PIRATENPARTEI geschrieben am: 23.09.2012 um 17:17 Uhr

Vorstellung der AG Skeptische Piraten

9/11-Truther, Chemtrail-Verfechter, Germanische neue Medizin-Anhänger, Passivrauchschädlichkeits-Leugner und Homöopathie-Gläubige. Mit diesen und anderen Bewegungen, irrationalen Überzeugungsystemen und Verschwörungstheorien musste sich die Piratenpartei in dem letzten halben Jahr vermehrt auseinandersetzen.

Mit der wachsenden Bekanntheit und Popularität der Piraten wuchs unweigerlich das Potential, zum Magneten für Verbreiter eben jener Glaubenssysteme zu werden. Die niederschwellige Einstiegsmöglichkeit der Piratenpartei ist für viele Piraten ein Segen. Man trägt sich in eine Mailingliste einer interessanten Arbeitsgemeinschaft oder des eigenen Landes- oder Kreisverband ein und schon kann man an der politischen Arbeit der Piraten partizipieren. Mit unserer Sprachkonferenzsoftware Mumble kann man sich auch ohne Mitgliedsausweis oder sonstiges Autorisierungsszenario verbinden und mitreden.

Mit der Zeit traten aber auch die Schattenseiten dieser Offenheit zu Tage. Ob es Trolle auf diversen Landeslisten waren, die einfach jedes konstruktive Gespräch zu nichte machten, oder schlicht enormen Traffic erzeugten, dass viele Leute diese hundert Mails pro Tag nicht mehr lesen wollen. Oder es werden zielführende inhaltliche Auseinandersetzung zu bestimmten Themen torpediert, so dass man den Eindruck gewann, dass in bestimmten AGs die hysterischen Stimmen das Heft fest in der Hand hielten. Oft handelte es sich dabei allerdings um nicht mehr als 2 Stimmen die sich gegenseitig befeuerten während der Rest der AG stoisch versuchte, die Ansichten oder Themen dieser Störer zu ignorieren. Man entschied sich häufig für die bekannte Internetforenweisheit: “Don’t feed the troll” zu deutsch, “Füttere nicht den Troll”. Das bedeutet, man soll die Themen dieser Trolle “aushungern” lassen, indem man auf die von ihnen verbreiteten Ansichten nicht reagiert.

Leider hat diese Maßnahme den Nachteil, dass die Stimmen der Trolle unbeantwortet und unbekämpft im Raum stehen bleiben. Das mag für den Außenstehenden den Eindruck erwecken, die Stille bedeute Zustimmung. Auch die aktive Entgegnung kostet nicht nur enorm viel Ausdauer und Nerven, sie verhallt allzu oft in der Wahrnehmung von außen, wenn sie nicht kontinuierlich betrieben wird.

Prinzipiell verfügt die Piratenpartei durchaus über genug kritische und skeptische Stimmen die den extremsten irrationalen Glaubenssystemen an entsprechenden Stellen keine Bühne geben. Ob es sich um Liquid-Feedback-Anträge handelt oder Anträge beim Bundesparteitag, die Schwarmintelligenz funktioniert dort bei diesen Themen sehr gut. Jedoch erreicht sie bei weniger offensichtlichen und subtilen Unterwanderungsversuchen ihre Grenzen. Gerade bei kleinen AGs oder nicht eindeutigen Themen gerät man schnell in undurchsichtiges Gebiet. Dort ist eine gründliche Recherche und eine umfassende Diskussion mit stichhaltigen Argumenten unabdingbar. Auch geraten wir an dieser Stelle in Bereiche, in denen gezielte Lobbyarbeit nur schwer erkennbar ist. Selbst wenn man sie erkennt, kann man ihr als Laie oft nicht auf angemessenem argumentativen Niveau begegnen. Die Frage, welche Quellen seriös sind und welche nicht, erscheint im Zuge der fortschreitenden Professionalisierung von Internetangeboten erst mit einigem Hintergundwissen beantwortbar zu sein.

