Die AG Nuklearia stellt sich vor

AG Nuklearia | CC BY-SA 3.0 | Piratenpartei

Der Konflikt zwischen der Arbeitsgruppe “Nuklearia” und den “Anti-Atom-Piraten” hat in der Piratenpartei für viel Aufsehen gesorgt. Spätestens der Flyer der Nuklearia, für den der Verfasser zwischenzeitlich mit einer Abmahnung bedacht wurde, hat die “Pro-Atom-Piraten” bekannt gemacht. Doch was wollen “die” eigentlich? Wofür steht die Nuklearia tatsächlich,  wie unterscheidet sich ihre Position von der empfundenen Mehrheit der Piraten, und warum sind sie trotz allem so engagiert in der Piratenpartei? Was genau wollen die Anti-Atom-Piraten, wie stehen sie eigentlich zur Piratenpartei, und woher kommt dieser Konflikt? Die Flaschenpost bat beide Gruppen um eine Vorstellung, damit Piraten das tun können, was sie tun wollen: Den Dingen auf den Grund gehen und faktenbasierte Entscheidungen treffen.

Ein Gastartikel von Fabian Herrmann

Was ist die AG Nuklearia, warum hat sie sich gegründet – und was sind ihre Ziele?

“Das sind doch diese Atomlobbyisten…?!” “Sind das nicht so Physikstudenten?” “Also ich find die ganz in Ordnung!” “Das ist doch so eine winzige Minderheits-AG mit verrückten Ansichten!” “Ja, aber man kann ihnen doch mal zuhören, vor allem wenn sie wirklich eine Technologie zur Zerstörung von Atommüll kennen.” “Die schaden der Partei!” “Es spricht doch nichts dagegen, das Thema Kernenergie im Auge zu behalten – die anderen Länder steigen eh nicht aus.” “Also, wenn sie sich für Fusion stark machen würden, das fände ich prima, aber Spaltung ist so kontaminös.” “Man muss ihnen mit guten Argumenten begegnen…” “Ich hab mal im Mumble zugehört, die scheinen recht kompetent zu sein.” “Sie zeigen, dass die Piraten mehr sind als nur Grüne 2.0.”

All diese beziehungsweise ähnliche Meinungen habe ich schon gehört. Doch was stimmt wirklich?

Foto KKW Philippsburg

KKW Philippsburg | CC-BY-SA u1amo01

Ich war früher mal Kernenergiegegner (und noch etwas früher Internet-Gegner). Beileibe kein besonders aktiver Gegner, ich habe nie irgendwo demonstriert oder mit einem Scheinwerfer das dreigeflammte Radioaktivitätssysmbol auf eine Reaktorkuppel projiziert. Aber ich sagte: “Ich halte Kernenergie für eine schlechte Idee!” als ich mich – war es im zweiten oder dritten Semester? – mit einem Kommilitonen, der mir in diesem Punkt widersprach, während einer mäßig interessanten Vorlesung über dieses Thema unterhielt.

Ich skizzierte die Möglichkeit, dass Terroranschläge oder Flugzeugabstürze Kernkraftwerke zerstören könnten. Ich erwähnte, dass Uran in etwa ebenso rasch erschöpft sein werde, wie Erdöl. Dann unterhielten wir uns über etwas anderes.

Längere Zeit machte ich mir keine ausführlicheren Gedanken mehr dazu. Die Reaktoren von Fukushima-Daiichi überhitzten, schmolzen und sprengten ihre Containments durch Knallgasbildung. Ich las einige Artikel darüber, dass man Kernenergie anders gestalten könne: Ohne Risiko des Super-GAU, langlebige Abfälle und zeitliche Begrenztheit durch finite Vorräte hochwertiger Erze.

Als Diplomphysiker kenne ich den Unterschied zwischen physikalischem Prinzip und Technologie. Eine Technologie, die ein bestimmtes Prinzip nutzt, kann ungünstig gewählt sein. Dies sagt nichts über das Prinzip aus – oder über alternative Technologien.

