Soziale Kompetenz bei den Piraten

Soziale Kompetenz | CC-BY Tobias M. Eckrich

Kommentare

30 Kommentare zu Soziale Kompetenz bei den Piraten

  1. SlickRights schrieb am

    Interessanter Artikel. Aus meiner Sicht greift er das Problem aber an einer wenig sinnvollen Stelle an. Ich bin ja nicht in die Partei eingetreten, um mich mit Leuten zu “versöhnen” und zu “kuscheln”, die genau das mit mir gemacht haben, wie du es beschrieben hast, ich habe wirklich keine Zeit, mich als privater Sozialisierungsexperte mit zig pre-pubertären “Möchtegern-alles-wissen-alles-haben-viel-fordern-nix-beibringen-bei-Kritik-schnell-persönlich-angegriffen-fühlen”-Piraten auseinanderzusetzen. Ich will Politik machen, und zwar mit Leuten, die entweder in der Lage sind, etwas auf die Beine zu stellen oder/und Leuten, die eine gewisse Führung akzeptieren, um ein definiertes Ziel zu erreichen. Meines Erachtens fehlt es mehr an Piraten, die einen klar umrissenen Standpunkt vertreten, und dennoch in der Lage sind, Kritik an ihrer Einstellung/Meinung variabel einfliessen zu lassen. Es fehlt schlicht und ergreifend an Führungspersonal, wenn ich hier mal eine Bezeichnung aus dem HRM heranziehen darf. Und es fehlt an der Erkenntnis bei vielen Piraten, daß man sich auch mal führen lassen muss, um neue Erkenntnisse zu erlangen, die man durch bloßes Reden und aufblähen von Diskussionsblasen nie und nimmer erreicht. Und liebe Kyra, ich schätze dich sehr, daher nimm es nicht persönlich, aber das wirkliche Problem dieses Dilemmas (und als solche kann man es durchaus bezeichnen) ist die nicht angewandte Sozialkompetenz einiger Old-School-Piraten, die anstatt klare Linien zu ziehen, eine maximale Schnittmenge an Konsens suchen und dabei nicht merken, daß dies den Stillstand der Partei bedeutet. Es braucht Leute, die sich ganz vorne hinstellen, und sagen wie etwas umzusetzen ist.Es braucht Leute die was anpacken und nach Vorne bringen, und die größtenteils ein “dickes Fell” haben wenn es wieder mal irgendwelchen Zimperlichen gegen den Strich geht, daß es einer wagt, sich ganz vorne hinzustellen, und anderen zeigen will, wie etwas umzusetzen sei. Und es braucht Piraten, die sich auf die Seite derer schlagen, die sich um die Zukunft der Partei bemühen und nicht aus einer eingebildeten “neutralen” Maximal-Konsens-Position heraus untätig zulassen, wie Aktive, die aus freien Stücken enorm viel Zeit und Arbeit in die Partei investieren nicht nur nicht ernst genommen, sondern von einer Bande Konjunktiv-Piraten verbal (und zeitweise handgreiflich) zusammengeschlagen werden. Das ist für mich ein viel größerer Skandal als das mimimi von Leuten, die gerne an anderer Stelle austeilen, aber richtig!Immer schön auf dem Teppich bleiben. Die rosa Brille aufzusetzen und für alle nur Friede, Freundschaft und Kuscheln zu postulieren geht meines Erachtens gewaltig an der Realität vorbei…außer daß mit der freien Liebe, das könnt man sich nochmal überlegen.

    • Marina schrieb am

      Ich denke, ich sehe einen Fehler, der deiner Argumentation zugrunde liegt, lieber SlickRights. Du gehst von zwei Polen aus: Höfliches Konsens-Gekuschel und knallharte Politik, die vorwärtsgerichtet ist und für die man ein dickes Fell benötigt.

