Du kommst hier nicht rein


Kommentare

12 Kommentare zu Du kommst hier nicht rein

  1. Turtle schrieb am

    So sehr in der Sache zustimme, eins muessen wir bei den Piraten aber noch ganz dringend klaeren: Die Verwendung des Begriffes “Extremismus”. Ausserdem: Was Stephan da in sein Verzeichnis gekippt hat, liest sich wie die Liste des Bayerischen Verfassungsschutzes, die man im Zuge der Gesinnungspruefung im Oeffentlichen Dienst bekommt. Keine sehr gute Quelle, in Bayern ist alles extremistisch was nicht in das CSU-Weltbild passt.

    Und: Nicht jede Gruppe/Partei ist eine Gefahr fuer die Demokratie wenn sie vom Verfassungsschutz als “extremistisch” eingeschaetzt wird. Die Linke (Partei) ist keine Gefahr fuer die Demokratie. Die NPD schon. Hinzu kommt, dass “Extremismus” mal wieder alle ueber einen Kamm schert und das ist mehr als bedenklich.

    • Michael Renner schrieb am

      Persönlich sehe ich in der Linkspartei eine ebenso grosse Gefahr für das Land wie in einer Rechtspartei. Die Piratenpartei ist aber weder links noch rechts. Einer alten Definition zufolge sind wir vorne. Die einzige Radikalität die ich bei den Piraten sehen möchte ist die fundamentalistische Treue zum Grundgesetz, die meiner Beobachtung nach der Kit für alle Piraten ist. In Berlin konnten wir viele Erstwähler und ehemalige Nichtwähler für uns und die parlamentarische Demokratie gewinnen. Wenn es uns auch gelingt Menschen aus der radikalen Ecke (oder einer radikalen Partei) raus zu holen, an uns zu binden und sie auf dem Weg zur demokratischen Überzeugung zu begleiten haben wir uns zum 2. Mal um die Republik verdient gemacht.

      • Turtle schrieb am

        Die Linke und die Nazis sind definitiv nicht vergleichbar in ihrem Gefährdungspotential. Nazis wollen eine deutsche Volksgemeinschaft mit Elite und Führer. Da sind die sich auch alle ziemlich einig. Parlamentarische Demokratie wollen sie jedenfalls nicht.

        Die Linken (nicht nur die Partei) als Ganzes haben schon mal gar nicht alle die gleichen Ziele. Ja, es gibt dort welche, die den Schuss nicht gehört haben. Aber es gibt auch noch viel mehr die einfach glauben dass der Kapitalismus nicht wirklich funktioniert, sofern alle Menschen ein lebenswertes Leben haben sollen. Das glauben viele Piraten aber auch, sonst würden wir nicht über Dinge wie BGE oder ReSeT diskutieren. Ich halte das auch für ziemlich radikal im Vergleich mit derzeitigen politischen Situation, das macht aber weder uns noch die Linken zu “Extremisten”. Und das gilt auch für viele andere Piratenforderungen, wie direkte Demokratie, Datenschutz usw.

        Fundamentalismus bezüglich Grundgesetz kann man im Übrigen zumindest nicht allen Piratenanhängern nachsagen, sonst würde solche Umfrageergebnisse wie neulich zur Onlinedurchsuchung nicht rauskommen. Was genau der Kit der Piraten ist, wird sich erst zeigen. Imho wird es wahrscheinlich so werden, dass sich wie in anderen Parteien mehrere Flügel bilden, vielleicht Fundis und Realos (gibt’s bei Grünen und Linken). Mag sein, dass der Glaube ans GG dann der Kit ist, wäre auch gut so. Bei den Linken ist das die Kapitalismuskritik. Sicher gibt es da auch Radikale, die auch vor Gewalt (siehe Brandsätze) nicht zurückschrecken, aber das macht nicht alle Linken oder die Linke Partei zu Extremisten. Sondern es sind eben einige Linke dabei, die Straftaten begehen. Wofür es auch nicht szeneweiten Applaus gab.

        Wir sind uns ja einig, dass eine zweite Chance idR angebracht ist, wenn die Voraussetzungen stimmen. Ich habe aber massive Probleme damit die Extremismustheorie einfach so unreflektiert zu übernehmen und werde mich auch dagegen wehren, denn ich habe auch selbst schon erlebt für Engagement gegen Nazis von einem CDUler als “Extremist” bezeichnet zu werden.

        Mit dem Label “Extremist” legen die an der Macht fest, wer ihrer Meinung nach mitspielen darf und wer nicht. Das Gleichsetzen von Links und Rechts ist dafür das Werkzeug und das ist sehr gefährlich, weil es nämlich im Zweifelsfall die echten Demokratiefeinde verharmlost.