Beim Genuss eines Eisbechers verfolgte ich auf Twitter eine Diskussion. “Wehe, du erzählst denen am Infostand, dass Kernenergie gut sei!” schrieb ein Pirat einem anderen. “Ich werde versuchen, es ausgewogen darzustellen”, antwortete dieser (Rainer Klute).

“Ob er so eine Art Pro-Atom-Pirat sei?” fragte ich Rainer. Ja, er stehe der Technologie nicht ablehnend gegenüber. Ich und einige andere hätten, erwiderte ich, kürzlich halb zum Spaß und halb im Ernst beschlossen, wenn es eine datenschutzkritische Spackeria gäbe, dann müsse es auch eine ausstiegskritische Nuklearia geben. “Butter bei die Fische!” Rainer und ich gründeten die AG, und legten als ersten Schritt eine Wikiseite an: Wir seien Piraten, erklärten wir dort, die den Ausstieg Deutschlands aus der Kernenergieerzeugung kritisch und diese als wichtige Komponente im zukünftigen Energiemix sähen.

Hätte man die folgenden Shitstürme in einen großen Windpark geleitet, wären zeitweilig mehrere Gigawatt erzeugt worden.

Aber nichtsdestotrotz wuchs die AG allmählich und verfeinerte ihr Profil. Wir ließen das “ausstiegskritisch” fallen: Wie die meisten Piraten wollen wir die deutschen Kernkraftwerke abschalten. Unserer Ansicht nach benötigen wir allerdings neue. Diese Position stellt innerhalb Deutschlands im Allgemeinen, der deutschen Politik im Besonderen und der Piratenpartei Deutschlands im Speziellen eine Minderheitsmeinung dar.

Sollten wir nicht “Politik für den Bürger” machen und Positionen vertreten, die die Mehrheit der Deutschen unterstützt?

Nein. Die Mehrheit der Deutschen stimmte zeitweilig den Thesen Thilo Sarrazins zu. Wenn die Medien, mit gewissen, in großer Schrift gedruckten Springer-Publikationen vorne weg, wieder einmal einen Kindesmissbrauchsfall zur makabren Unterhaltung missbrauchen, ist es nicht unwahrscheinlich, dass die Mehrheit die Wiedereinführung der Todesstrafe fordert.

Die Mehrheit hat eben nicht immer recht, weder sachlich noch moralisch, und das wissen alle Piraten: Viele Programmpunkte – der Atomausstieg hat es bislang nur in ein Positionspapier geschafft – widersprechen der Mehrheitsmeinung der Deutschen. Die Mehrheit würde bislang nicht der Grundsicherung als Teil der Infrastruktur, der freien Privatkopie oder einer Re-Evaluation des Betäubungsmittelgesetzes zustimmen. Dennoch vertreten die Piraten diese Standpunkte. Man kann auch in der Opposition Politik mitgestalten, oder aber hoffen, dass sich die Mehrheitsmeinung in Zukunft ändert.

Wir Nukleiden möchten insofern in der Art einer “Opposition in der Opposition” politisch aktiv sein. Wie begründen wir dieses Unterfangen?