      In Wirklichkeit haben wir aber 2 Achsen, also 2 Dimensionen. Die eine Achse ist “Konsens – Extremmeinung”. Also wie weit jemand bereit ist, seine Meinung von “der Masse” oder von anderen Piraten verbiegen zu lassen. Wenn das extrem auf Konsens ist, hast du recht, bedeutet das letzlich Stillstand. Wenn das zu sehr auf Extremmeinung steht, bedeutet es, dass wir ein paar vermutlich unrealistische Meinungen haben, die nicht auf genug fruchtbaren Boden fallen, um von einer Anzahl von Leuten umgesetzt zu werden. WO man auf dieser Achse sein sollte, entscheidet der Einzelfall.

      Die zweite Achse ist “Anstand – Bashing”. Das hat rein gar nichts mit dem Inhalt der Diskussion zu tun, es ist eine reine Frage der ART UND WEISE. Ich kann dich in den Konsens bashen, ich kann meine Extremmeinung auf anständige, ja sogar diplomatische Weise vertreten. Die beiden Achsen sind im Wesentlichen unabhängig. MUSS ich in der Politik ein dickeres Fell haben, wenn ich nicht beleidigt werden möchte? Warum? Ich muss Kritik an meiner These aushalten, ja. Aber warum sollte ich mich damit zufrieden geben, persönlich beleidigt zu werden? Warum sollte ich persönlich beleidigen? Das möchte ich nicht. Und es ist auch nicht sinnvoll.

      Ich denke, dieser Artikel, mit dem ich in ein paar Punkten auch nicht übereinstimme, will lediglich einen Punkt dafür machen, seine eigenen Ansichten mit Respekt anderen gegenüber zu vertreten und anderen zuzuhören, wenn die ihre Ansichten vertreten.

      Dialektik, die gute alte Methode der Erkenntnis, fußt ja darauf, dass zwei Meinungen gegen einander antretetn und die stärkere, die besser argumentierte, gewinnt. Das ist genau, was du willst. Aber ja, dafür muss eine Meinung “verlieren” können. Wichtig ist aber, dass die Meinung “verliert”, und nicht der Mensch dahinter.

      • “Wichtig ist aber, dass die Meinung “verliert”, und nicht der Mensch dahinter.”

        Das kann man nicht oft genug sagen, verbreiten und deutlich machen. Hart in der Sache, freundlich in der Art. Das haben wir doch in Chemnitz und Heidenheim vorexerziert. Das klappte sehr gut.

        Schönen Gruß Aleks

      • SlickRights schrieb am

        Liebe Marina, deinen träumerischen Auslegungen kann ich nur bedingt folgen. Deine definierte Zwei-Achsen-Welt hat mit Parteiarbeit gar nichts zu tun, eher was mit sozialem Forschungslabor. Der “Ersten Achse” kann ich ja noch zustimmen, obwohl das schon arg simplifiziert dargestellt wird. Die “Zweite Achse” ist ein Wunschdenken und “durch-die-rosa-Brille” schauen. Es ist schlicht eine Verweigerung der Realität gegenüber. Die komplette Abwesenheit von Sozialkompetenz und Diskussionskultur, ergänzt durch eine unfassbar brutale und ignorante Art und Weise, wie viele Piraten, oder solche die sich so nennen, mit den Meinungen anderer umgehen. Ich nehme da keine Rücksicht mehr, wenn ich angegriffen werde, dann gibt’s Saures!Soll ich den/die dann Kuscheln, oh, nicht traurig sein, ist nur deine Meinung, die verliert.Marina, manchmal machst du so einen abgehobenen, spirituellen Eindruck auf mich…wenn es nach deiner Auslegung ginge, hätte ich als Mensch schon mehrfach verloren bei den Piraten, weil meine Meinungen weder sachlich noch sozial fair abgebügelt werden und ich mir des Öfteren Titulierungen wie “Du Scheiss NAZI” und “Brauner Scheiss” und sonst noch ein paar tolle Ausdrücke anhören muss!Du bist schlecht informiert, und bist mit diesem Kommentar bei mir vollkommen und komplett an der falschen Adresse.

  2. Liebe Kyra,

    darf ich zusammenfassen, wie ich die Aussage zu Aktiven Piraten in deinem Artikel verstehe?

