Kann die Finanztransaktionssteuer die Börsen zügeln? Matthias Schrade im Interview

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Kommentare

16 Kommentare zu Kann die Finanztransaktionssteuer die Börsen zügeln? Matthias Schrade im Interview

  1. Roland Moriz schrieb am

    Vielen Dank für das Interview!

    Ich bin auch der Meinung, dass man die Auswirkungen vorab detailliert erfasst bevor man eine Regulation anstrebt. Aus politischer Sicht ist die Transaktionssteuer sicher gut geeignet um dem “normalen” und vielleicht auch wenig interessierten Volk etwas Befriedigung zu verschaffen (“Robin Hood-Steuer”), aber mehr als Aktionismus und augenwischende Symbolpolitik kommt am Ende nicht heraus. Bestenfalls.

    Ich finde, wir als Piraten müssen uns dafür einsetzen, dass die Grundlagen der sozialen Marktwirtschaft und auch ein kritisches Denken gegenüber jeder vermeintlichen “Problemlösung” jedem Menschen vermittelt wird.

    Das hilft bei der Vermeidung einer privaten Verschuldung, bei der Altersvorsorge und beim Thema Staatsverschuldung und hebt uns von der Ignoranz und Verblendung am rechten und linken Rand ab.

    Transparenz heisst, dass jeder Bürger verstehen können soll und muss, was die Auswirkungen seines Handelns oder der von ihm gewählten Politik sind.

    Plakative Stammtischparolen wie “Die Renten sind sicher!” und “Mehr Reichtum für alle!” fördern hingegen eine undemokratische Radikalisierung an beiden Enden des Spektrums ohne auch nur im Ansatz eine Verbesserung unserer Situation herbeizuführen.

  2. robbyb schrieb am

    Interessantes Interview ! Meiner Meinung nach muss jedoch der gesamte sog. “Finanzmarkt” gesetzlich als das behandelt werden, was er tatsächlich ist – Glücksspiel mit immensen Summen. Die sogenannte Geldmenge M3 ist rein virtuell und darf keine realwirtschaflichen Implikationen verursachen, da ihr kein realwirtschaftlicher Bezug zugrunde liegt und keinerlei Mehrwert geschaffen wird. Die von der Finanzbranche und der Medien gern geschürte Angst vor dem großen Zusammenbruch der Finanzmärkte wird nur für wenige Unternehmen im realwirtschaftlichen Bereich signifikante Folgen haben. Die größte Auswirkung würde der Versuch der Banken sein, die durch Ausgliederung des Glückspielsektors stark geschrumpften Bilanzierungen auf das reale Kreditgeschäft umzulegen.

  3. Guter Artikel, die im Interview dargestellten Auswirkungen sind mE realistisch, zu ergänzen wäre noch, dass die Börsenumsatzsteuer in der Argumentation der Politiker häufig mit der Mehrwertsteuer beim Bäcker analogisiert wird. Diese Anlogie ist insofern irreführend, weil bei der Umsatzsteuer in Form der Mehrwertsteuer ein echter Mehrwert, also eine Wertsteigerung des Produkts besteuert wird. Diese Wertsteigerung gibt es aber bei Börsengeschäften nicht. Diese sind per se ein Nullsummenspiel, nur was der eine verliert,kann der andere gewinnen. Besteuert man diese Transaktionen, macht man den Handel noch aggressiver. Davon können nur diejenigen profitieren, die als Manipulateure der Preise mit grossen Volumina handeln. Das sind auch diejenigen, die von der erhöhten Volatilität profitieren werden. Alle anderen verlieren noch drastischer als bisher.