Foto Strommast

CC-BY-SA u1amo01

Kernkraft hat viele Vorteile: Sie erzeugt zuverlässig klimaneutrale Energie, rund um die Uhr und mit sehr geringem Platzbedarf. Für energieaufwändige Industrieprozesse – u.a. Metallverarbeitung, elektrochemische Kraftstoffgewinnung, Plasmarecycling von Abfällen aller Art – sind kleine, dezentrale Kernreaktoren die Energiequelle der Wahl, sowohl für Elektrizität wie für Prozesswärme. Kernbrennstoffe stehen auf der Erde in so gut wie unbegrenzter Menge zur Verfügung, insbesondere sind die bereits vorhandenen, in herkömmlichen Kernkraftwerken bestrahlten Brennelemente keinesfalls verbraucht, sondern verfügen über noch fast ihren gesamten ursprünglichen Energiegehalt, der darauf wartet, freigesetzt zu werden: ähnlich wie Holzscheite, die nur an der Oberfläche angekohlt sind. Reaktoren der Vierten Generation wie Integral Fast Reactor oder Flüssigsalzreaktor und fortgeschrittene Brennstoffzyklen verwandeln den bisherigen Atommüll in eine starke Energiequelle für Jahrhunderte, wobei die langlebigen Aktinide, die viele aufgrund ihrer Jahrhunderttausende anhaltenden Radioaktivität als großes Problem der Kernenergieerzeugung ansehen, recycelt und gespalten werden, was die Dauer, für die der Abfall sicher eingelagert werden muss, auf wenige Jahrhunderte reduziert.

Über diese Technologien – Recycling von Reaktorabfällen – wird in Deutschland mit sehr wenigen Ausnahmen kaum berichtet. Es zeichnet sich leider mehr und mehr ab, dass Deutschland in Sachen Kerntechnik-Knowhow das wird, was Nordkorea in Sachen Computertechnik und Internet ist: ein Schwarzes Loch.

Im englischsprachigen Raum dagegen wird über Nuklearabfall-Recycling und Zerstörung langlebiger Transurane in Reaktoren der Vierten Generation in großem Umfang diskutiert. Viele frühere Kernkraftgegner sind angesichts solcher Möglichkeiten nun Pro-Atom-Umweltschützer. Man sieht, dass die AG Nuklearia im Grunde nirgends besser aufgehoben ist als in der Piratenpartei: Der freie Fluss der Information über moderne Kerntechnik soll auch durch Deutschland strömen, und wir betrachten es als eine wichtige Aufgabe für uns, die Schleusentore zumindest ein kleines Stück weit zu öffnen. Daher besteht ein wesentlicher Teil unserer Arbeit als AG darin, in der Art eines wissenschaftsjournalistischen Projektes Informationen zu sammeln und allgemeinverständlich aufzubereiten – im Internet aber auch in Live-Vorträgen, für die wir jederzeit gerne zur Verfügung stehen. Die Reaktionen sind äußerst unterschiedlich – sie reichen von wütender Ablehnung bis zu Begeisterung! Immer wieder treffen wir auf Piraten, aber auch Außenstehende, die uns gerne unterstützen möchten. Wir freuen uns über neue, engagierte AG-Mitglieder, weswegen jeder Interessierte herzlich zu unserem Nuklearia-Mumble (jeden Donnerstag 21 Uhr, Bund → Arbeitsgemeinschaften → Politik → AG Nuklearia) eingeladen ist, oder alternativ sich mit Fragen via Email an uns wenden kann. Alle Kontaktmöglichkeiten finden sich hier.

Bis zu einer Artikelserie im “Spiegel” über den Integral Fast Reactor, Flüssigsalzreaktoren oder anderen fortschrittlichen Kernenergiesystemen ist es noch ein weiter Weg. Aber mit unseren Nuklearia-Programmanträgen für den BPT 2012.2 sollte ein erster kleiner Schritt getan sein – hin zu einem Neuüberdenken des momentanen energiepolitschen Kurses Deutschlands. Hierzu ist es besonders wichtig, dass die Piratenpartei sich nicht programmatisch selbst Denkverbote auferlegt durch undifferenzierte Bausch-und-Bogen-Formulierungen im Grundsatzprogramm à la “Wir lehnen Energieerzeugung durch Kernspaltung ab” ohne dass näher spezifiziert wird, welche Art von Kernspaltung gemeint ist. Erstrebenswert erschiene uns ein Konzept im Stil der Green Party of Ontario, die plant, zunächst die Kohlekraftwerke – mit Abstand die schädlichste Energiequelle! – abzuschalten, anschließend die herkömmlichen Kernkraftwerke so bald wie praktikabel vom Netz zu nehmen und im gleichen Zuge die Entwicklung des Flüssigsalzreaktors als Kernenergiesystem der Zukunft zu unterstützen.

