenen Ländern Ukraine, Weißrußland und Rußland. Wie viele davon wurden durch Tschernobyl verursacht? Hätten diese drei Länder dieselbe Krebsrate wie Australien (ohne Kernenergie) oder die USA (nutzt Kernenergie), wären es weit mehr: nicht nur 14, sondern 20 Millionen Krebsfälle! Ich behaupte jetzt nicht, daß Tschernobyl 6 Millionen Krebsfälle verhindert hat, aber eines ist klar: Hier spielen noch ganz andere Faktoren eine Rolle, gegenüber denen die Auswirkungen von Tschernobyl nicht weiter ins Gewicht fallen.

    Die schlimmsten Folge von Tschernobyl war das Erstarken der Antiatombewegung, der es gelang, zahlreiche Kernkraftwerke zu verhindern. Da die Energie natürlich dennoch gebraucht wurde, wurden stattdessen Kohlekraftwerke gebaut. Und Kohle fordert laut WHO weltweit eine Million Tote – nicht nur einmalig, sondern Jahr für Jahr und zwar vor allem durch Luftverschmutzung. Einen Teil davon dürfen wir durchaus als Tschernobyl-Opfer bezeichnen. Ihren vorzeitigen Tod hat die Antiatomlobby mit zu verantworten!

  4. Klaus schrieb am

    Wenn ich eine Kneipe aufmachen will, muss ich genügend Parkplätze nachweisen.

    Wenn ich ein Atomkraftwerk baue, ist es scheißegal, ob ich ein Konzept für den Abfall habe.

    Wenn die Neandertaler Atomkraftwerke gehabt hätten, müssten wir immer noch den Müll bewachen.

  5. Klaus schrieb am

    Ach. Die meisten meiner Nachbarn arbeiten im AKW. Die finden diese sogenannten Lösungen mehr als fragwürdig.

    Vielleicht kann ich jemanden von ihnen dazu bewegen, hier entsprechende Beiträge zu schreiben.

  6. Patrick schrieb am

    Man nehme höchst umstrittene Zahlen und benutzte die Studien die dem Wunsch am nächsten kommen.

    Man klammere die Zahlen aus die einem nicht passen und auch nicht auffallen wenn sie fehlen. Dazu präsentiere man einfach einen Link mit einer Studie: Kann ich auch http://www.tagesschau.sf.tv/Nachrichten/Archiv/2011/04/26/International/Weltweit-1-44-Mio.-Tote-durch-Tschernobyl

    Die Wahrheit ist wohl schwer zu ermitteln, deine Zahlen sind aber mindestens grotesk Relativierend. Einigen wir uns mal auf existent, Größenordnung nur relevant wenn man möchte.

    Deine restliche Argumentation macht genau sowenig Sinn.

    Man bekomme riesige unbewohnbare Gebiete. Macht aber nix, dafür haben wir dann günstige Energie.

    Man sage, kostet zwar viel, so eine Katastrophe. Macht aber nix, dafür haben wir dann günstige Energie. Zumindest theoretisch. Ohne Abfall, und Unfall, und Versicherung. Und mit Subventionen.

    Man nehme Reaktoren, die nur als Konzept oder Milliarden Bauruine existieren und behaupte einfach mal die Lösung zu haben.

    Aber mich interessiert wirklich das Warum? Warum setzt du dich für Kernenergie ein. Und mir fällt wirklich kein Grund ein.

    Deutschland hat eine Energiewende in Gang gebracht(wenn auch momentan mit Nachbesserungsbedarf) die alle Piratenziele traumhaft erfüllen kann. -Kein gefährlicher Müll, -kein schädlicher Rohstoffabbau, -Sicher, -günstig, -dezentral. Nebenbei auch stabil liefern, falls mal endlich der politische Wille da ist und nicht ewig mit einem Lobbyisten Auge auf Atomkraft geschielt wird.

    Warum sollte ich dann für Kraftwerk argumentieren die bei alledem fürs Gegenteil stehen.

    -Produzieren Müll, -Uranabbau schädlich, importiert und CO2 lastig), -Gefährlich im Betrieb, -teuer -und monopolartig Zentral.

    Jetzt darfs du wieder alles ein wenig mit dem oben genannte Methoden relativieren und abschwächen. Bringt aber nix, weil die Atomkraft nicht mal theoretisch gewünscht mehr kann, als die Erneuerbaren. Selbst wenn alle Forschung erfolgreich ist und Atomkraftwerke in Osteuropa Krebs heilen. Also, warum ?

    • Hallo Stefan,

      danke für den Link und die Steilvorlage!

      Das Gerücht über die 1,44 Mio. Tschernobyl-Toten gehen wie erwähnt auf Jablokow (englische Schreibweise Yablokov) zurück.