        Noch eine Frage: Wer legt fest wo Extremismus anfängt? Die Linke wird nur dort vom VS beobachtet wo CDU oder CSU an der Macht sind. Ansonsten wird noch die Kommunistische Plattform beobachtet. Deren bekannteste Vertreterin, Sahra Wagenknecht, darf aber trotzdem in Talkshows auftreten (zu Recht, denn sie ist kein Staatsfeind, auch wenn nicht alle ihre Ansichten genießbar sind). Trotzdem würde kein klar denkender Journalist Holger Apfel einladen, auch zu Recht, weil der ein menschenverachtender Nazis ist.

        Last but not least: Viele Wähler wählen uns weil wir nicht etabliert sind, nicht weil wir so unextremistisch sind. Es haben uns 2009 auch Nazis gewählt, weil wir gegen Zensur im Internet sind. Nicht alle die uns wählen, sind vom Programm überzeugt, sondern finden einfach bei den anderen Parteien nix. Was wir mittelfristig wirklich brauchen, sind überzeugte Stammwähler. Und das wird harte Arbeit.

  2. tarzun schrieb am

    “Nur vier”? Don’t believe.

    Es gibt Dutzende weiterer kleinerer Beispiele tagtäglich auf den Mailinglisten, von Basispiraten und Funktionären. Das fängt bei Parteivorsitzenden an, die statt klarer Worte plötzlich “fiktive Beispiele” herbeihalluzinieren und hört bei Basispiraten die die LINKEn für verdammenswerter als die menschenverachtende NPD noch lange nicht auf.

    “Es waren seit 2006 nur vier Leute und immerhin haben sie kein Asylantenheim angezündet”. Nein Michael, so einfach kommen wir Piraten da nicht davon. So leicht können und dürfen wir es uns nicht machen. Wir dürfen uns nicht auf §1 unserer Satzung ausruhen und denken, das mit der mantraartigen Wiederholung davon alles getan ist.

    Wir sind das Problem und wir müssen uns ändern. Denn wenn wir etwas ändern wollen, dann müssen wir bei uns selbst anfangen – jeder von uns. (aus: http://www.wider-die-windmuehlen.de/2011/10/wir-sind-das-problem-genderdebatte/)

    Dein Text ist trotz der Schwächen aber um mehrere Größenordnungen reflektierter als viele andere Reaktionen auf die berechtigt “Ex-NPDler-Kritik”. Danke.

  3. Helyes schrieb am

    Diese Definitionen von “rechts”, “links” und was es sonst so alles gibt, sind so extreme Hängepartien, dass ich gar nicht mehr weiß, wie ich meine Meinung selber noch einordnen soll. ich hatte mal ganz zu Beginn “Der Freiheit” gedacht, dass es das eine Partei für mich wäre und bin auch Fördermitglied geworden. Inzwischen weiß ich zumindest, dass es nicht “meine Partei” ist.

    Jede Äußerung, egal von wem, wird sofort irgendwo eingeordnet und entweder verworfen oder bejubelt. Folgen dann irgendwann gegenteilige Meinungen, geht die Hatz von vorne los. Dass die Piraten sich an das GG halten, ist wohl zu begrüßen, aber meinen die auch alle Gesetze oder sind die gegen den Schlussartikel ?? Und wenn ja, warum ? Und bin ich “rechts” , wenn ich für den Schlussartikel votiere ? Fragen über Fragen !! Ich glaube an gar nichts mehr und möchte auch nicht den Mund verboten bekommen, wenn ich eine Meinung habe, die ich auch aus Gewissensgründen vertete. Also lieber gar keine Partei ???

    • Michael Renner schrieb am

      Wohin “keine Partei” führt sehen wir ja jetzt. Wenn der Bürger, auch Sie und ich, die Politik alleine lassen. Jetzt, als die Situation nach 30 Jahren “Politikverdorssenheit” unhaltbar wurde, müssen und können wir gegensteuern. Denn derzeit zahlen wir den Preis für unsere Nichtstun, für das Bidermaier in das wir uns freiwillig zurückzogen. Zukünftig ist auch ein Preis zu zahlen, nämlich der, dass wir uns vermehrt mit Politik beschäftigen müssen. Eine andere Sache noch: Von der Mitte aus betrachtet (ich definiere mich mal an diesen Punkt) ist ‘Links’ bestimmt ein weites Feld, das weit hinten am Horizont in einem breiten Band radikal wird. ‘Rechts’ liegt der radikale Rand viel näher, ist brutaler, wirkt alleine schon wegen der Perspektive sehr bedrohlich! Der nahe Raum ‘rechts’ wird auch von CDU und CSU, vielleicht auch der SPD erfüllt. Wähend ‘links’ einige einsame Recken der ‘Linken’ schon ziemlich weit weg stehen. Man sollte diese Bestandsaufnahme der politischen Verortung in ein Bild packen 😉