Alle Prozesse, mit denen wir unsere Lebenswelt gestalten (vermutlich sogar alle Prozesse im Universum) beruhen letztlich auf nicht mehr als drei Komponenten: Materie als Rohstoff, Energie zur Umformung des Rohstoffs und Information – bzw. Intelligenz als Produzent der Information – zur Steuerung der Umformung. Der letzte Punkt wird bereits sehr gut von der Piratenpartei mit ihren ursprünglichen Schwerpunkten abgedeckt. Mit den ersten beiden beschäftigt sie sich noch nicht so sehr. Hier findet die AG Nuklearia ihren Platz, insbesondere bezüglich des nuklearen Recyclings von Reaktorabfällen. Da es sich um eine in Deutschland kaum bekannte Option handelt, ist das durchaus ein Alleinstellungsmerkmal, und daher auch Kernpunkt unserer Programmanträge: In “Ausstieg aus der Stromerzeugung in herkömmlichen Kernkraftwerken” (PA121), der auf einem Positionspapier der AG Energiepolitik und einem Programmantrag für den BPT 2012.1 (P055) basiert, setzen wir uns für die vollständige Umstellung Deutschlands auf postfossile Energiequellen ein, wobei zur Untermauerung der Erneuerbaren Transmutationsreaktoren für den vorhandenen Atommüll entwickelt werden sollen. In dem Modulantrag “Entsorgung langlebigen, hochradioaktiven Abfalls aus bestrahlten Brennelementen in Deutschland” (PA115) gehen wir bezüglich der drei verschiedenen Entsorgungsmöglichkeiten ins Detail und stellen es zur Entscheidung, eine hiervon zu favorisieren. Wir machen uns natürlich für die dritte Option stark: Denn mehrhunderttausendjährige Einlagerung scheint uns wenig sinnvoll, Reduzierung der radioaktiven Lebensdauer auf 300 Jahre unter gewaltiger Energieproduktion dagegen sehr!

Meinen Widerwillen gegen das Internet hängte ich an den Nagel, nachdem ich mit der Technik in Kontakt gekommen war, und begann, sie im täglichen Leben zu nutzen. Das war zu Beginn der 2000er. In dieser Hinsicht war ich möglicherweise sogar fortschrittsskeptischer als viele heutige Piraten es damals waren: Die Piraten scheinen sogar der erste ernstzunehmende politische Schritt weg vom resignierenden Technikskeptizismus der Grünen in den 1980ern zu sein. Technischer Fortschritt wird bei ihnen wieder zum zentralen Thema: Dies bedeutet aber auch, dass keine Technologie – genauer gesagt: kein physikalisches Prinzip, das verschiedenen möglichen Technologien zugrunde liegt – aus prinzipiellen Gründen verteufelt werden sollte.

Die Menschheit als eine Tierart unter vielen anzusehen – als stur wachsende Lebensform, die sich vermehrt, bis sie eine vorgegebene ökologische Nische ausgefüllt hat – war eine Denkweise, die die Grünen in den Achtzigern prägten und die bis heute ein hohes Beharrungsvermögen hat. Wirft man jedoch die Vorurteile gegen die Nutzung der Kernenergie über Bord, dann kann die Menschheit nicht nur aus ihrer ursprünglichen ökologischen Nische ausbrechen, sondern sich auch völlig neue Lebensbereiche erschließen. Durch Einsatz von Kernkraftwerken – und in Zukunft sind das auch Fusionskraftwerke – können zehn Milliarden Menschen auf europäischem Niveau leben und sich auch weiterentwickeln: Der Traum vieler Piraten “Von der C-Base auf den Mars” braucht kein Traum zu bleiben. Wir werden wieder mit Überschall-Verkehrsflugzeugen fliegen. Wir werden Afrika und die anderen armen Regionen der Erde industrialisieren und den Menschen dort ein würdiges Dasein ermöglichen. Wir werden die kontrollierte thermonukleare Fusion beherrschen. Wir werden Mond, Mars, Asteroide und Gasriesenmonde bemannt erforschen, kolonisieren und industrialisieren. Es ist Zeit für Optimismus!