    Aktive Piraten sind arrogante, sozial inkompetente Menschen, die warten sollten, bis die Konjunktivpiraten sich bemüßigt fühlen, sich Ihrer anzuschließen. Wer das nicht schafft belegt sowohl seine fehlende Empathie wie auch seine soziale Inkompetenz.

    War das tatsächlich deine Aussage?

    Weiters kann ich mich SlickRights Meinung nur anschließen, weswegen ich sie nicht wiederhole.

    Obiges unbeachtet der Tatsache, dass ich dir zum Rest des Artikels Recht gebe. Ich habe viele gute Menschen gehen sehen, die keine Lust hatten, das alles zu ertragen.

    Ich habe aber wiederum auch schlechte Menschen gehen sehen, weil sie von der Basis durchschaut wurden. Piraten sind also durchaus fähig, Gute von Schlechte zu unterscheiden, was doch auf eine gewisse soziale Kompetenz hindeutet. Oder interpretiere ich das falsch?

    Und wiederum habe ich Piraten erlebt, die groß im Austeilen sind, aber beim geringsten Gegenwind heulen, als ob sie ausgepeitscht worden wären. Beides Zeichen eines verquerten EQs

    Jenseits von deiner Meinung zu Aktiven Piraten pflichte ich dir bei, dass wir weitaus mehr Empathie, weniger Emotionalität und den Willen brauchen, einander zuzuhören, wenn wir im Diskurs miteinander voran kommen wollen.

    Regelmäßige persönliche Treffen sollten da Besserung hervorbringen. Auch wenn mir bewusst ist, dass sie nur ein Mosaikstein sind.

    Schönen Gruß Aleks

  3. Kyra Anisimov schrieb am

    das könnte die beiden letzten Kommentatoren interessieren. Am Do. 11.08 2011 Thema im Dicken Engel ab 19.30:

    Macht und Hierarchie in der Politik Referent Bernd Schloemer

    Auch wenn Piraten der Gedanke an Macht und Hierarchien nicht gefällt, es gibt sie in der Politik und wir können sie nicht ausblenden. Man muss überlegen wie man damit moralisch und geschickt umgeht.

  4. Abgesehen davon, dass ich am Donnerstag im Flieger sitze, und dass das Format “Dicker Engel” nicht mein Fall ist, ist es schade, dass du dich nicht mit unseren Argumenten hier auseinandersetzt, wo wir unsere dargelegt haben.

    Schönen Gruß Aleks

  5. Kyra Anisimov schrieb am

    ich habe bisher nicht geantwortet, weil ich die Antworten schlicht unrealistisch fand:

    Zitat

    “Meines Erachtens fehlt es mehr an Piraten, die einen klar umrissenen Standpunkt vertreten, und dennoch in der Lage sind, Kritik an ihrer Einstellung/Meinung variabel einfliessen zu lassen”

    man kann sich keine Partei backen. Wenn bestimmte Personengruppen wenig oder kaum vertreten sind, dann liegt es eben daran, dass die Menschen die sich von Piraten angezogen fühlen nicht diesem Schema entsprechen. Also muss man als Pirat lernen mit den Menschen umzugehen, aus denen die Partei eben größtenteils besteht. Das ist soziale Kompetenz. Und ja, aktive Piraten und solche in Ämtern hatten es schon immer schwerer bei den Piraten. Frag ehemalige BuVos, z.T. auch LVs oder Schiedsrichter. Und sie haben nicht alle alles falsch gemacht. Erst heben Piraten andere auf ein Podest, dann pinkeln sie so lange dagegen, bis derjenige den Gestank nicht mehr aushält. Darum meine ich dass mit der Entwicklung einer größeren sozialen Kompetenz erst der zielgerichtete Umgang mit Piraten möglich wird. Die Piratenpartei funktionieren anders als andere Parteien. Nicht schlechter, aber anders. Take it or leave it. Wir ziehen eben Menschen an, die sich extrem ungern unterordnen und nur bedingt Teamfähig sind. Es brauch etwas Fingerspitzengefühl daraus was zu machen, ohne sich alleine gelassen zu fühlen. Und damit meine ich nicht, dass aktive Piraten keine soziale Kompetenz haben. Nur sollte man sich mal als aktiver Pirat mal überlegen, warum man oft nach kurzer Zeit alleine gelassen wird. Piraten wollen keine Anführer. Egal ob sie in der Politik sinnvoll sind oder nicht.

