Das Selbstbild von Politikern

Bundespräsident Christian Wulff bei der Erläuterung einer Archivalie | CC BY-NC-ND 2.0 Stiftung Stadtgedächtnis

Kommentare

2 Kommentare zu Das Selbstbild von Politikern

  1. Rotkäppchen unter Wölfen.

    Spätestens mit der Wahl in ein höheres politisches Amt, folgt unweigerlich der schleichende Übertritt in eine Schattengesellschaft. Am Beginn steht die Prägungsphase. Das Politkleinkind lernt durch Erfahrung. Es beobachtet den Umgang mit Einfluss, Seilschaft und allgemeiner Bevorzugung. Es erfährt die Zuneigung und erkennt was dafür nötig und letztendlich möglich ist. Es lernt die ersten Gegner als feste Nahrung zu verschlingen und findet Geschmack an hilfreichen Gönnern. Schluckt das erste Wasser, das dicker als Blut ist. Lernt die ersten sicheren Schritte, indem es seine angeborene Unschuld ablegt und mit bedingungsloser Kompromissbereitschaft plötzlich schnell vorankommt.

    Wie erfolgreich diese Prägungsphase verläuft, zeigt uns schnell die „Hundert-Tage-Bilanz“. Ist das Politkleinkind erfolgreich in seiner neuen Realität angekommen, gilt es als integriert integer – wenn nicht, folgt Nachhilfe, die schon auch mal weh tun darf (ist diese Realität eine Bayerische, sogar weh tun muss). Der Lohn einer gelungenen Erziehung und der Übertritt in die Welt des erwachsenen Politikers folgt auf dem Fuß: Legislaturperiode 2.

    Wie kann sich aber unser Poltirotkäppchen unter den Wölfen beweisen ohne es diesen gleich zu tun? Kann es überhaupt eine gelungene Nichtintegration geben? Im Endergebnis: Ist Politik 2.0 möglich?

    Zumindest wissen wir was nötig ist.

    Unser Rotkäppchen müsste nicht nur einflussresistent sein, nicht nur perfekt im Gegenstromschwimmen, es müsste vielmehr die Revolution der Schattengesellschaft anstoßen. Denn ein Rotkäppchen unter Wölfen wird immer nur das eigene unbedeutende Körbchen schützen, während um sie herum das große Fressen weitergeht. Hab ich Recht Herr Bosbach?

    Vor dieser Aufgabe wird auch jeder Pirat stehen, der in Amt und Würden gewählt wird. Erst muss er als Individuum bestehen, dann mit seiner Mannschaft, die aus anderen resistenten Individuen bestehen muss – zumindest mehrheitlich. Zusammen müssen Sie dann die zuckerwattesüße und weltweit perfekt funktionierende Schattengesellschaft auf transparent stellen um dann mit Hilfe des Volksneides die Macht zu generieren, die für diese Revolution nötig ist.

    Selbst mit diesem Erfolg ist noch kein Ende in Sicht. Ist die Revolution geschafft, politische Transparenz hergestellt, müssen die Führer dieser Revolution bedingungslos Werte leben, die, in ihrer Basis, die eigene Macht stets als Dienst und nie als Privileg definiert. Und die Verführung wird nie kleiner werden.

    Glauben wir daran. Das ist der Anfang.

  2. …ich hab’s „SORRY“ vergessen:

    auch wenn seit gestern jede tagesaktuelle Rechtschreibkorrektur penetrant versucht aus dem Wort Wölfen Wulfen zu machen, habe ich in mich in meinem Posting für die ungeliebte konservative Wortversion entschieden.

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