Kommentare

15 Kommentare zu Die AG Nuklearia stellt sich vor

  1. tauss schrieb am

    Wie bitte!?! “Empfundene” Mehrheit?? Es gibt klare Beschlüsse der Piratenpartei GEGEN die Nutzung der Kernkraft. Und mal ehrlich: Hat die Flaschenpost nichts Besseres zu tun, als Energielobbyisten aus der Steinzeit ein Forum zu geben? Der Atomstaat ist ein inakzeptabler Überwachungsstaat, wie man schon in den 70igern überzeugend bei Traube nachlesen konnte. Kernkraft ist intransparent, verweigert die Benennung ihrer wahren Kosten und ist als (“Rest”-)Risiko gesellschaftlich nicht tragbar. Nichts, aber auch gar nichts an ihrer Nutzung hat auch nur annähernd etwas mit den Grundsätzen der Piraten zu tun. Das an Dümmlichkeit nicht zu überbietende Geschwätz des Autors könnte in einigen Teilen ein Copy & Paste der IAEO sein, welche weltweit Atomkraft lobbyiert und das UNO-Monopol hat, Gesundheitsrisiken bis hin zu Tschernobyl-Folgen zu vertuschen. Die WHO darf sich dazu nicht äußern. Aber Atomkraft für alle Krisengebiete dieser Welt zu fordern und dies dann noch propagandistisch mit Raumfahrt und Internet zu verbinden würde aber noch nicht mal dieser ekligen steuerfinanzierten Atom-Monsterbehörde in Wien einfallen.

    • wulfen schrieb am

      Lass mich raten tauss…du hast nicht eine Zeile gelesen geschweige verstanden. “Kernkraft ist intransparent, verweigert die Benennung ihrer wahren Kosten und ist als (“Rest”-)Risiko gesellschaftlich nicht tragbar. Nichts, aber auch gar nichts an ihrer Nutzung hat auch nur annähernd etwas mit den Grundsätzen der Piraten zu tun.” Was du da schreibst ist einfach dumm. Jedenfalls bin ich einem Herrn oder Kernkraft nicht begegnet. Sie hat auch nichts verweigert. Genau so gut könntest du schreiben die Schwerkraft ist verbrecherisch weil sie nie gesagt hat das sie tödlich sein kann. Mit der Atomkraft ist es wie mit dem Messer- es kann tödlich sein, oder nützlich. Nuklearia versucht den nützlichen Weg der Atomkraft aufzuzeigen. Und wenn man sich damit beschäftigt statt dogmatisch wie ein pastowschler Hund zu jaulen sobald das Wort “Atom” ertönt wird man zumindest nachdenklich. Wird hier doch ein sicherer Weg aufgezeigt nicht nur Energieprobleme zu lösen, sondern die Restmüllagerung gleich mit.

    • Frank Kratzig schrieb am

      Ach Jörg, halt’s Maul. Wann verstehst du endlich, dass dich fast alle nur noch als verbitterten alten Mann wahrnehmen, den niemand mehr ernst nimmt? Lass die Piraten endlich in Ruhe. Und das sage ich als Nuklearia-Gegner…

  2. @tauss: Ah, der übliche Beißreflex!

    Wenn die Ideen der Nuklearia so doof sind, wo sind denn dann deine Alternativen zur Endlagerung abgebrannter Brennelemente? Oder hältst du die Endlagerung für alternativlos? Dann sage das doch bitte klar und deutlich!

