Kritik an der datenschutzkritischen Spackeria

Logo der Spackeria | CC-BY-SA @tante

Kommentare

9 Kommentare zu Kritik an der datenschutzkritischen Spackeria

  1. Drachenrose schrieb am

    Manchmal ist mir der Unterschied zwischen der Spackeria und den Überwachungsfantikern wie Friedrich nicht klar, weil bei beiden die Grenzen verwischen.

    Wenn es keine Privatsphäre mehr gibt und jeder Mensch nahezu alles über mich weiß (man muss sich mal klar machen, was das in letzter Konsequenz bedeutet: Jeder weiß, welche Krankheit ich habe oder hatte, welche es in meiner Familie gibt, ob ich Arbeitslos war, wo ich zur Schule gegangen bin, mit wem ich in einer Klasse saß, wann ich in der Nase gebohrt habe…), dann weiß auch der Staat alles über mich und damit seine ausführenden Behörden – genau das ist doch Friedrichs Traumreich. Zeugenschutzprogramme oder ähnliches wären in so einer Gesellschaft auch nicht mehr möglich – weil ja jeder überall gläsern ist. Das aber wäre die perverse Steigerung des Negativutopie “1984” Was wird das für Menschen erzeugen, wenn es keine Rückzuggebiete mehr ins Private gibt, weil alles irgendwann ja doch öffentlich wird? Weil jeder noch so kleiner Fehltritt bekannt und breit getreten für jedermann wahrnehmbar wird? Schon jetzt ist der Druck in Richtung Konformität und Mainstream enorm, wer nicht angepasst ist, hat Probleme, wird ausgegrenzt. Doch noch gibt es die Möglichkeit, sich ins Private zurückzuziehen. Die Aufgabe dieser Territorien hätte furchtbare Konsequenzen. Es ist doch gerade die Anonymität des Internets, die immer wieder Leute zum Reden bringt, oftmals zum ersten mal in ihrem Leben, Opfer von Gewalt und Missbrauch, aber auch Schwule oder andere Randgruppen. Ein Aufkündigen der Anonymität würde diese Menschen wieder zum Schweigen bringen – das kann es doch nicht sein. Gedankenspiele, die letztlich den sog. arabischen Frühling hervorgebracht haben – in Zukunft wären sie undenkbar, weil der kleinste Gedanke sofort die dazugehörige Polizei aufs Tapet bringen würde! Ich – für meinen Teil – möchte unter gar keinen Umständen in so einer Gesellschaft leben. Die Anonymität im Netz muss gewahrt bleiben. Der Staat muss gläsern sein – nicht der Bürger (oder die Netizen)!

  2. Warum hält jeder Post-Privacy für eine politische Forderung. Es ist ein theoretisieren einer zukünftigen Utopie. Inwieweit das alles zutreffen wird steht weder fest noch überhaupt zur Debatte. Man kann sowohl den Ist-Zustand verbessen, mit einer Datenschutzreform, als auch den Blick in die Ferne richten und überlegen wie das so aussehen könnte. Beides liegt in unterschiedlichen Zeitebenen. Und wenn die gesellschaftlichen Vorraussetzungen da sind, dass alle bisher erkannten Probleme nicht mehr auftreten, wird sich das eh durchsetzen, ob man will oder nicht. Niemand verlangt das es jetzt sofort so sein sollte.

  3. Das Grundgesetz ist sowas von Forties.

    Ich bin zwar erst 1956 geboren, aber mochte einiges am GG, als wir es damals in der Schule durchnahmen, und mag es immer noch. Als um 1977 der Innenminister Maihofer sagte, man könne doch nicht ständig mit dem Grundgesetz unterm Arm herumlaufen, habe ich mir extra einen Schulterhalfter gebastelt, um das Gegenteil zu demonstrieren.

    Genug der Anekdoten. Ich denke, Piraten sollten die Verfassung “schützen”, quasi als parlamentarische Hilfstruppe des BVerfG. Vor allem die Grundrechte. Ohne Niederschrift im GG gehört auch die informationelle Selbstbestimmung dazu. Wer sich öffentlich machen will, ist frei dazu. Ein Zwang darf nicht stattfinden.

      • suchenwi schrieb am

        Bilder habe ich nicht davon. Es war sehr simpel: das GG als dünne Broschüre, wie wir sie in der Schule bekommen hatten, in eine C6-Plastikhülle, ca. 30 cm stoffummanteltes Gummiband an zwei Ecken der Hülle angeknotet, fertig :^)

  4. Richard Lenz schrieb am

    Wenn man sich die Transparenz auf die Fahne schreibt dann ist es doch eigentlich nur konsequent das auch von den Bürgern zu erwarten (vl. sogar als eine Bürgerpflicht zu betrachten?! zumindest aber wäre eine Kultur des nichts-zu-verbergen-habens eine sehr wünschenswerte..)

    • Das genau ist die “Thin Red Line”. Bei den Piraten heisst es kurz: “Transparenter Staat statt gläserner Bürger”.

      Problem natürlich: Wo zieht man diese Linie, wenn Bürger ins Abgeordnetenhaus gewählt werden (wie letzten Sonntag in Berlin)? Volksvertreter müssen transparent sein. Volksvertreter sind Bürger.

  5. xwolf schrieb am

    Warum macht ihr um die “Spackeria” so viel Wind? Es gab und gibt und wird immer kontroverse Diskussionen, Ideen und Vorschläge geben; Egal ob sie von Mitgliedern der Piraten oder bekannten Netizens kommen. Allein eine Verballhornung als Namen, ein paar rhetorische Kniffe und ein temporäre Zusammenkunft von verschiedenen Leuten die Schreibrechte auf ein gemeinsames Blog haben, sollte nicht von den Inhalten ablenken.

    Viele der Thesen der “Spackeria” sind doch kalter Kaffee; Bereits zu Zeiten von freedomforlinks.de gab es Leute die ähnliche Vorschläge hatten.

    Ob da nun “Spackeria”, “AK keine Hausrechte für Website-Betreiber”, “Grüne”, “SPD”, “CCC” oder sogar auch “Piraten” darüber steht: Content ist king. Lasst und doch lieber auf den Inhalt schauen. Wenn der gut ist, dann sollte man ihn nutzen. Welcher Name darüber steht, ist unwichtig.

  6. Andreas schrieb am

    Vielen Dank für diesen wirklich klar geschrieben Artikel. Für mich stellt sich nur die Frage was euch in der Spackeria überhaupt verbindet. Schadet die “plakative Rhetorik” nicht der gesamten Diskussion? Es gibt auch durchaus Argumente für weniger Datenschutz, zum Beispiel würden genauere Daten der medizinischen Forschung gut tun. Eine interessante Abhandlung zu diesem Thema hat Jane Yakowitz geschrieben. Wenn man allerdings Datenschutz pauschal als “so was von Eighties” abqualifiziert, sollte man sich nicht wundern, wenn die eigenen Aussagen genauso pauschal als “feindlich” verworfen werden.

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