Mittelfristig kommen wir nicht darum herum, unsere Energieversorgung vom Öl abzukoppeln

Harald Martenstein schreibt eine Kolumne, der keiner widersprechen kann

Deutschland hat bei der Weltmeisterschaft schönen Fußball gespielt. Die Voraussage, Südafrika sei der Organisation einer solchen Veranstaltung nicht gewachsen, war falsch. Es ist lustig, dass ein Tintenfisch alle Spielergebnisse, nach denen er gefragt wurde, richtig voraussagen konnte. Der lange Schatten des Dopingverdachts wird vom Profiradsport sobald nicht weichen. Ob der Bildungsföderalismus noch zeitgemäß ist, darüber sollte man zumindest einmal diskutieren. Wir dürfen uns nicht damit abfinden, dass es in Deutschland so viele oder immer mehr Kinder ohne einen qualifizierten Schulabschluss gibt.

Auch für Jörg Kachelmann gilt die Unschuldsvermutung.

Christian Wulff verdient eine faire Chance, womöglich wird er ein sehr guter Bundespräsident. Angela Merkel muss aus der Deckung heraus, sie muss zeigen, wofür sie steht. Und wogegen. Israel muss damit aufhören, jede Kritik, auch die Kritik bewährter Freunde, reflexartig abzublocken, das ist nicht klug. In einer Koalition gibt es immer Konflikte, aber es muss auch einen Vorrat an Gemeinsamkeiten geben, die nicht ständig hinterfragt werden. Mittelfristig kommen wir nicht darum herum, unsere Energieversorgung vom Öl abzukoppeln. Migranten sollten das Gefühl vermittelt bekommen, in unserer Gesellschaft willkommen zu sein, nur dann wächst ihre Bereitschaft, sich zu integrieren. Wir dürfen verlangen, dass unsere Gesetze und unser Grundgesetz respektiert werden, das ist das Mindeste.

Denkverbote darf es nicht geben.

Wenn in einer Partnerschaft eine Seite immer nur gibt und die andere Seite gibt nie etwas, dann kann es nicht gut gehen. Man muss den anderen oder die andere so nehmen, wie er oder sie ist, jeder Mensch hat auch Defizite. Abzunehmen bringt nur etwas, wenn man seine Ernährung langfristig und grundsätzlich ändert, sonst stellt sich der Jo-Jo-Effekt ein. Sich regelmäßig zu bewegen und maßvoll Sport zu treiben, hat noch niemandem geschadet. Die Wissenschaft kann sich auch irren. Dass Frauen für dieselbe Arbeit immer noch weniger bekommen als Männer, ist ungerecht.

Wer das Schreiben zum Beruf machen möchte, sollte zuerst einmal viel lesen. Wir haben nur eine Erde, wenn sie kaputt ist, bekommen wir keine neue. Wer mit so hohen Erwartungen ins Amt gestartet ist wie Barack Obama, kann diese Erwartungen unmöglich einlösen.

Die Rolling Stones sind, egal, wie man ihre Musik findet, schon ein bemerkenswertes Phänomen. Aussterben wird die deutsche Sprache in absehbarer Zeit nicht, aber ihre Bedeutung schwindet. Der Boom der Castingshows im Fernsehen wird auch irgendwann vorbei sein. Das mit der Lena hat der Stefan Raab richtig, richtig gut gemacht. Die Trennung zwischen »E-Kultur« und »U-Kultur« ist willkürlich, in Wahrheit sind die Grenzen fließend. Die Deutschen sind lockerer und entspannter als früher. Wenn wir weiter hemmungslos Schulden machen, bricht die Weltwirtschaft möglicherweise zusammen. Immobilien sind auch keine hundertprozentig sichere Anlage. Zu viel Sicherheitsdenken ist unsexy. Wenn man Tierversuche ablehnt, aber Fleisch vom ganz normalen Schlachthof isst, dann verhält man sich widersprüchlich.

Einmal, ein einziges Mal, wollte ich eine Kolumne verfassen, der jeder Deutsche (und jede Deutsche) zustimmen kann. Alle Redakteure, alle Intendanten und alle Verleger, die jetzt in Urlaub fahren und während dieser Zeit garantiert keinen Ärger mit niemandem haben möchten, dürfen, nach Absprache mit der ZEIT, diesen Text nachdrucken oder senden, gerne auch täglich oder stündlich. Ich erwarte kein Lob. Nur Respekt.

Nachdruck mit freundlicher Genehmigung der ZEIT. Alle Rechte verbleiben beim Urheber.

About Michael Renner

Meine Karriere als Redakteur bei der Piratenpartei startete 2009 beim Bundesnewsletter, aus dem 2010 die Flaschenpost hervor ging. Im Sommer 2012 wurde ich stellvertretender Chefredakteur, Anfang 2014 Chefredakteur. Da die unzähligen Aufgaben an der Spitze der Flaschenpost einen Vollzeitjob in der Freizeit mit sich bringen machte ich nach zwei guten, aber auch stressigen Jahren zwei Schritte zurück und gab die Redaktionsleitung ab. Die gewonnene Freizeit wird in die Familie und mein zweites grosses Hobby, den Amateurfunk, investiert.


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