Die Planke #001 – LiquidFeedback

In der ersten Sendung der Planke sprach Thomas mit Julian als Befürworter mit Justus als Gegner über innerparteiliche Meinungsbildung im Allgemeinen und LiquidFeedback im Speziellen.

 

Download | Open Player in New Window

Links zur Sendung:


Kommentare

6 Kommentare zu Die Planke #001 – LiquidFeedback

  1. Stefan Dirnstorfer schrieb am

    Kann mir jemand sagen, an welcher Stelle der Liquidizer erwähnt wird? Ich halte diesen besserwisserischen und aggressiven Tonfall eines der Diskussionsteilnehmer nicht für eine Stunde durch.

  2. Thomas schrieb am

    Hallo Stefan,

    der Liquidizer wird leider nur am Rande als Alternative und der Vollständigkeit halber erwähnt. In diesem Talk ging es grundsätzlich um Liquid Feedback.

    Grüße, Thomas

  3. Thilo schrieb am

    Hm, schade, dass Julian so unsicher argumentiert hat. Ich denke, dass er auf die Kritikpunkte von Justus hätte besser eingehen können. Da dieser aber aufgrund seiner deutlich sicher wirkenden Art und Weise zu reden in dem Interview überzeugend wirkt, sind viele Probleme im Raum stehen geblieben, die mit wenigen Worten hätten beigelegt werden können.

    Einige Punkte, die mir nach dem Gespräch auf anhieb hängen geblieben sind:

    Zu den “Problemen” der Delegierten, die Justus anführt, kann ich beispielsweise diesen Blog-Artikel empfehlen. Es ist eben der kleine Unterschied, dass hier transparent wird, wie die Abstimmung erfolgt. Unterschiede zwischen Abstimmungen und LiquidFeedback werden natürlich auch mit dem Unterschied der Teilnehmer begründbar und Informationen, die in der Antragsentwicklung nicht, jedoch auf einem Parteitag verfügbar sein können. Dies ist jedoch nicht als Kritik an einem System nützlich, da dies auch umgekehrt der Fall sein kann und beiden Fällen nur zum Aufruf zur Partizipation dienen sollte.

    Die Anonymität, die LiquidFeedback angeblich nicht bietet und zur Gefährdung der Privatsphäre führen soll, wurde ebenso wenig sachlich betrachtet. Natürlich ist es mir möglich, ein Pseudonym zu wählen, dass für niemanden erkennbar ist. Es liegt wiederum an den Betreibern des Systems, Invite-Codes so zu speichern, dass es einzelpersonen nicht möglich ist, dem Pseudonym, dem eigentlichen Nutzer zuzuordnen. Dies lässt sich praktisch ermöglichen, indem man beispielsweise Invite-Codes splittet und grundsätzlich offline verwaltet. Die Wahrscheinlichkeit einer digitalen Identifizierung sinkt damit enorm und gerade die Argumentation der Offenbarung z.B. gegenüber dem privaten Umfeld oder dem Arbeitgebern wäre damit praktisch nahezu unmöglich. Selbstverständlich ist ein 100%er Schutz der Identifikation nicht geboten, da es nicht natürlich um eine technische Realisierung handelt, aber ich will behaupten, dass der Aufwand so groß ist, dass die Wahrscheinlichkeit auf einem Parteitag identifiziert zu werden größer ist. Arbeitgeber oder andere müssten dazu mehrere, räumlich wahrscheinlich weit entfernte, technisch und aus Aspekten der Datensicherheit und des Datenschutzes gut geschützte Mechanismen und Menschen zu manipulieren (und das, wenn die Prozesse hinreichend transparent sind, unter unseren Augen). Die Transparenz des Systems LiquidFeedback bedeutet nun, dass man insbesondere Manipulationen an der Datenbasis, insbesondere auch der eigenen Stimme erkennen kann. Dies heißt nicht, dass hierfür die Identität der Teilnehmer ermittelt wird. Die Integrität des Systems ist Voraussetzung für diesen transparenten Kontrollprozess.

    Möchte man sich nun jedoch delegieren lassen und anderen vertreten, ist es natürlich erforderlich jemandem seine Identität zu verraten. Dies ist auch sachdienlich und entspricht den Grundsätzen der Piraterie. Man findet sie prominent platziert in unserem Grundsatzprogramm. Wer jemanden Vertritt, sei es nun der Vorstand in einem Verband, ein Parlamentarier oder sonst ein gewählter, sollte seine politischen Handlungen offenen legen. Wer sich für diese Seite des Tisches entscheidet, sollte, genauso wir es von der Politik heute fordern, die Karten auf den Tisch legen. Ist eine geheime Abstimmung durch diese Personen jedoch unbedingt erforderlich, kann man immer noch beispielsweise auf einen Landesparteitag ausweichen.

    Nicht vergessen sollte man beispielsweise in einem Amt, dass man nach wie vor die Möglichkeit hat, unter Berufung unsere demokratischen Grundsätze, wie die geheime Wahl, sich gegen eine Umfrage in LiquidFeedback stellen. Dies würde mit Sicherheit auch durch eine Mehrheit der Piraten/Bürger akzeptiert und für sinnvoll erachtet. Es ist eben doch nur eine Meinungsumfrage, auch wenn auf dem Knopf “Jetzt abstimmen” steht.

    Im krassesten Fall des Diskurses muss man eingestehen, dass man hier verschiedener Meinung ist und dies durch eine Abstimmung bewerten. Dies ist bereits auf einem Parteitag passiert und wurde durch die Piraten mit enormer Mehrheit zugunsten von LiquidFeedback entschieden.