Da wir uns dieser Mechanismen mehr und mehr bewusst wurden, rafften wir uns schlussendlich auf und suchten nach Gleichgesinnten, die rationale Denkweise, logische Argumentation und Fähigkeiten bezüglich Medienkompentenz zu verbreiten. So gründete sich, unter großer Aufmerksamkeit, die AG Skeptische Piraten.

Wir einigten uns schnell auf die allgemeine Ausrichtung der AG, denn eines wollen wir mit aller Entschiedenheit nicht: Denkverbote. Ziel der AG soll es nicht sein, missionarisch durch die Partei zu ziehen um sich mit den Mitgliedern eine Schlammschlacht hinsichtlich spezifischer Themen zu liefern. Jeder soll glauben dürfen was er möchte und niemand soll diffamiert oder an den Pranger gestellt werden. Wir halten es schlicht für die programmatische Arbeit hilfreich und zielführend, sich mit den Mechanismen von rationaler Denkweise und “Argumentative Fallacies” auseinanderzusetzen und so schlussendlich zu gut recherchierten und durchdachten Anträgen zu gelangen. Im liberalen Sinne der Piraten werden wir versuchen, zum Einen selbst programmatische Arbeit zu leisten und zum Anderen, als Ansprechpartner für die Parteimitglieder zur Verfügung zu stehen, sie hinsichtlich logischer und rationaler Argumentation zu beraten. Wenn es ausdrücklich gewünscht wird, beraten wir auch in inhaltlichen Fragen.

Welche Themen wir im Zuge der programmatischen Arbeit anschneiden werden, steht noch im Raum, da wir uns immer noch in der Gründungsphase befinden. Thematische Überschneidung mit dem Themenbereich Bildung und Verbraucherschutz sind denkbar, aber auch andere Themenbereiche können berührt werden. Im Augenblick befinden sich die Mitglieder der AG in der Kennenlernphase, in der wir unsere Motivationen und persönlichen Ziele ausloten.

geschrieben von: Julitschka
geschrieben am: 23.09.2012 um 17:17 Uhr
abgelegt unter: Bundespartei, Piratenpartei

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Bisher wurden 11 Kommentare geschrieben

  1. geschrieben von: EsEf am: 24. September 2012

    Aha – Gesinnungspolizei und Wahrheitsdogmatismus. Alles was offensichtlich und (später vielleicht) möglicherweise gegen das offizielle Realitätsdogma verstößt, wird dann schön platt gemacht. Na danke …

    Sicher – solche Leute wie die Chemtrailgläubigen nerven gewaltig. Aber mir gefällt die vorgeschlagene “Lösung” auch nicht besonders. “Wer bewacht die Wächter?”


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    • geschrieben von: Julitschka am: 26. September 2012

      “Ziel der AG soll es nicht sein, missionarisch durch die Partei zu ziehen um sich mit den Mitgliedern eine Schlammschlacht hinsichtlich spezifischer Themen zu liefern. Jeder soll glauben dürfen was er möchte und niemand soll diffamiert oder an den Pranger gestellt werden.” Das steht dort und das stimmt auch. Es geht nur um Informationsaustausch, nicht um Verbote.


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  2. geschrieben von: Tom am: 24. September 2012

    “Keine Denkverbote” klingt gut. Dass Denkverbote aber dort beginnen, wo evidenzbasierte Wissenschaft aufhört, ist schlecht. Also doch Denkverbote? Und ihr masst euch an, alle Themen untersuchen zu können? Ihr habt so viele Wissenschaftler aller Fachrichtungen in eueren Reihen? Respekt. Da bin ich aber skeptisch – und brauche dafür noch nichtmal diese AG.


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    • geschrieben von: tr-bln am: 25. September 2012

      “Ihr habt so viele Wissenschaftler aller Fachrichtungen in eueren Reihen?”

      Das ist gar nicht nötig. Wer gelernt hat, wie und warum die Wissenschaft funktioniert und die wichtigsten logischen Tools anwenden kann, muß kein Fachwissenschaftler sein, um mitreden zu können. So jemand braucht auch keine “Denkverbote”, denn er weiß, daß ein Denken jenseits logischer und empirischer Evidenz für die Entwicklung einer wirklichkeitsorientierten Politik nutzlos ist.


