Freiwilligkeit mit etwas Zwang

Im Fall des vermissten zehnjährigen Mirco aus Viersen-Grefrath fahndet die Polizei bundesweit nach einem VW Passat Kombi. Die Ermittler gehen davon aus, dass der mutmaßliche Täter mit einem VW Passat Kombi B6 aus den Baujahren 2005 bis 2010 unterwegs war. Nun ist die Polizei dazu übergegangen einen Massen-Gentests durchzuführen, um alle Halter dieser Fahrzeuge im Raum Viersen-Grefrath zu überprüfen. Wenigstens wurde in diesem Fall der Täterkreis überhaupt ansatzweise konkret eingegrenzt. Die Maßnahme sei absolut freiwillig. Wer sie verweigere, mache sich deswegen noch nicht verdächtig. Sagt die Polizei.

Die Wirklichkeit dürfte ganz anders aussehen. Sinn solcher Veranstaltungen ist es den Täter entweder durch die Abgabe der DNA zu überführen, oder ihn aufzuschrecken damit er sich selbst stellt oder sonstwie auffällig wird. Somit wird jeder der sich verweigert für die Polizei noch richtig verdächtig, und rückt somit in den Fokus erneuter Ermittlungen.  Erst einmal sind alle Passatfahrer verdächtig. Mit der Mitwirkung an einem angeblich freiwilligen DNA-Test kann der Kreis der Verdächtigen eingegrenzt werden. Man kauft sich als Unschuldiger quasi frei, um der sozialen Isolation zu entgehen. Die Unschuldsvermutung wird umgedreht. Das ist die Dynamik hinter solchen Massentests.  Bislang hat lediglich ein Autobesitzer die Abgabe einer Speichelprobe für eine DNA-Untersuchung verweigert. Es handelt sich um einen Bürger aus dem Osten Deutschlands, der seine Ablehnung damit begründet, mit der Stasi schlechte Erfahrungen gemacht zu haben. Die alleinige Tatsache das jemand sein Recht wahrnimmt ist noch kein Beweis für seine Schuld. Die Medien wittern aber schon wieder fette Beute.

Leute die keinen Grund sehen, in völliger Verkehrung rechtsstaatlicher Grundsätze ihre Unschuld zu beweisen, werden somit immer als Verdächtige gebrandmarkt und sozial isoliert. Der vermeintlich verdächtige Verweigerer wird nun mit Sicherheit komplett durchleuchtet, und das Privatleben untersucht. Gibt es auch nur den Hauch einer Möglichkeit dem Verweigerer kein lückenloses Alibi zu bescheinigen, wird die DNA-Probe von einem Richter angeordnet werden. Freiwilligkeit ist hier nur oberflächlich vorhanden.  Der Hinweis der Polizei “nur einer hat sich geweigert”, soll wohl auch einen gewissen Druck aufbauen.

Ob Massen-Gentests sinnvoll sind und wirklich so ein gutes Instrument ist, wie die Polizei gerne behauptet, sei mal dahingestellt. Der Gentest selbst sagt nichts darüber aus, wie eine Spur des mutmaßlichen Täters auf das Opfer kommt oder umgekehrt. Dient der Gentest nur dazu, eine bereits erfolgte Ermittlung zu untermauern, ist das ok. Ein naiver Glaube in die Unfehlbarkeit dieser Test ist allerdings sehr gefährlich.

So grausam wie diese Tat auch ist, und hoffentlich wird dieser Täter auch bald gefasst, aber so eine Beweislastumkehr, wo sich der, der nur von seinen Rechten Gebrauch macht schon fast als Verdächtiger gilt, darf es nicht geben. Leute, die behaupten, dass der Zweck grundsätzlich die Mittel heilige, sind die Totengräber des Rechtsstaats.


Schreibe einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht öffentlich angezeigt. Verbindlich einzugebende Felder werden mit diesem Zeichen kenntlich gemacht: *

Weitere Informationen

Archiv aller Artikel

  • Feinstaubsensoren
  • SH-STOPPT-CETA