    Ich verstehe jedenfalls nicht, warum der Vorschlag der Nuklearia, langlebigen Reaktormüll in kurzlebigen zu verwandeln, derartige Tiraden auslöst. Wir haben die Aussicht, die Radiotoxizität des Atommülls innerhalb von dreihundert Jahren auf 1 Promille zu drücken. Sollte das nicht Anlaß genug sein, sich die Sache wenigstens etwas näher anzusehen?

    Oder kann nicht sein, was nicht sein darf? Ist die Aufrechterhaltung des eigenen nichtnuklearen Weltbildes wirklich wichtiger als die Vernichtung des Atommülls? Sind wir es kommenden Generationen nicht schuldig, alle Möglichkeiten zu prüfen?

    Rainer Klute, AG Nuklearia

  3. TheBug schrieb am

    Das ist die gleiche Sülze, die Ihr seit über einem Jahr erzählt. Fragen die Euch dazu gestellt wurden werden einfach ausgeblendet, zuletzt wurdet Ihr im Mumble am 31.8. restlos zerlegt und hattet keine Antworten, nur jede Menge Traumgebilde.

    Das Problem des Atommülls wurde von einer ignoranten verlogenen Politik geschaffen. Genau den gleichen Politikansatz bietet Ihr jetzt als vermeintliche Lösung an. Ich habe keine Lösung für das Atommüllproblem, aber Ihr auch nicht, Ihr habt nur weitere Illusionen und Lügen.

    In Bochum schreiben wir die Ablehnung von Eurem Krempel ins Grundsatzprogramm.

    • Robert Schuldt schrieb am

      Hmm, ‘nur jede Menge Traumgebilde’, ‘ignoranten verlogenen Politik’, ‘den gleichen Politikansatz’, ‘ Illusionen und Lügen’… lass es raus, bitte – und dann geruhige dich.

      Ich lese in den Aussagen der AG und hier nix über politisches Massnahmen. Es soll noch nix gebaut werden, schon gar nix, was nicht zuende entwickelt, unter Sicherheitaspekten geprüft und nochmal geprüft wurde. Es geht vorerst lediglich um Forschung und Entwicklung, und um die Suche nach Lösungen. Nicht um die Implementierung.

      Auch wird hier nirgends vorgeschlagen den Atomausstiegausstiegausstieg wieder rückgegängig zu machen.

      Ich bin definitiv kein Fan von Energieerzeugung per Kernspaltung, aber ich finde, dass Deutschland (und der Rest der Welt) weiter an/nach Lösungen forschen sollten, die die Sicherheit, Beherrschbarkeit und Umweltverträglichkeit der Tecknik verbessern.

      Und wenn am Ende eine Technik rauskommt, in der man Gigawatts an Strom reinstecken müss um ein Kilo Atommüll sicher und strahlungfrei zu machen…. sei es drum.

      Zu einem guten Politikstil gehört die Suche nach besseren Lösungen – Schubladenkennen gehört nicht dazu.

      • TheBug schrieb am

        Lies mal die Anträge der AG und rede mal mit ihnen. Da sind schon sehr konkrete Vorstellungen über Flüssigsalzreaktoren und ähnliches, aber es fehlt jedes Risikobewusstsein.

  4. Francis-Drake schrieb am

    Zugegeben, der Artikel liest sich bestechend in seiner wissenschaftlichen Argumentation. Ist didaktisch hervorragend aufbereitet, er generiert sogar Sympathie für den Schreiber, für den ehemaligen Internetgegner, der, wie wir inzwischen alle lachend wissen, so im Unrecht war mit seiner Angst vor dem unbekannten Netz. Mit der gleichen Nonchalance wird uns die Wandlung vom Kernkraftgegner zum Atomenergiebefürworter verkauft, mit der subtilen Implikation, dass wir in wenigen Jahren ebenso lachend auf unsere völlig verstaubte und unangemessene Geisteshaltung zur Kernenergie zurückblicken werden.