    Weiterer Punkt: Dass das Entwickler-Team hingeschmissen hat, hat konkrete Hintergründe. Nachdem der Bundesvorstand beschlossen hat, das System so zu verändern, dass die Integrität des Systems gefährdet wird (Namenshistorie soll nicht mehr nachvollziehbar sein). Nicht nur der Kontrollprozess ist somit eingeschränkt, es kann auch passieren, dass ein Delegierter heute “Angela” und morgen “Frank-Walter” heißt. Die Entwickler sind für die Funktionstüchtigkeit des Systems verantwortlich, die hier per politischem Beschluss potentiell beschädigt wurde.

    Technische Aspekte sind meiner Ansicht nach lösbar und brauchen eventuell auch eine kleine Förderungsspritze in finanzieller Form für das Entwickler-Team. Dazu muss das System sich als solches jedoch auch etablieren können. So etwas wächst eben nicht wie eine Frucht am Baum und ist innerhalb einiger Monate reif. Deswegen finde ich es um so wichtiger, hier an der Sache zu bleiben und es besser zu machen, wenn man Probleme in Detailfragen findet. Es wäre reichlich dumm von uns, wenn wir uns der Möglichkeiten aufgrund solcher Kleinigkeit und persönlichen Differenzen verschließen.

    Änderungswünsche an LiquidFeedback können übrigens in LiquidFeedback selbst eingebracht werden. Ich halte es nicht für sinnvoll hier zu behaupten, dass die persönliche Konfrontation mit den Entwicklern als produktiv erachtet werden kann. Auch hier ist ein demokratischer Weg möglich. An dieser Stelle gescheitert zu sein, wirkt auf mich wie gekränkte Eitelkeit. Ich schließe mich an, dass hier Kritik an der Persönlichkeit der Entwickler oder der Befürworter, keine Kritik an dem System sein darf. Ich teile den Eindruck nicht, dass das Entwickler-Team uneinsichtig oder gar “arrogant” wäre. Ich habe vielmehr den Eindruck, dass diese Leute gute Gründe und andere Ansicht haben, auf die sie mit Recht bestehen dürfen.

    Dass die Anzahl der aktiven Teilnehmenden relativ gering ist, ist Sinn der Liquid Democracy. Es hat eben nicht jeder Zeit, jeden Tag sich mit allen Anträgen zu befassen. Der kleine Unterschied: wenn er das möchte, kann er das aber und selbst wenn er das nicht möchte, hat er die Chance, dies durch einen Vertrauen zu beeinflussen. Dass nicht alle Mitmachen >müssenkönnen<, ist sozusagen auch irgendwo Ziel der Sache ; )

    Schließlich Stand mehrfach im Raum, dass LiquidFeedback ein “undefiniertes Problem” lösen solle. In der Tat sind viele Piraten sehr unzufrieden mit den Entscheidungen in verschiedenen Gremien. Ob das jetzt ein Vorstand ist oder der Verlauf eines Parteitages, sei dahingestellt. Sei es aufgrund der Entscheidung als solche oder aber auch dem fehlenden Einfluss aufgrund von terminlichen Problemen oder anderen Gründen. Es kann eben beispielsweise auch nicht jeder zu einem Parteitag fahren und dort partizipieren, weil es zu teuer ist. Der Sinn von LiquidFeedback ist übrigens auch, einem Antragssteller die Möglichkeit zu geben, seine Anträge zu verbessern. Das macht dieses System insbesondere durch seine Trollresistenz sehr gut. Sicherlich ist es nicht perfekt, aber derjenige, der uns das perfekte System liefert, ist noch nicht geboren worden. Ein Antragssteller kann also vor ein Gremium treten und kann davon ausgehen, dass sein Antrag verbessert wurde oder weiß, dass er keinen Rückhalt hat. Gerade, wenn eine Abstimmung knapp ausfällt, weiß dieser auch, dass seine Ansicht umstritten ist. Wesentlich dabei ist, dass man ein belastbares Ergebnis hat, mit dem man umgehen kann und an dem möglichst jeder Pirat partizipieren konnte. Dies liefern Foren und Mailinglisten oder Piraten-Pads nicht. Auf dem Parteitag hat wiederum jedermann die Möglichkeit, diese Ergebnisse für sich zu bewerten, was offensichtlich auch so geschehen ist und weitere Gegenargumente von Justus entkräftet.

    Es grüßt Thilo

  4. yoo schrieb am

    Gute Sendung!

    Als neuer Pirat ist es nicht einfach den Überblick zu erlangen. Hätten wir ein BasDeM währe dies auch viel einfacher! Eine sachbezogene Darstellung aller Pro und Kontras währe ein Traum, dazu noch eine “positive” Diskosiunskultur, welche wohl auch durch “experten” Gewichtung im BasDeM wachsen würde.

    Zum Thema LiquidFeedback. Kritik, wie die von Justus ernst nehmen, und weiter entwickeln! BasDeM ist für mich eindeutig ungleich LiquidFeedback.

    Ich denke BasDeM wird aber aktuell noch stärker benötigt als LiquidFeedback. Meinungen auf der Grundlage des bestmöglichen Wissen zu entwickeln, kommt eindeutig vor Meinungsumfragen.

    Zusätzlich ermöglicht es auch eine “Liquid Lobby” arbeit. Sprich transparente Einbringung ganzer Meinungen von NGOs etc. Nicht alles muss die PP neu erfinden…

    Grüße, yoo

Schreibe einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht öffentlich angezeigt. Verbindlich einzugebende Felder werden mit diesem Zeichen kenntlich gemacht: *

Weitere Informationen

Archiv aller Artikel

  • Feinstaubsensoren
  • SH-STOPPT-CETA