    • Julia Schramm schrieb am

      Liebe Kyra,

      sehr gute Ausführungen. Du triffst es ganz genau auf den Punkt. Witziger Weise argumentieren SlickRights und Aleks genau für das, was du ja (indirekt) kritisierst! Führungspersonal muss eben sozial kompetent sein und auch einen Blick für Empathie haben und für soziale Befindlichkeiten. SlickRights: Wieso haste dir denn dann eine Partei gesucht, die für die meisten ein PeerGroup – Ersatz ist? 😉 #scnr

      Abgesehen davon ist eine “Diktatur der Aktiven” ein ganz typisches Problem, was in alternativen Politikszenen Gang und Gebe ist. Wer die Zeit und Energie bzw. Resourcen hat gibt den Ton an, oftmals auch auf Grund von Indifferenz des Rests. Und dass es “gute” und “schlechte” Piraten gibt, nunja, dass ist doch eine sehr eindimensionale Weltsicht und äußerst subjektiv. Du bedauerst vielleicht den Abgang anderer Menschen als ich, etc. Welche Maßstäbe setzt du denn dafür an, Aleks?

      Natürlich braucht es Aktive, die auch mal denHut aufhaben und die Marschrichtung für Projekte angeben – das ändert aber nichts daran, dass wir (nun tatsächlich im Sinne von Menschheit) einen knüppelharten Sozialdarwinismus praktizieren und mit Emotionen nicht umzugehen vermögen. Ich denke, dass dies das tragischste Erbe des Patriarchats ist.

      Weiter: Immer wollen die Piraten “neue” Politik machen und selten habe ich Menschen erlebt, die so sehr an das Bestehende glaubten, die so krasse Dogmen haben in Bezug auf die menschliche Natur und die Wirklichkeit. Es ist irritierend. Vor allem, wenn man so viel geisteswissenschaftliche Inkompetenz hat in der Masse und Erkenntnisse der Philosophie, Psychologie und Soziologie massenhaft ausgeblendet wird.

      mein emo-ausbruch am Wochenende ist ein prima Beispiel: Während die überwiegenden Reaktionen positiv und aufbauend waren, kamen Aussagen wie: Deine Tränen nerven; das ist bestimmt Taktik; das hat in der Politik nichts verloren. Alas! Ganz im Gegenteil! Politik wird von Menschen gemacht und wenn wir Menschen nur rational betrachten und ihnen verbieten irrational zu sein -WAS machen wir dann anders? Diesen Yes-You-Can-Liberalismus finde ich falsch. Was das bedeutet sieht man in den USA: “Wie du hast 3 Jobs und kannst dir kein Krankenkasse leisten? Na, dann musst du wohl sterben oder 4 Jobs machen. Ist ja dein Leben.”

      Außerdem zeigen diese Reaktionen, wie überfordert die Menschen mit Emotionen sind. Weil “wir” nicht ertragen, dass ein Mensch weint, weil es uns weh tut, wenn wir Menschen weinen sehen, uns an unser inneres Kind erinnert fühlen, wollen wir, dass der Mensch aufhört. Sei es nun mit rationalen Argumenten, wieso weinen sinnlos ist (“du hast doch keinen grund” oder auch victim-blaming á la “Ja, dann mach halt keine Politik”) oder mit dem Versuch den emotionalen Ausbruch zu relatvieren (“Was für eine PR-Aktion”, etc.) – aber eigentlich sagt so ein Verhalten mehr über die Interpretatoren aus, als mich.

      Naja, grundsätzlich kann man eh nur sich selbst ändern und nicht die anderen. Hoffentlich lernen wir das irgendwann.

      Ahoi!