      Was ist denn von dem zu halten, was Jablokow schreibt? Wird er dadurch glaubwürdig, daß das Schweizer Radio oder Fernsehen ihm Raum gibt? Für viele ist das sicher so.

      Die deutsche Wikipedia sieht das anders. Im Artikel http://de.wikipedia.org/wiki/Nuklearkatastrophe_von_Tschernobyl taucht er lediglich als Zitat unter »Publikationen von atomenergiekritischen Verbänden und Umweltorganisationen« auf, die die Wikipedia übrigens mit einem einzigen Satz abhandelt.

      Die entsprechende englische Wikipedia-Seite http://en.wikipedia.org/wiki/Chernobyl_disaster wird wesentlich deutlicher: Sie zählt sie Jablokows Buch Chernobyl:Consequences of the Catastrophe zu den non-scientific publications. Und sie erklärt, warum sie diesem Buchs die Bezeichnung »wissenschaftlich« verweigert. Der entsprechende Absatz ist so klasse und zerlegt Jablokows Buch derart deutlich, daß ich ihn hier im Volltext zitiere (Hervorhebungen durch mich):

      The book however has failed the peer review process, five reviews were published in the academic press, with four of them considering the book severely flawed and contradictory, and one praising it while noting some shortcomings. The review by M. I. Balonov published by the New York Academy of Sciences concludes that the value of the report is negative, because it has very little scientific merit while being highly misleading to the lay reader. It also characterized the estimate of nearly a million deaths as more in the realm of science fiction than science.

      Reicht das als Antwort?

  7. Ach, nein, meine letzte Antwort reichte natürlich nicht. Du wolltest ja wissen, wozu wir überhaupt Kernenergie brauchen, wo wir doch eine Energiewende haben, »die alle Piratenziele traumhaft erfüllen kann.«

    Warum die Energiewende das eben nicht kann und woran sie scheitert, analysiert Will Boisvert hier sehr ausführlich mit Zahlen und Fakten: http://thebreakthrough.org/index.php/programs/energy-and-climate/germanys-green-energy-bust/. Ich könnt’s nicht besser sagen!

  8. Carl Wilde schrieb am

    Wusste gar nicht, dass sich hier immer noch energiepolitische saurier herumtreiben. Am wenigsten tote durch kernkraft? Wie war das mit den leukämiefällen um kernkraftwerke herum bei kleinen kindern? Absaufende endlagerschächte? Warum haben die russen eigentlich die dörfer bei Tschernobyl nicht längst wieder besiedelt, wenn strahlung doch die krebsrate senkt? Woran ist Marie Curie eigentlich verstorben? Selbst, wenn es nicht so viele hinweise auf die schädlichkeit von röntgenstrahlen gäbe, sollten wir angesichts der risiken für nachfolgende generationen auf diese technologie verzichten. Wisst ihr befürworter, vor wieviel jahren die steinzeit in europa zu ende war? Vor ungefähr 3.500 jahren. Wie lange strahlt plutonium? Recht habt ihr: Nur ein paar nullen mehr… Echt strange, was ich hier stellenweise an kommentaren lese. Den artikel allerdings fand ich gut.

    • Wir sollen auf Röntgenstrahlung verzichten? Keine Brüche mehr diagnostizieren? Brustkrebsvorsorge einstellen, Materialprüfung vernachlässigen, vielleicht sogar die Röntgensatelliten der Astrophysiker abschiessen? Nicht jede Strahlung ist schlecht. Sonnenstrahlen wärmen uns – während UVB Hautkrebs erzeugt. Hochfrequenzstrahung bringt uns WLAN – während uns eine allzu hohe Leistung grillen würde. Gerade im Röntgenbereich kommt es auf die Energie der Strahlung und die Enwendung an. Die Angst vor der Radioaktivität kann ich nachvollziehen. Aber nicht überall wo “Strahlung” drauf steht ist “Tod” drin.

      • Völlig richtig. Doch auch nicht überall, wo »Radioaktivität« draufsteht, ist »Tod« drin, beispielsweise Rauchmelder, der Erdboden, unsere Lebensmittel, die lieben Mitmenschen und wir selbst. Es kommt halt immer auf die Dosis an.

    • Ja, genau, wie war das eigentlich mit Leukämie und anderen Krebsarten rund um Kernkraftwerke? Dazu gibt’s Studien en masse. Die wohl gründlichste dazu kam im Mai heraus: http://rainerklute.wordpress.com/2013/06/11/das-kernkraftwerk-im-hinterhof/

      Dann wirfst du eine Menge Schlagwörter in die Runde, doch eines fehlt: das Wort Dosis.

      Deiner Aussage zum Plutonium allerdings entnehme ich, daß du eine radioaktive Substanz für umso gefährlicher hältst, je länger sie strahlt. Echt strange!

  9. Pingback: Wir wollen keine neune AKW : #AntiAtomPiraten

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