  4. Kurtson schrieb am

    Der Kommentar von Robyb enthält die einzige richtige Schlußfolgerung: Glückspiele aller Art, und insbesondere dieses, gehörten auf der ganzen Welt verboten, da sie letztlich nur auf Betrugsbasis funktionieren und immer jemanden schaden, statt der Allgemeinheit insgesamt einen Nutzen zu bringen mit ihrem Nur-Nullsummenspiel. Da ist auch kein verdecktes Mitleid mit den Akteuren dieses Hasardspiels am Platz, falls sich ihre Gier für sie persönlich als Disaster erweist und andere die Millionen Boni einstreichen, und dafür auch noch ausgezeichnet werden als “Banker des Jahres” oder ähnlichem Unfug. Die Banken sollten auf Ihr Ursprungsziel gesetzlich zurückgezwungen werden, der realen Wirtschaft mit Krediten bei Schaffung von Mehrwert für die Menschheit behilflich zu sein, und demzufolge sollten alle sogenannten “Finanzprodukte”, die nur der hemmungslosen Spekulation dienen, ausnahmslos verboten werden, statt nur eine Besteuerung zu versuchen, obwohl diese, sowie eine Masse-oder Zeiteinschränkung der Transaktionen pro Tag, und ein Verbot des Computerhandels wenigstens ein Anfang zur Beseitigung der Hyperaktivität dieses Wahnsinns wäre.

  5. Stefan schrieb am

    Mal eine andere Fra. Sollte man nicht einfach aufhören von den ‘bösen’ Banken zu sprechen und einfach Geldgewinne genauso versteuern wie Lohneinkommen? Also Sozialabgaben, Rente und all so was auch dort abziehen? Das ist es doch eigentlich was man möchte. Gewinne aus dem Finanzsektor sozial mit einbinden. Würde natürlich dann auch Dividenden und ähnliches betreffen. Hätte dann auch den Vorteil, dass der ‘normale’ Bürger sehen kann, was ein Unternehmer an Steuern zahlen muss.

  6. Immerhin sollten die Piraten sich doch darauf einigen können, dass mehr Transparenz an den Finanzmärkten (Stichwort ‘Schattenbanken’ etc.) nötig ist, oder?

  7. Sibylle Ringlstetter schrieb am

    Da Matthias Schrade selbst als Berater in der “Börsenbranche” tätig ist kann die Bewertung des Themas “Finanztransaktionssteuer” nicht neutral sein.

  8. Roland Moriz schrieb am

    Die Finanzmärkte sind nicht per se in Gänze ein Glücksspiel. Hier fehlt offenbar bei einigen Piraten eine gewisse Grundausbildung in der Thematik. Wer Politik und nicht nur Propaganda machen möchte, muss sich aber differenziert mit Themen auseinandersetzen und darf nicht pauschale Urteile fällen.

    Wer hat schliesslich Griechenland, Italien oder Deutschland das Geld gegeben um uns Jahrzehnte über unsere Verhältnisse leben zu lassen und neue Schulden zu machen? Genau, der Finanzmarkt! Aber das Volk hat sich die Politiker gewählt, die fleissig um frisches Geld gebettelt haben anstatt unpopuläre Reformen umzusetzen (Sparen!).

    Auch heute sind wir ein Teil davon, denn durch Versicherungen und Finanzanlagen, die die Mehrheit der Bundesbürger zum Kapitalerhalt oder -Vermehrung besitzen (Bundesschatzbriefe, Anleihen, Aktien, Derivate, Versicherungen, Bausparverträge etc. pp).

    Wer weiterhin glaubt, es gibt eine Gruppe von Leuten oder Unternehmen, die man für all das Schulden-Übel in der Welt verantwortlich machen zu können, driftet entweder in die Esoterik und/oder einen Radikalismus ab.

  9. LordSnow schrieb am

    “Aber das Volk hat sich die Politiker gewählt, die fleissig um frisches Geld gebettelt haben anstatt unpopuläre Reformen umzusetzen (Sparen!).”

    Die andere Möglichkeit neben Sparen/Sozialabbau wäre Steuern anzuheben, welche davon mal dahingestellt. Wenn das Privatvermögen ein Vielfaches der Schulden beträgt und die Wirtschaft wächst, also mehr hergestellt wird, dann kann auch mehr “verteilt” werden und nicht weniger. Sparen könnte sogar zu einer Schrumpfung der Wirtschaft, weniger Arbeitsplätze und mehr Armut führen.

    Viele Grüße René

  10. Robert schrieb am

    “Mit anderen Worten: Eine Finanztransaktionssteuer führt dazu, dass die „echten“ Spekulanten, also beispielsweise Hedge Fonds, bei gleichem Mitteleinsatz erheblich stärkere Kursausschläge als bisher auslösen können.”

    Das klingt mir nicht plausibel: Nur weil Arbitragegeschäfte sich erst ab 0,05% lohnen werden, können Spekulanten nun das große Rad drehen? Bitte erkläre mir einer diese “Logik” genauer.