    • SlickRights schrieb am

      Liebe Kyra, deine Aussage impliziert einen ewigen Prostest-Status der Piratenpartei. Das kann ich auch woanders haben, zB bei NGO’s/Bürgerinitiativen etc. Da sind dann wenigstens Leute, die ein Mindestmaß an sozialer Kompetenz vorweisen können. Eine Eigenschaft, die bei den Piraten immer seltener anzutreffen ist. Und deine Aussage, “Wir ziehen eben Menschen an, die sich extrem ungern unterordnen und nur bedingt Teamfähig sind”, dann bedeutet das übersetzt, “Pubertäre Möchtegern-Anarchos, die bockig sind, alles haben und immer recht haben wollen, und beim kleinsten Gegenwind direkt ausrasten” Sorry, Kyra, hätte dich für intelligenter gehalten (das ist jetzt deine Meinung, die stirbt).Leute die sich nicht unterordnen können, haben auch im richtigen Leben kein Glück!Aber anderen Leuten dauernd verbal auf die Fresse hauen, das findest du gut?Irgendwie wirre Vorstellungen!Eine Partei voller Häuptlinge, aber mit wenigen Idianern. Beste Vorraussetzungen um zu scheitern.

      • Kyra Anisimov schrieb am

        ich glaube Du solltest mal lesen was ich geschrieben habe. Ich beschreibe einen bedauerlichen Zustand an dem ich gerne etwas ändern möchte. Und du bist oft genug im DE um zu wissen dass ich genau das verbale auf die Fresse hauen oder in den Chat schreiben versuche zu verhindern. Es ist auch sehr viel besser geworden, du warst am Anfang nicht dabei 🙂

  6. “Erst heben Piraten andere auf ein Podest, dann pinkeln sie so lange dagegen, bis derjenige den Gestank nicht mehr aushält.”

    Das kann ich bestätigen. Aber in letzter Konsequenz heißt das, dass die Piraten nicht zukunftsfähig sind. Denn von alleine tun sie auch nichts.

    Schönen Gruß Aleks

  7. Kyra Anisimov schrieb am

    Hallo Aleks,

    ich habe kein Patentrezept, aber ich denke es ist lernbar. Sonst hätte ich keine Bestandsaufnahme gemacht, wenn ich nicht glauben würde, dass es eine Entwicklungsmöglichkeit gibt. Ich bin ja Pirat.

  8. kungler schrieb am

    hmm, also die Definition von “sozial kompetent ist, wem es gelingt, viele Leute [für seine Ideen] zu mobilisieren” ließe sich so interpretieren, dass ich am sozial kompetentesten (gibt’s diesen Superlativ?) bin, dabei habe ich bloß die meisten Telefonnummern von Piraten gespeichert…. 😉

    Ich glaube, dass dieser Ansatz deutlich zu kurz greift: Es gibt sozial inkompetente Menschen, die mit ihrer lauten Art andere zum Mitmachen bewegen können – dabei aber viele andere vor den Kopf stoßen. Und es gibt sozial kompetente Menschen, die einfach zu leise sind, als dass ihre Ideen von alleine viel Gehör fänden. Die brauchen dann wiederum jemanden wie z.B. mich, der ihnen ein paar Kontakte herstellt oder für sie “trommelt”.

    Für mich bedeutet soziale Kompetenz ganz einfach: Rücksicht auf und Verständnis für andere.

    Dazu zählen Dinge wie der Umgangston auf Mailinglisten oder im Real Life, Grundregeln der Höflichkeit wie gegenseitiges Ausreden lassen (hier hab ich z.B. Defizite) oder auch pünktlich/verlässlich zu sein.

    Nicht zuletzt gehört auch Verständnis für die Situation des anderen dazu – wer Beruf und Familie hat, kann für die Piraten meist weniger tun als ein Student. Umgekehrt haben diese in der Regel erheblich weniger Geld zur Verfügung als Berufstätige.