    Es hat viele Unfälle mit Kernkraftanlagen gegeben. Die meisten sind vielleicht vergessen? Es sei noch mal an Sellafield, Harrisburg, Greifswald, Tokai und Tschernobyl, u.a. erinnert, bei denen Strahlung freigesetzt wurde.

    Was hatten alle Unfälle gemein? Die Arroganz und Ignoranz des technikverliebten Menschen, der meint, immer alles im Griff zu haben. Letztendlich hat die Schwachstelle Mensch mit seinen biologischen Unzulänglichkeiten (Müdigkeit, Gleichgültigkeit, Unaufmerksamkeit) begleitet von Einsparungen und Profitgier, zu jedem einzelnen dieser Unfälle geführt.

    Auch eine neue Vorgehensweise ändert daran nichts. Der Mensch hat sich nicht geändert und auch „nur“ 300 Jahre Strahlenbelastung darf kein Argument dafür sein, mit einem Risiko zu spielen, für das die Menschheit weder reif genug noch technisch weit genug entwickelt ist, den damit verbundenen Gefahren zu begegnen.

  5. charlymod schrieb am

    Das Problem bei einigen Kommentatoren liegt m.E. in dem eingeschränkten Wissen über techn. Vorgänge. Ich für mich weiß nichts, bin aber dem Neuen gegenüber aufgeschlossen und denke darüber nach bevor ich mich als techn. Nakedeichen outen würde.

    • Jürgen schrieb am

      Was die Nuklearia präsentiert ist nichts neues. Die Ideen sind in etwa so alt wie die Kernindustrie. Es ist bis heute nicht gelungen die mit dieser Technologie der schnellen Reaktoren verbundenen technischen Probleme und Risiken im Rahmen großtechnischer Lösungen in den Griff zu bekommen. Siehe dazu auch die Infos bei den AntiAtomPiraten und den weiterführenden Links, z.B. ab hier: http://www.anti-atom-piraten.de/2012/09/neue-atomreaktoren-die-erfolgsaussichten/

      Die Nuklearia blendet alle Probleme und Risiken systematisch aus. Übrig bleibt ein Bild einer heilen Welt der Atomkraft nach den Motiven des “Atoms for Peace” Programms von US-Präsident Eisenhower aus dem Jahre 1957. Die 60 Jahre alten Versprechen der Atomindustrie konnten und können nicht eingelöst werden.

      Atomkraft ist auch keine Lösung für das Klima-Problem. Durch Abwärme sowie CO2-Freisetzungen bei Bau sowie Ver- und Entsorgung liefert die Atomkraft keinen Beitrag zum Kampf gegen den Klimawandel. http://me.queensu.ca/People/Pearce/files/as15.pdf

      • Fabian schrieb am

        Nun, Haters gonna hate – aber zwei Sachen möchte ich doch mal richtigstellen:

        Die Aussage, dass man die IV. Generation der Kernkraft nicht an den Start bringen könne, ist ebenso kurzsichtig wie die Behauptung aus den 1960ern, Computer würden nie kleiner als Kleiderschränke sein. Siehe dazu meinen Artikel: http://nuklearia.de/2012/10/21/warum-gibt-es-das-noch-nicht-geschwindigkeit-technologischen-fortschritts/

        Dass Kernkraft nicht zum Klimaschutz beitrüge aufgrund von CO2-Emission beim Bau und Freisetzung von Abwärme im Betrieb ist im 1. Fall wirtschaftlich und im 2. physikalisch falsch. Im Wiki haben wir gehen wir näher darauf ein: http://wiki.piratenpartei.de/AG_Nuklearia/Geringe_CO2-Emissionen Vergleiche auch meinen Artikel: http://nuklearia.de/2012/09/21/kurz-und-knapp-17-pro-atom-argumente/ 17 Pro-Atom-Argumente.