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      • geschrieben von: Klecks am: 25. September 2012

        “(…)muß kein Fachwissenschaftler sein,(…)”

        Faszinierend. Der Dipl.Ing. Elektrotechnik beurteilt bei euch also ein medizinisches Behandlungsverfahren, weil medizinisches Fachwissen hierfür ja unnötig ist.

        “(…)um mitreden zu können.”

        achso, ihr wollt mitreden. Ja, das geht natürlich auch ohne Fachwissen.


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        • geschrieben von: tr-bln am: 25. September 2012

          @ Klecks:

          Noch einmal: Um irrationale Überzeugungssysteme und ihre Gefährlichkeit zu entlarven, muß man sich nicht in jeder Einzelwissenschaft auskennen (so nützlich das ggf. auch sein mag). Es reicht, die Strukturen der Wissenschaft und ihre philosophischen Grundlagen zu kennen. Da Wissenschaftstheorie und -philosophie die wirksamsten Mittel gegen Irrationalismen aller Art und ihre katastrophalen Auswirkungen sind, sollten sie auch im Bildungswesen eine bedeutend größere Rolle spielen (selbst, wenn das zum Verlust einiger Arbeitsplätze in den Verbraucherzentralen führen würde…).

          “Der Dipl.Ing. Elektrotechnik beurteilt bei euch also ein medizinisches Behandlungsverfahren, weil medizinisches Fachwissen hierfür ja unnötig ist.”

          Richtig (sofern Herr/Frau Dipl.-Ing. Elektrotechnik weiß, wie gute wissenschaftliche Studien aufgebaut sind und ob genügend davon vorliegen, um die Wirksamkeit eines medizinischen Behandlungsverfahrens zu belegen).


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        • geschrieben von: Johannes am: 1. November 2012

          @Klecks du hast geschrieben:

          “Faszinierend. Der Dipl.Ing. Elektrotechnik beurteilt bei euch also ein medizinisches Behandlungsverfahren, weil medizinisches Fachwissen hierfür ja unnötig ist. “(…)um mitreden zu können.””

          Bislang sitzt im Bundestag ein ganzer Haufen Juristen und Lehrer… und die wollen auch über alles mitreden, ohne Fachwissen über Export, Raumfahrt, Kernenergie, Gen-Technik zu haben! Und jedesmal dürfen sie mitabstimmen…

          Warum wirfst du den Piraten etwas vor, was man genausogut JEDER anderen Partei vorwerfen könnte (und sollte!!)

          Johannes


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  3. geschrieben von: Skeptischer Truther - Ihr hab die Markwirtschaftssekte vergessen. am: 27. September 2012

    Vergesst bitte nicht die ganzen verwirrten Marktwirtschaftstruther. Ich mein die Auge um Auge-Typen mit völligem Realitätsverlust die weder den vom Kapitalismus zerupften Planeten voller Zombies noch das 3. Reich sehen.

    Auch die bei BMW.


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  4. geschrieben von: Justus am: 28. September 2012

    Diese AG hat ja bestimmt nichts mit eselwatch, ähhh ich mein: esowatch.de zu tun… Oder wars esowatch.com?


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  5. geschrieben von: LordSnow am: 28. September 2012

    Bitte vergesst nicht die Leute, die eine globale Verschwörung der “Finanzdiktatur” “predigen”, da haben wir mittlerweile sehr viele in der Partei, die auch schon diverse AGs gegründet haben und der Piratenpartei massiv schaden bzw. sie in der öffentlichen Meinung am populistischen links-/rechts-nationalen Rand platzieren. Gerade beim Thema ESM wurden unzählige Unwahrheiten von diversen Piraten verbreitet und massiv gegen die Europäische Union mit Begriffen wie EUDSSR gehetzt. Zum Thema ESM und den Unwahrheiten hatte ich extra mal einen Artikel geschrieben und an Hand der Primärquellen aufgezeigt, dass die meisten Behauptungen vollkommen aus der Luft gegriffen sind: https://sucherderwahrheit.wordpress.com/2012/06/30/die-falschinformationen-der-esm-kritiker/


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