    Dies gegenseitig zu akzeptieren (und dem möglichst abzuhelfen, z.B. durch Fahrtkosten-Zuschüsse o.ä. einerseits oder das Übernehmen von zeitaufwändigen Aufgaben andererseits) fällt vielen Piraten erstaunlich schwer. Nicht selten wird jemand schräg angeschaut, weil er “schon wieder” an einem Sonntag nicht mithilft (Familie!) oder nicht zu einer Demo fährt (Fahrtkosten!).

    Das oberste Gebot in puncto “soziale Kompetenz” ist daher in meinen Augen, mehr Verständnis für und Rücksicht auf einander zu nehmen. Das fängt beim Umgangston auf der ML an und reicht bis hin zum Akzeptieren, dass jemand anderes weniger für die Partei leisten kann als man selbst.

    Gruß Matthias

  9. Simon Lange schrieb am

    Schön und treffen beschrieben, Gefion. Das jetzt einsetzende Relativieren der Fakten ist ebenfalls “typisch piratig”. 😉

    Was Du schreibst ist allerdings schon laaaaaaange bekannt und leider gibt es keine einfache Lösung. Schauen wir mal, wie der jetzige BuVo das wachsende und sich verhärtende Problem lösen will. Ich pers. denke, dass es ohne unangenehme Entscheidungen nicht gehen wird.

    Allerdings würde das voraussetzen, dass man nicht die eigene Wiederwahl als Entscheidungskriterium verwendet. Selten, leider seeeeeehr selten.

    Simon

      • Simon Lange schrieb am

        🙂 Auch gut, Dann Dank an Gefion für die Hilfestellung und Kyra Gratulation für den treffende Bestandsaufnahme. 🙂

    • Gefion Thürmer schrieb am

      Hi Simon, wie drunter zu lesen ist, ist der Artikel nicht von mir, sondern von Kyra. Ich hatte ihn nur eingestellt (und vergessen, den Autoren zu ändern). Irgendwie ist es aber interessant, Deinen Kommentar unter der Voraussetzung zu lesen, dass Du dachtest er sei von mir. 😉 Der BuVo will natürlich dieses Problem angehen. Aber auch er hat nur begrenzte Möglichkeiten. Wir können die Piraten nicht ändern! Sei aber versichert, dass “meine Wiederwahl” mir dabei sowas von vollkommen egal ist … Mal ehrlich: Kyra hat schon Recht: Man hält den Gestank hier oben nicht lange aus. lG Gefion

  10. Marina schrieb am

    Ich stimme deiner Bestandsaufnahme weitestgehend zu. Finde aber, dass du an vielen Stellen unzulässig verallgemeinerst.

    Piraten haben durchaus gute Konfliktfähigkeiten – nur eben nicht alle, und die mit den schlechten sind lauter. Auch viele Aktive werden nicht deshalb allein gelassen, weil sie sich zum Häuptling aufschwingen, sondern weil es um sie herum wenig andere Aktive gibt, oder die mit anderen Dingen beschäftigt sind. Viele dieser Einzelkämpfer sehen wir nichtmal, weil sie sich in der Bundespolitik nicht sehr engagieren. Ich denke zum Beispiel an Pascal P. aus Münster. (Kennt den jemand? Der ist hier Ratsherr und arbeitet min. 30 Stunden für die Partei!)

    An deinem Artikel habe ich vor allem zu kritisieren, dass er so geschrieben ist, dass diejenigen, von denen du sprichst (und Änderung wünscht), ihn ablehnen werden. Klar. Wenn man negativ über mich schreibt, fühle ich mich nicht angesprochen.

    Vieles resultiert auch nicht aus mangelnden persönlichen Fähigkeiten, sondern aus kulturell erworbenen Missständen. Zum Beispiel kann ich mir gut vorstellen, dass ein Pirat in seinem privaten Kreis über klasse soziale Fähigkeiten verfügt, aber auf Twitter an die Macht der Shitstorms glaubt. Nicht, weil es ihm egal ist, was mit den Opfern ist. Nicht, weil er ein emotionaler Vollidiot ist. Sondern weil er denkt, dass das der Weg ist, auf dem Dinge verändert werden können. Weil er es hier gelernt hat!