        Egal welche Position man zur Kernkraft einnimmt, die Argumente müssen wissenschaftlich stimmig und durchgecheckt sein. Die Behauptung, Kernkraft wäre nicht klimafreundlich, ist es nicht. Es handelt sich sogar um die stärkste CO2-arme Energiequelle, und damit um die wirksamste Waffe in Sachen Klimaschutz. Deutschland gedenkt dieses Mittel über Bord zu werfen – sehr unklug nach Meinung vieler ausländischer Umweltschützer: http://www.monbiot.com/2011/08/08/the-moral-case-for-nuclear-power/ George Monbiot: The Moral Case for Nuclear Power

        • Haters gonna hate

          Lieber Fabian, bitte lasse doch diese Beleidigungen weg. Ich hasse Dich nicht. Ich halte die Schlussfolgerungen wie auch das Vorgehen eurer Gruppe technisch wie moralisch für Falsch.

          Ich sage in obigem Statement auch nicht, dass es nicht möglich ist, die von euch wechselweise propagierten Anlagentypen zu errichten. Die großtechnischen Probleme sind aber seit den 50er, 60er Jahren ungelöst. Auch die Versprechen der 60er Jahre zur aktuellen Atomenergie wurden nicht eingelöst. Eure Versprechen sind weitgehend deckungsgleich. Zweifel ist da imho duchaus angebracht.

          Auch Dein Vergleich mit den Computern hinkt. Es war die Industrie, die diese Dinge entwickelt hat, weil sie erfolgversprechend waren. Die Industrie verabscheidet sich aber von der Atomkraft, weil sie ohne staatliche Förderung für die Unternehmen eben nicht erfolgversprechend ist.

          Im Moment haben wir es nicht einmal im Griff, bei bekannten Reaktortypen die Zeit- und Kostenzeiele von Neubauten einzuhalten. Diese werden regelmäßig deutlich überzogen. Auch der Betrieb der Altanlagen ist oft nicht kostendeckend. http://www.anti-atom-piraten.de/2012/04/entwicklung-des-strompreises/

          Interessant finde ich Deinen letzten Link. Dort rechnet ihr vor, dass auch eine 100% Atomkraftbasierte Energiegewinnung einen erheblichen Beitrag zur Erderwärmung beiträgt. Dabei ist der Treibhauseffekt von Wasserdampf (aus der Kühlung der Anlagen) sowie die Emissionen bis zum Erreichen dieses Status nicht mit berücksichtigt.

          Unterm Strich bleibt der Mensch das kritische Glied in allem, was der Mensch schafft und tut. Lasst uns Dinge tun, die gut und richtig sind und die im Falle eines Fehlers oder Mißbrauchs keine all zu schlimmen Auswirkungen haben können. Atomkraft kann dieser Direktive nicht Folge leisten.

  6. Stephan schrieb am

    Ich freue mich außerordentlich endlich mal eine aufgeschlossene, vorwärts gewandte Sicht auf die Kernenergie bei einer deutschen Partei zu finden, eine die sich auf Fakten und Möglichkeiten konzentriert und nicht der blinden, zeitweise fast hysterischen Panikmache unserer etablierten Politiker und Massenmedien zum Opfer fällt. Natürlich sind 20, 30 Jahre alte Uranreaktoren veraltet und bewiesenermaßen gefährlich. Aber diese Tatsache darf nicht der grundsätzlichen Nutzung neuer Technologien im Weg stehen nur weil sie den selben Ursprung haben.

    Ich habe gerade einen weiteren Grund gefunden meine Stimme nächstes Jahr wieder den Piraten zu geben. Danke dafür.

  7. zen-pirat schrieb am

    Vielleicht ist es für eine Wahl sogar mal entscheidend, wie die Piraten miteinander kommunizieren. Auch weil sich potentielle Wähler hier informieren. Aufmerksamkeit, Geduld, Verständnis und das Ablegen aller Vorurteile (ja ich weiß, dass das zu viel verlangt ist) müssen ständig trainiert werden. :)

    Alles Gute zen-pirat

  8. Pingback: Mehr verstehen und sich weniger fürchten | Nuklearia

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