    “… aber auch die Lohn- und Einkommensteuer durch den Wegfall von Arbeitsplätzen in der Finanzbranche.”

    Müssen wir uns wirklich um den Arbeitsplatz der Menschen sorgen, die eine Computersoftware einsetzen, um lohnende Geschäfte zu finden, die für jeden Dollar eine Transaktion starten? Vielleicht machen sie einige 1000 Euro weniger Gewinn, am Hungertuch werden sie trotzdem nicht nagen.

    Ich bin sehr erstaunt über diese Art der Berichterstattung.

  11. Simon schrieb am

    Erfreulich, dass einmal das Thema angesprochen wird, dass Politiker (fast?) aller Parteien der Finanztransaktionssteuer alle möglichen Wunderwirkungen zusprechen, die alle bei genauerem Hinsehen höchst zweifelhaft sind. Mir kommt das immer so vor, als würde man jemanden, der den Motor seines Wagens überdreht hat, vorschlagen Sand ins Getriebe zu streuen, damit das nicht mehr passiert.

    Ich hielte es für sehr erfreulich, wenn sich mit der Piratenpartei eine Partei findet, die sich ganz allgemein gegen diese Art von Alibi-Politik richtet, bei der Maßnahmen umgesetzt werden, nur weil sie in der öffentlichen Wahrnehmung gut ankommen, ohne dass irgendjemand weiß, ob sie tatsächlich etwas bringen oder nicht sogar mehr schaden als nutzen. Das mag zwar im Moment nicht allzu populär sein, würde aber langfristig der Politik viel Glaubwürdigkeit zurückgeben.

    Die Finanztransaktionssteuer ist hier sicherlich nicht das einzige Beispiel.

  12. Leider klebt Piratenfinanzanalyst Schrade an der Propaganda-Fiktion von den freien Märkten. Nur so kommt er zur Idee, viel Volumen würde stabilisierend wirken. Tatsächlich stehen aber hinter den zahlreichen und enormes Finanzvolumen pumpenden Transaktionen viel weniger und zudem gut vernetzte Akteure: Das Geschwätz von “den Märkten” erweist sich bei näherem Hinsehen als unsinnig -zumal die der Öffentlichkeit vorgesetzten Parameter mehr als fragwürdig sind, allen voran die Ratings der Ratingagenturen. Diese wurden zu quasi objektiven Parametern erklärt, obwohl die beiden großen Agenturen S&P und Moddy’s (>80% des Ratingmarktes) untereinander und mit den hedgfonds verfilzt sind bis zum abwinken, zum Schaden von Kleinanlegern, Unternehmen und Staaten wie Griechenland, siehe z.B. http://jasminrevolution.wordpress.com/2012/05/21/euro-krise-goldman-sachs-versus-griechenland/

  13. Michael Renner schrieb am

    In der FAZ stehen zwei interessante Artikel zu dem Thema. Der eine [1] zeigt, wie die Finanztransaktionssteuer letztlich den Bürger trifft (Riester-Rente, Lebensversicherung etc). Der andere [2] vermutet, dass ähnlich wie bei der Ökosteuer der beabsichtigte Effekt nicht eintritt, im Gegenzug jedoch die Kosten steigen.

    [1] http://www.faz.net/aktuell/finanzen/meine-finanzen/steuerplaene-so-trifft-die-transaktionssteuer-die-privatleute-11778554.html [2] http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/finanztransaktionssteuer-noch-eine-schroepfsteuer-11776720.html

  14. Pingback: Bericht über das Treffen mit Dagmar Wöhrl (CSU), MdB | Portal des Bundesvorstandes

  15. Rene W. schrieb am

    natürlich kann eine Finanztransaktionssteuer, also die gewollte Verteuerung von Finanztransaktionen die Börsen NICHT zügeln. 1929 waren die Handelskosten für Aktien extrem hoch, und auch damals und besonders damalst hat das einen verheerenden Börsencrash und die bisher größte Weltwirtschaftskrise ausgelöst. Mal ehrlich, wieviel haben wir denn von der “Krise” heutzutage gemerkt .. nix! Wer anderes behauptet, ist einfach dumm und die meisten Gedanken sind eh durch “Neid” geprägt. Na ihr werdet schon sehen, wo das hinführt.

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