    Sehen wir uns das Wesen des Shitstorms an, stellen wir fest, dass es eigentlich nichtmal unbedingt wütende Angriffe sind, sondern viel mehr eine Welle von Spott. Das Ziel ist dabei halb die Unmutsbezeugung, halb die eigene Belustigung. Denn das ist doch unser politisches Mittel! Bei “Zenursula” haben wir doch dasselbe gemacht! Nach außen und nach innen glauben wir, dass wir mit Memes, mit satirischen Bildern und Texten, mit Beleidigungen etwas verändern können. DAS ist eine der Stellen, an denen man ansetzen müsste. Interessanter Artikel dazu hier: http://blog.zdf.de/hyperland/2011/08/reisst-euch-endlich-zusammen/

    Gut finde ich, wie du das Problem der Überidentifikation mit der Partei aufgegriffen hast. Das ist sicherlich auch noch so ein Punkt. Wichtig ist aber, wie du selbst schriebst: Wir können uns keine Partei backen. Wir haben die Leute, die wir haben. Und wir haben phantastische Leute! Wichtig ist, dass nicht der Eindruck entsteht, wir würden versuchen, sie zu ändern, zu erziehen oder selbst zu beleidigen. Was wir ändern müssen, ist das System. Und das tun wir eher, indem wir sowas wie Lob und Dank einführen, indem wir eine Debattenkultur etablieren. Indem die Zuschauer bei Shitstorms nicht mehr fröhlich mitmachen, sondern im Gegenteil dem Einhalt gebieten und zu den echten, funktionalen Mitteln der Kommunikation greifen.

    Wenn jemand glaubt, dass Shitstorms ein super innerparteiliches Mittel sind, möge mich jetzt bitte zustürmen. Vielleicht ändert das ja meine Meinung. 😉

    • “Nicht, weil es ihm egal ist, was mit den Opfern ist. Nicht, weil er ein emotionaler Vollidiot ist. Sondern weil er denkt, dass das der Weg ist, auf dem Dinge verändert werden können. Weil er es hier gelernt hat!”

      Ein Teil von mir gibt dir Recht, ein anderer Teil schaut auf die Entwicklung in Chemnitz und Heidenheim und weiß, dass die von Sebastian postulierte Idee, dass sich die Leute viel öfter persönlich treffen der richtige Weg ist, um den Ton auch in der elektronischen Kommunikation zu mäßigen.

      Das wird eine kleine Gruppe trotzdem nicht mäßigen, die vor allem laut ist und das war’s dann. Da müssen wir alle lernen, solche Leute zu ignorieren. Wer merkt, dass solche Methoden geächtet sind und er/sie geächtet wird – und da sind wir beim Lerneffekt – wird dann eben nicht dazu greifen.

      Schönen Gruß

      Aleks

    • “Piraten haben durchaus gute Konfliktfähigkeiten – nur eben nicht alle, und die mit den schlechten sind lauter.” Ist das nicht auch ein Paradebeispiel einer unzulässigen Verallgemeinerung – bzw. einer unwissenschaftl. Schlussfolgerung? Das klingt irgendwie so nach Bauernweisheit ala “Bei Vollmond sind die Frauen fruchtbarer” Ich hoffe, Du verzeihst mir die Ironie 😉

  11. Kyra Anisimov schrieb am

    Danke für die Kommentare. Mir ist klar, dass ich den Artikel auch etwas polemisch geschrieben habe (sozial sehr inkompetent :)) und er natürlich nicht weit genug fasst. Aber er war auch nicht als eine soziologische Abhandlung über die Piratenpartei angelegt, sondern ich habe mal frei von der Leber weg geschrieben, was ich so in 5 Jahren mit den Piraten erfahren habe. Und zu Kungler, auch wenn dich manche nicht mögen, du hast sehr viel soziale Kompetenz wenn es um Vernetzung angeht. Denn den EQ müsste man ja auch noch weiter aufschlüsseln. Die paar Sätze von mir beschreiben es ganz bestimmt nicht umfassend. Ich kann z.B. jemandem zuhören der Kummer hat. Und ihm vielleicht sogar einen guten Rat geben. Dafür bin ich schlecht vernetzt, wenn man bedenkt, wie lange ich dabei bin. Da muss ich Kungler um Hilfe bitten. Ich kann nicht gut mit Kleinkindern umgehen, so lange sie noch nicht sprechen können, aber gib mir 10 Welpen, das ist okay 🙂

