Münchner Piraten unterstützen die Initiative Stolpersteine

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Kommentare

8 Kommentare zu Münchner Piraten unterstützen die Initiative Stolpersteine

  1. Robert Mueller schrieb am

    wie lange noch Gedenksteine verlegen? Unsere Generation trifft keine Schuld an den Greueltaten Hitlers! Das ist fast ein Jahrhundert her und die jetztige Generation verabscheut seine Taten so sehr, dass man damit nicht immer wieder konfrontiert werden möchte. Oder sollte man etwa gleich noch ein paar Millionen Steine mehr verlegen – für die zahllosen Opfer aller sinnlosen Kriege vorher? Besinnt euch und spendet sinnvoll für die (noch) Lebenden! Vor allem für die Millionen Kinder in größter Armut auf allen Kontinenten! Ohne eure Hilfe zählen sie bald auch zu den Toten! Und dafür tragen wir alle eine Mitschuld!

  2. Ogamer schrieb am

    Voll die dämliche Aktion. Heute 60 Jahre danach sollen die Deutschen immer noch jeden Tag daran erinnert werden das sie die Kinder von Verbrechern sind. Dieses Thema sollte langsam Ruhen und zu dem werden was es ist, nämlich Geschichte. Für gewöhnlich finde ich die Ansichten der Piraten lobenswert, aber dieses Thema immer und immer wieder von neuem durchzukauen, das ist Wahnsinn. Zitat Timon “Man muss seine Vergangenheit hinter sich bringen” Und es ist ja nicht mal unsere Vergangenheit sondern die unserer Großeltern. Lasst dieses Thema endlich Ruhen und schaut lieber das die Zukunft für uns alle eine gute wird

    • Michael Renner schrieb am

      Moin Pierre,

      mir gefällt die Initiative, für die anwesenden Kreispiraten kann ich das auch sagen. Die Stolpersteine geben den Toten einen Namen zurück und zeigen den Ort, an dem sie noch lange hätten leben können. Es ist beschämend, dass ausgerechnet in München, “Hauptstadt der Bewegung”, so wenig Sensibilität besteht. Gelegentlich lesen wir die Zahlen der Opfer und erschaudern bei den Reportagen, wie das Regime in den 12 Jahen der Regierung die Verfolgungsmethoden verfeinert.

      Lass mich Wilhelm von Humboldt zitieren: “Nur wer die Vergangenheit kennt, hat eine Zukunft!”. Die Stolpersteine scheinen mir eine geeignete Methode an die Opfer der NS-Herrschaft zu erinnern; es hat fast etwas dezentes. Wer mag kann “darüber wegsehen”, wen es interessiert kann die Namen lesen oder wenigsten die Anzahl der Steine vor den einzelnen Häusern zählen. Den meisten wir bei der Grössenordnung oder Gewaltopfer schwindlig werden.

      Die Deutsche Geschichte lässt sich nicht auf 12 Jahre reduzieren, es gab viele gute und viele andere schlechte Jahre. Und es gab Schlächter, deren Opfer wir nicht vergessen dürfen. Die Stolpersteine rufen sie uns in Erinnerung. Daran ist nichts dämliches.

  3. mike schrieb am

    Nein, die Steine sind gut und notwendig.

    Ergänzend zu dem was der Michael schreibt: Solange in Deutschland immer noch Menschen den unerträglichen rechten Ideen anhängen/nachtrauern brauchen wir auf jeden Fall gut sichtbare Hinweise welches Elend und welche Not die rechte Brut über die Menschheit gebracht hat.