    • Rohanseat schrieb am

      Das ist eine frage die nicht so leicht beantwortet werden kann. auch ich war zunächst auf dem wege zu “der Freiheit” aber nahc dem ich mich mit denen mehr beschäftigt hatte blieb nur “ade” zu sagen.-Wer aber in einer lebendigdemokratie leben will sollte sich auch dafür einsetzten.-Was unsere “alt eingesessenen parteien” leisten hat mit demokratie nicht mehr viel zu tun. Des wegen habe ich meinen ehemaligen verein verlasse und bin auf dem wege pirat zu werden.-Meine hoffnungt das unsere leute dann den verlockungen der wirtschaft wiederstehen.-Zum glück sind die, die ich bis jetzt von den berufen her kenne schon anders ausgeüstet.–

  4. Sascha schrieb am

    Genau betrachtet sind alle “etablierten” Parteien hier in Deutschland rechts angesiedelt! Auch die Linke! Grund: Ihre Grundstruktur hat sich seit dem Kaiserreich bis 1918 kaum verändert. Es gibt einen (manchmal auch 2) Obergurus, einige Stellvertreter und dann die Basis, die zwar durchaus mit entscheiden darf aber wenn es darauf ankommt, hat der “Führer” das letzte Wort! Und guckt euch die Gesetze wie HartzIV, (angeblichen) Antiterrorgesetze usw. usw an. Viel krasser kann es ja selbst die NPD nicht mehr machen! Alles von Oben herab “du musst uns dienen und gehorchen, sonst bist du ein Stück Sch****”! Links bzw. linksliberal ist für mich, der versucht diese Herrenmenschenmethoden aufzubrechen, den Leuten die Möglichkeit gibt, unter Einhalt von sozialen Mindesstandards bzw. der Existenzsicherung ohne Erpressung und Demütigung von Behörden oder übertrieben Profitorientierten Arbeitgebern, sich frei und ohne Angst vor Konsequenzen zu entfalten (so lange er Andere keinen Schaden zufügt, so wie es auch in der Verfassung steht) In der Richtung wird zwar in anderen Parteien ein wenig diskutiert aber ein große Mehrheit (wie gesagt auch bei den Linken!!) wollen an dem “Führerstaat” bzw. an einem Staat mit einer von “Führern” abhängigen Bevölkerung festhalten! Fazit: Im linken (bzw. linksliberalen) Lager gibt es viel, viel Platz! Das reicht schon fast für 3 Parteien….

  5. Karamoon schrieb am

    Der Richtungsstreit ist doch überall ein alter Hut. Rechts und links galten lange Zeit für klare , wenn auch nicht immer bequeme Positionen. Als das zunehmend mit Extremismus gleichgesetzt wurde, wollten alle “Volksparteien” auf einmal die “neue Mitte” sein. Dort schien es nun augenscheinlich ziemlich eng zu werden und so wanderten wieder einige betont in die beiden Richtungen ab. Die WASG, auf die viele Hoffnungen gesetzt hatten, ließ sich mit Leuten ein, die eine Nummer zu groß für sie waren und sie wurde von denen an die PDS verschachert. Im rechten Spektrum besetzte man einfach die Themen, von denen die Etablierten lange Zeit nichts wissen wollten. Volk, Nation etc. Man sollte sich nicht mit Diskussionen Marke: “Was ist böser? Links oder rechts?” aufhalten. Man sollte vielmehr fragen, was neue Mitglieder zu den Piraten treibt. Wer überholten Sozialismus reformieren- oder ein 4tes Reich auf Umwegen aufbauen will, der ist wohl fehl am Platze. Zurück in die Zukunft ist ein guter Film, aber niemals politische Perspektive. Kann man den Kapitalismus kritisieren ohne den roten Stempel zu bekommen oder patriotisch sein, ohne die Nazikeule zu bekommen? Ich denke ja. Die alten Ideologien sind alle gescheitert, das sollte jedem klar sein. Wenn sich die Piraten in keine Ecke stellen lassen wollen, dann sollte man, auf lange Sicht, etwas neues entwickeln und Perspektive schaffen.

Schreibe einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht öffentlich angezeigt. Verbindlich einzugebende Felder werden mit diesem Zeichen kenntlich gemacht: *

Weitere Informationen

Archiv aller Artikel

  • Feinstaubsensoren
  • SH-STOPPT-CETA