  12. Feststellung: Artikel in der Flaschenpost, die sich mit innerparteilichen Problemen bei den Piraten auseinandersetzen, erhalten viel Feedback. Demgegenüber haben Kommentare bei Artikeln, die sich mit Politik und sogar den Kernthemen der PP beschäftigen, eher geringes bis gar kein Feedback. Hätte man den Artikel von Kyra nicht mal kommentarlos so stehen lassen können? So wird wiederum genau die typische Schwachstelle der Piratenpartei erneut gefüttert: Die Piraten sind zu sehr mit sich selbst beschäftigt wie es immer wieder anklingt und aufs Neue bestätigt wird.

    • Gefion Thürmer schrieb am

      Vielleicht gibt es einfach ein paar Hürden, die wir dauerhaft nehmen müssen, bevor wir uns mit voller Kraft auf die wirklich wichtigen Themen konzentrieren können. Mir ist lieber, wir führen diese Diskussionen jetzt, als im Bundestagswahlkampf erst damit anzufangen …

      • Kyra Anisimov schrieb am

        Hallo Gefion,

        ich würde damit gerne einen Prozess, eine Entwicklung anstoßen. Und ich weiß es geht. Auch wenn man “nur” in eigenen Umfeld anfängt. Der Dicke Engel ist ein gutes Beispiel. Am Anfang musste man da heftig moderieren und es gab richtige Störer. Heute gibt es zwar auch Spaß, aber eben auch Diskussionen auf guten Niveau. Das habe nicht ich gemacht, sonder die Gruppe die sich da gebildet hat. Und ich denke, die tragen es auch weiter. Es muss sich von unten nach oben was ändern. Und das kann jeder. Vor der Wahl wäre ein schönes Ziel. Und nein, ich will nicht nur kuscheln. Darum geht es nicht. sozialverträglicher Umgang ist lernbar, in Gruppen. Ohne Zeigefinger und “Erziehung”. Es passiert von selber wenn man etwas achtsam ist. Der Engel läuft heute auch ganz ohne Moderation gut. Das ist ein kleiner Erfolg. Wir haben da alle gelernt. Ohne es wirklich zu merken ;)…allen voran ich selber. Denn ich habe schnell kapiert, dass Härte z.B. nichts bringt. Konsequenz schon. Aber eben auch keine Verbannung. Der DE hat mir viel beigebracht.

  13. Blaubär schrieb am

    Einfühlen ist bei rein schriftlicher Kommunikation mit Menschen, die man nicht persönlich kennt ist immer schwierig. Es würde schon reichen, wenn wenigstens jeder ernsthaft versuchen würde, die Argumente des Anderen zu verstehen und dann auch mit Argumenten zu antworten. Leider wird das ohne Moderation – oder besser Schiedsrichter, der auch gelbe und rote Karten verteilen kann – vermtlich nicht gehen. Wenn es in AGs besser klappt, kann das auch daran liegen, dass da tatsächlich irgend ein Ergebnis der Diskussion angestrebt wird. Vielleicht sollten wir versuchen, das außerhalb der AGs zu verbreiten. Ich hoffe, dass bei solchen Diskussionen dann auch mehr sachorientierte Teilnehmer dabei wären.

  14. Herr_Samsa schrieb am

    Finde den Artikel treffend (Flausch an Kyra) und wie es hier in den Kommentaren so ausschaut, hat er ja doch sein Ziel erfüllt und einige zum Nachdenken gebracht. Das ist ein Anfang.

    Die erste Stufe, DASS wir miteinander reden, haben wir in der Vergangenheit gemeistert. Jetzt müssen wir aber die zweite, WIE wir miteinander reden, erklimmen. Immer schön besonnen bleiben 😉

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