Lieber gläsern als hölzern: Ein Gedanke zum Artikel “Putsch im Glashaus” der Süddeutschen Zeitung

Jetzt ist also auch die öffentliche Presse darauf gestoßen, dass auch bei der Piratenpartei nicht immer alles eitel Sonnenschein ist und auch unser Bundesvorstand aus Menschen besteht, die nicht immer auf Harmonie programmiert sind.

Die Frage an dieser Stelle ist meiner Meinung nach nicht, ob der Vorsitzende des Bundesvorstandes nun personell zu hinterfragen wäre, ob es innerhalb des Bundesvorstandes Unstimmigkeiten gibt oder hier gegeneinander statt ganzheitlich miteinander gearbeitet wird. Die Frage sollte lauten, warum es als irritierend empfunden wird, dass die etablierten Piraten damit nicht hinter verschlossenen Türen mauscheln, wie es seitens der großen Parteien der Fall ist. Die bewusst so konzipierte Transparenz der Piraten-Bundesvorstandssitzungen hat trotz aller Irritationen vor allem ein Alleinstellungsmerkmal: Man schämt sich nicht Mensch zu sein. Auch vor innerparteilichen Konflikten wird nicht öffentlich zurückgescheut, Transparenz ist auch hier oberstes Gebot. Es ist fraglich, ob sich bspw. die CDU/CSU derart offen und direkt mit ihren Bundesvorstandssitzungen präsentieren würde.

Die Basis der Piraten, die zu diesem Thema ganz bewusst Stellung beziehen kann, ist somit auch direkt an einer Meinungsbildung zu verschiedenen Problemen beteiligt. Dies ergibt ein sehr unmittelbares Feedback an den Vorstand.

Um es direkt zu sagen: Die Schlammschlacht ist Müll. Das Thema sollte schon sachlich diskutiert werden. Würde die Energie in eine Konzeption der politischen Ausgestaltung der Partei gesteckt werden, wäre sie sicherlich besser genutzt. Was der Bundesvorstand aktuell für Probleme miteinander hat, sollte erst einmal nur bedingt unsere Baustelle sein. Wir haben an anderer Stelle viel größere Aufgaben zu bewältigen. All diese Informationen zur aktuellen Lage sind nur deshalb erhältlich, weil unter dem Grundsatz der transparenten Arbeit nichts hinter verschlossenen Türen besprochen wird.

Inhaltlich ist diese Auseinandersetzung nicht schön anzusehen und vor allem auch nicht der Sache dienlich. Da Demokratie auch Interessenausgleich bedeutet, ist es kein Novum, dass in Parteien Auseinandersetzungen zwischen gegensätzlichen Meinungen vorkommen. Man kann von der aktuellen Situation halten, was man will, aber angesichts der Tatsache, dass hier offen und ohne Heimlichkeiten agiert und eine ehrliche Rückmeldung an die Parteimitglieder gegeben wird, ist die Piratenpartei in diesem Punkt den etablierten Parteien um Jahre voraus.

Gläserne Bundesvorstandsarbeit ist hölzerner Hinterzimmerpolitik grundsätzlich vorzuziehen.


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