Europa und Kultur – welche Perspektiven gibt die Kunst unserer Gesellschaft?

Hundertwasser

Kommentare

2 Kommentare zu Europa und Kultur – welche Perspektiven gibt die Kunst unserer Gesellschaft?

  1. Andreas1964 schrieb am

    Lieber Maurice, vielen Dank für Deinen spannenden Beitrag . Auch wenn ich Deine Romantik fürs vor-materialistische christliche Abendland bei allem Respekt nicht teile. Das Plädoyer für Kunst und Kultur in Zeiten des “alterativlosen” Sparens tut schon not. Leider hast Du mein früheres Feedback zu einem m.E. sehr unnötigen und ärgerlichen Punkt in Deinem Beitrag nicht aufgenommen. Du schreibst: ?…, wie der Glauben der Juden, deren altes Testament mit der Darstellung eines düsteren und eifersüchtigen Gottes wir in Europa kulturell überwunden haben.? Auch wenn es immer schön weiter tradiert wird. Der Gegensatz vom düsteren Gott des sogenannten “alten” Testaments zum gnädigen, liebenden Gott des neuen Testaments ist ein Konstrukt. Interessanterweise wird dieses Konstrukt heute von kirchenfernen Kreisen fast stärker vertreten als von frommen, bibeltreuen Christen. Ich denke, es wäre nicht schlecht, wenn Du Dich diesbezüglich einmal von einem Alttestamentler an der nächsten Theologischen Fakultät oder von einem jüdischen Christusforscher aufschlauen lässt. Bis dahin findest Du bei Interesse unter

    http://www.bibelwissenschaft.de/nc/wibilex/das- bibellexikon/details/quelle/WIBI/zeichen/g/referenz/20012/cache/ea9621ef8764db7d8e6ad55b747 bbddb/

    eine solide Einführung über das vielschichtige Gottesbild in der Bibel. Ebenfalls führst Du aus: ?In der Schlange stehen überwiegend ältere Menschen, wenig Jugend und keine mit ?Migrationshintergrund?. Warum sollten sich Muslime auch für Dürer interessieren? Ihr Koran verbietet das Bild (zb. Koran5/90) ??.

    Keine Ahnung, ob Jugendliche ohne Migrationshintergrund aus bildungsfernen Schichten so viel häufiger ins Museum stolpern als welche mit Migrationshintergrund. Ich halte Deine These vom Zusammenhang zwischen religiösem Background und Desinteresse an Kultur auf jeden Fall für ziemlich steil. Vor allem, weil sie ein Schlag ins Gesicht für jeden kulturbeflissenen Muslim ist. Und christliche Bilderstürmer soll es ja auch gegeben haben. Vielleicht gibt es einen Piraten mit besseren Islamkenntnissen als mich, um Dir aufzuzeigen, wo Du Dein Wissen diesbezüglich aktualisieren kannst. Beide Punkte finde ich extrem ärgerlich, weil Sie in einem so wichtigen Feld wie der Kultur künstliche Gräben zwischen Menschen aufreißen. Ich würde mir wünschen, dass Piraten eher das Verbindende zwischen Menschen suchen und fördern.

    Beste Grüße

  2. lieber… Danke für den comment. Ich würde es begrüssen wenn du es schafftest, ihn zu publizieren. Dieser Artikel sollte als Diskussionsgrundlage für ein wichtiges, jedoch gemeinhin unterbelichtetes Thema dienen. Konträre Auffassungen sind mir dabei immer willkommen: sie geben Anlass die eigene Position zu überdenken und ggf zu korrigieren! Vieles löst sich auch in einer sachlich-freundlichen Diskussion auf…

    Hier nun meine Antwort. 1. Ich ziehe keinen Graben zwischen “Muslims” und auch nicht zwischen Jugendlichen und dem Rest der Welt. Ich habe es nur als charakteristisch gefunden, dass in der Warteschlange weder die einen noch die anderen representiert waren. Meine Interpretation ist, dass ältere Menschen in Europa noch den notwendigen kulturellen background haben, um eine geistig anspruchsvolle Ausstellung wie die genannte zu “geniessen”. Wenn die AlltagsKultur nur aus TV-und Videogames besteht, einem täglichen, rein sensualistischen Bilder-tsunami, dessen stetige Umkehrung moralischer Werte unkritisch aufgesogen wird, kann man von so akkulturierten Jugendlichen nicht erwarten, sich 10 minuten vor ein Dürerbild zu stellen und sich mit ihm zu beschäftigen.

