Piraten in Tunesien verhaftet

Die Piratenpartei Tunesien, die das am 18.12. von der tunesischen Regierung erlassene Verbot der Berichterstattung über Menschenrechtsverletzungen gebrochen hatte, sieht sich nun politischen und polizeilichen Repressalien von eben dieser undemokratischen und korrupten Regierung.

Im Rahmen der letzten Aktionen hatten die Mitglieder Informationen über die Polizei und Videos, wie junge Zivilisten von Polizisten getötet wurden, sowie über Selbstmorde in Verbindung mit Unterdrückung und Armut während der Aufstände in den Städten Sidi Bouzid, Siliana und Thala veröffentlicht. Außerdem verteilte die Partei an Schulen und Universitäten USB-Sticks und CDROMs mit TOR Software zur Umgehung der staatlichen Internetzensur und zum Schutz der Internetnutzer vor Eingriffen durch die tunesische Onlinepolizei.

Gestern, am 6.1., wurden drei Mitglieder der tunesischen Piratenpartei: Slah Eddin Kchouk (Le Loup), Azyz Ammami (Azyoz GM) und Slim Ammamou (Slim404) von der tunesischen Polizei entführt. Es gab keinen Haftbefehl, nicht einmal die Familien wissen, wo die drei jungen Menschen derzeit festgehalten werden. Ihre Computer wurden von der Polizei beschlagnahmt. Alle drei haben Universitätsabschlüsse und waren nicht in illegale Aktivitäten verwickelt.

Tunesien ist bekannt für das undemokratische und korrupte Regime unter Präsident Zine el-Abidine Ben Ali, der seit einem Putsch vor 23 Jahren das Land regiert. In Tunesien sind Folter vor und während der Haft Gang und Gäbe, wie das rote Kreuz, Amnesty International, Human Rights Watch und andere Vereinigungen berichteten und dokumentierten.

Die Piratenpartei Tunesien verurteilt die Diktatur von Ben Ali und wird alles unternehmen um ihre Mitglieder zu befreien. Sollten sie Folter oder anderer menschenunwürdiger Behandlung ausgesetzt werden, werden sie sich an internationale Gerichte wenden.

Außer den drei Piraten wurden unter den gleichen Umständen weitere junge Tunesier festgenommen, unter anderem Blogger und Internetaktivist Hammadi Kaloucha sowie Sänger und Aktivist Ben Aoun. Die Piratenpartei Tunesien bittet die internationale Gemeinschaft um Hilfe, um zur Freilassung der Inhaftierten Druck auf die tunesische Regierung auszuüben.

Quelle: http://www.facebook.com/note.php?note_id=184949728200130

Ein Interview mit dem verhafteten Aktivisten der Piratenpartei Slim Amamou als MP3 gibt es hier

About Gefion Thürmer

Gefion Thuermer war von 2009-2014 Chefredakteurin der Flaschenpost. Sie hat die Piratenpartei, und mit ihr die Flaschenpost-Redaktion, 2014 verlassen.


Kommentare

4 Kommentare zu Piraten in Tunesien verhaftet

  1. Michael Renner schrieb am

    will man Websperren umgehen, lohnt es in Ländern wie Tunesien diese Massnahme zu verschleiern. Der in der iX im März 2010 veröffentliche Artikel “SSL/TLS für den unbeschränkten Netzzugang nutzen” beschreibt wie es geht: In der ‘freien’ Welt einen Apache als Proxy aufsetzen und SSL einschalten. Via eines gesetzten Headers greift der Anwender im Zensurstaat auf den Proxy zu. Wer den Header nicht setzt (weil er beispielsweise von dessen Existenz nichts weiss) bekommt nur harmlose Seiten zu sehen. Der Zensor, der per “Deep Packet Inspection” die Netzwerkpakete mitschreibt, sieht nur verschlüsselte Daten. Anders als Tor oder die Verwendung eines ‘unverschlüsselten’ Proxy fällt dieser Umgehungstrick nicht auf!

  2. Pingback: free tunisia! «

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