  4. @Ogamer @Robert Mueller Geschichte vergeht nicht – wir lesen heute noch über die Taten von Griechen, Tataren etc. Allenfalls wird sie unaktuell, weil sie übertroffen wird. Die Stolpersteine sind gerade dazu da, dass man drüber stolpert, dass hier und vor 75 Jahren (nicht “fast ein Jahrhundert” – dazu fehlt noch ein Viertel) so etwas passiert ist. Andere fahren nach Pompei um tausendjähriger Geschichte so nahe wie möglich zu kommen – und hier stehst du gerade DIREKT DRAUF. Die Folgen der Nazizeit sind auch heute (2012) nicht überkommen, auch wenn sie tausendmal eingetrichtert und wieder ausgeschissen wurden (oft unverdaut). Es geht darum, dass wir uns bewusst sind, dass es wieder passieren kann, gerade wenn wir die Vergangenheit ignorieren. Spätestens wenn das dann passiert ist, können wir die alten Stolpersteine gegen neue austauschen. Möge das so lange wie möglich dauern.

  5. Birgit Grube schrieb am

    Was mir an den Stolpersteinen gefällt, ist, dass es ein dezentrales Projekt von “unten” ist. Als ich zum ersten Mal bei einer Verlegung von Stolpersteinen in München auf Privatgrund dabei war, hat mich beeindruckt, wie die Hausbewohner und Nachbarn sich mit der Geschichte ihres Hauses auseinandergesetzt haben. Eine Schule in der Nähe mit einer Klasse war auch dabei und erfuhr so, was in ihrer Straße passiert ist. Es sind ja meist die Angehörigen der Opfer selber, die auf diese Art den Ermordeten einen Ort geben. In über 750 Städten Europas gibt es solche Stolpersteine und ausgerechnet die “Hauptstadt der Bewegung” lehnt eine Verlegung ab. Mehr als peinlich.

  6. Ansgar schrieb am

    Liebe Kommentatoren, vielen Dank für den Rücklauf (und Danke an Michael für den Artikel). Nachdem es mein Antrag war, bin ich über die ersten Kommentare natürlich ziemlich erschrocken gewesen. Ich kann es zwar in Maßen nachvollziehen, dass sich Menschen aus meiner Generation nicht verantwortlich fühlen für das, was vor fast 80 Jahren begonnen hat. Aber dennoch: diese Initiative will aus meiner Sicht eben nicht den stets erhobenen Zeigefinger mimen. Im Gegenteil: für all jene, die diese Verbrechen nur aus dem Unterricht, aus Büchern und aus Filmen kennen, ist es eine ganz beeindruckende Art, Geschichte in seinem eigenen Umfeld oder gar Alltag, fassbar, erlebbar zu machen. Eigentlich sind diese Steine sogar noch viel mehr. Man kann sie im wahrsten Sinne übergehen. Man kann sie übersehen. So wie damals auch das Schicksal all jener Deportierten “übersehen” wurde. Und sie bringen uns somit, wenn auch nur im übertragenen Sinne, das Schicksal dieser Menschen näher, machen es verständlicher und greifbarer. Es zeigt, dass es genau dort, wo der Stein liegt, passiert ist. Und nicht in einem Buch oder einem Film. Hinzu kommt, dass es eine kleine, fast winzige Erinnerung an eine(!) Person, an ein(!) Schicksal ist. Es ist eben nicht eine anonyme, eh viel zu große und daher nicht fassbare Zahl verbunden mit einer Fackel, die rund um die Uhr brennt. Diese Steine klagen nicht an. Sie erinnern. An Menschen. An Individuen. Und haben diese Individuen, die solch schlimme Dinge durchleben mussten, nicht ein klein wenig Erinnerung verdient? Ein klein wenig mehr, als auf einer Tafel oder in einem Buch neben tausenden anderen zu stehen? Wer sich davon selbst überzeugen möchte, ist eingeladen, in anderen deutschen Städten einfach einmal mit offenen Augen durch die Straßen zu gehen. Und dann wird er sie vielleicht finden. Steine, die er sonst glatt übersehen hätte. Und was dieser Stein dort in der Erde dann am Ende für Dich bedeutet, das entscheidest Du immer noch selbst.

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