    Nochmals: dies ist kein Graben der Segregation sondern nur eine Feststellung, die bestenfalls zu einem verbesserten Bildungsangebot für Muslime in Deutschland führen könnte. Ich denke es gibt derzeit keine spezifischen Kulturprogramme für Muslims in Deutschland! Wenn es jedoch ein konstruktives Zusammenleben mit 4 Millionen “Alttestamentariern” geben soll, dann sollten diesen europäische Werte verstärkt dargestellt und vermittelt werden.

    2.Muslime und das Bild. Natürlich gibt es eine Vielzahl von Lebensweisen innerhalb der Muslime. Ein Bezug auf den Koran -und der sollte für jeden Muslim zwingende Vorgabe sein- definiert die Rolle des (darstellenden) Bilds eindeutig: in Sure 6/74 und insbesondere in Sure 5/90 (“O Ihr die ihr glaubt: sehet der Wein, das Spiel, DIE BILDER und die Pfeile sind ein Greuel von Satans Werk. Meidet sie , vielleicht geht es euch wohl!”)

    Das (darstellende) Bild ist des Teufels wie das Spiel und der Wein, weshalb es in der islamischen Kunst kaum Darstellungen gibt im Gegensatz zu Kaligraphie und geometrische Muster.

    Dies ist auf die alttestamentarische Haltung zum Bild zurückzuführen. Auch der jüdische Glaube meidet das darstellende Bild. Verboten ist es, darzustellen, was über, auf und unter der Erde (im Meer) existiert. Es ist kein Zufall, dass in der abstrakten Modernen des Anfangs des 20.Jhs überwiegend Juden als Künstler, Käufer und Promoter (Kunstkritiker, usw.) tätig waren. (Weshalb für mich der Begriff “Moderne” für die Kunst des 20.Jhs von fraglichem Wert ist)

    Im neuen Testament hingegen, auf welchem überwiegend das europäische Christentum basiert, gibt es mE kein Bilderverbot (?) Richtig ist allerdings, wie du sagst, dass es auch bei “uns” Bilderstürmerei gab: in Byzanz und unter der Lutherbewegung. Im Fall der byzantinischen Ikonoklastie war wohl der religionskonzeptionelle Streit ausschlaggebend, im Fall des Protestantismus wohl eher ein Wutausbruch gegen die parasitär lebende katholische Kirche und ihren blattgoldverzierten Kichenbildern.

    Interessanter erscheint mir deshalb die byzantinische Ikonoklastie: sie wurde in zwei Synoden “korrigiert” (Nicea, 787) , wo festgestellt wurde, dass Bilder zum Gottesglauben helfen können , denn sie EVOZIEREN die Idee Gottes. Damit ist ein Heiligenbild nicht der Heilige selbst, sondern symbolisiert nur den positiven Wertegehalt desbetreffenden Heiligen.

    Unsere ganze visuelle Kultur in Europa basiert auf dieser Annahme des idealhaltigen darstellenden Bilds!!!

    1. Gräben Ich grabe nichts, stelle aber fest , dass es kulturelle Gräben grundsätzlicher Art in Europa GIBT. Umso mehr als radikale Kräfte im Islam und im Judentum an Gewicht gewinnen. So zB. finde ich es unmöglich, dass in der Frage der Beschneidung von Kindern europäisches Rechtsempfinden des Kinderschutzes zurückgestellt und jüdisch-islamischen Werten der Vorrang gegeben wird. Deutsche, Franzosen, Europäer haben ein Recht auf ihre Kultur in ihren Landen. Und ich bestehe auf diesem Recht der Europäer auf ihre spezifische Kultur, die jeden Tag mehr von der digitalisierten multi-kulti Oberflächlichkeit abgeschmolzen wird wie die Eisberge vom närrischen Gebrauch fossiler Brennstoffe.

    Dass es für diese Frage auch bei den Piraten noch keine grosse Sensibilität gibt, streite ich nicht ab. Sie erscheint mir aber erstrebenswert, denn ohne eine KULTURELLE Neuausrichtung, ohne eine KULTURELLE Alternative zum globalisierten Multi-Kulti- Neoliberalismus wird Europa nicht als demokratische Einheit in der Welt überleben. Offenheit bedeutet nicht Schwäche, das ist meine Überzeugung.

    Ich wünsche Dir und allen anderen Piraten ein frohes, friedliches und besinnliches Fest. (was trinkt ein Pirat an Heilig Abend???)

    Maurice

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