Die Piratenpartei und die Kardaschowskala

Gastbeitrag von Fabian Herrmann (@NeilBrainstrong)

Jeder hat schon den Begriff “Energie” gehört. Aber die wenigsten wissen genau, was damit gemeint ist. Energie – das hat etwas mit Elektrizität zu tun, mit Autos und Flugzeugen, mit Heizungen und Wasserkochern, man benötigt sie in Fabriken und in der Landwirtschaft – aber worum handelt es sich genau?

In Physik und Technik ist Energie ein klar umrissener Begriff: Es handelt sich um die Fähigkeit, eine träge (der Geschwindigkeitsänderung widerstehende) Masse zu beschleunigen, oder eine schwere (der Gravitation unterliegende) Masse entgegen der Gravitation zu bewegen. Letzteres kann man auf alle Naturkräfte verallgemeinern: Um einen Körper gegen ein Kraftfeld, das auf ihn wirkt, zu verlagern, muss man Energie aufwenden.

Feder und Kraft

Potentielle Energie am Beispiel einer Feder. Um sie zusammenzudrücken, muss man eine Kraft auf sie ausüben, da man der inneren Spannkraft der Feder entgegenwirken muss. Die Spannkraft resultiert aus elektrischen Kräften zwischen den Atomen. Die nach dem Zusammendrücken in der Feder gespeicherte Energie berechnet sich zu E = F*s, wobei F die Kraft und s die Strecke ist, um die die Feder komprimiert wurde.

Energie kann weder erzeugt noch vernichtet werden – wenn von “Energieerzeugung” die Rede ist, meint man die Umwandlung von einer weniger nützlichen in eine nützlichere Form, zum Beispiel die Nutzung der Bewegungsenergie des Windes zur Erzeugung elektrischer Energie. Bei jeder Umwandlung treten Verluste in Form von Wärme auf.

Energieumwandlung am Beispiel eines Wasserkraftwerks. Die potentielle Energie des Wassers im Stausee wird beim Hinabströmen in Bewegungsenergie (kinetische Energie) verwandelt. Im Kraftwerk wird elektrische Energie (und Wärme) daraus. Bei der Anlage im Bild handelt es sich übrigens um ein Pumpspeicherwerk, dass auch "verkehrt herum" arbeiten kann: Mit elektrischer Energie wird das Wasser hinaufgepumpt, wodurch Energie für späteren Verbrauch gespeichert wird. | public domain

Energieumwandlung am Beispiel eines Wasserkraftwerks. Die potentielle Energie des Wassers im Stausee wird beim Hinabströmen in Bewegungsenergie (kinetische Energie) verwandelt. Im Kraftwerk wird elektrische Energie (und Wärme) daraus. Bei der Anlage im Bild handelt es sich übrigens um ein Pumpspeicherwerk, dass auch "verkehrt herum" arbeiten kann: Mit elektrischer Energie wird das Wasser hinaufgepumpt, wodurch Energie für späteren Verbrauch gespeichert wird. | public domain

Die Einheit der Energie is das Joule (Formelzeichen J). Es gibt die Energie an, die man braucht, um eine Masse von 1 kg auf 1 m/s zu beschleunigen, oder sie im Erdschwerefeld 10.2 cm hoch zu heben. Wird eine gewisse Energie in einer bestimmten Zeit verbraucht, kann man diesen Verbrauch als “Leistung” ausdrücken: Energie pro Zeit. Die Leistungseinheit ist das Watt: 1 W = 1 J / s. Ein Wasserkocher mit einer Leistung von 1000 W setzt also 1000 J an thermischer Energie pro Sekunde frei.

Energie ist für alle Lebensprozesse nötig. Auch jeder Rechenprozess, jeder industrielle Produktionsvorgang, jeder Transport und jeder Informationsaustausch benötigt eine bestimmte Energiemenge. Daher ist der Energieverbrauch der Menschheit im Laufe der Geschichte immer weiter angestiegen. Er liegt zur Zeit weltweit bei 1.5*10^13 Watt, ist aber sehr ungleichmäßig verteilt: Ein Deutscher nimmt rund 6000 W auf, ein US-Amerikaner fast 11000 W. In den Drittweltländern stehen dagegen jedem Menschen nur wenige 100 W zur Verfügung.

Steigerung von Wohlstand und Lebensqualität sowie wissenschaftlich-technischer Fortschritt und Erhöhung der industriellen Produktion sind stets mit einem Anwachsen des Energieverbrauchs verbunden. Energiesparende Erfindungen wie Wärmepumpen (als Ersatz für ineffiziente Gasheizungen) oder Elektroautos vermögen zwar den Energieverbrauch momentan zu drosseln, wenn die Menschheit sich jedoch weiterentwickeln will, wenn man allen Menschen einen hohen Lebensstandard gönnt, wenn man auf der ganzen Welt eine moderne Industrie mit hohem Automatisierungsgrad aufbauen und mit der Erschließung des Weltraums Ernst machen möchte, dann kommt man nicht darum herum, noch wesentlich höhere Energieflüsse als heute bereitzustellen. Eine grobe Richtlinie könnte sein, zehn Milliarden Menschen einen pro-Kopf-Verbrauch von 10000 W zuzusprechen: Dies ergibt einen weltweiten Leistungsumsatz von 10^14 W – rund 6.7 mal mehr als heutzutage.

Energieverbrauch in den Vereinigten Staaten im Laufe der Zeit, aufgeschlüsselt nach verschiedenen Energieträgern. Der starke Gesamtanstieg (leicht rückläufig in den 70ern durch die Ölkrise) ist deutlich erkennbar. Die Energieeinheit Btu (British Thermal Unit) entspricht 1055.06 J. Eine amerikanische "Quadrillion" bedeutet 10^15. Auf der y-Achse ist der jährliche Energieverbrauch aufgetragen. | public domain

Energieverbrauch in den Vereinigten Staaten im Laufe der Zeit, aufgeschlüsselt nach verschiedenen Energieträgern. Der starke Gesamtanstieg (leicht rückläufig in den 70ern durch die Ölkrise) ist deutlich erkennbar. Die Energieeinheit Btu (British Thermal Unit) entspricht 1055.06 J. Eine amerikanische "Quadrillion" bedeutet 10^15. Auf der y-Achse ist der jährliche Energieverbrauch aufgetragen. | public domain

Das Knifflige besteht nun darin, diese Leistung aus Ressourcen herauszuziehen, die zum einen nicht im Laufe des 21. Jahrhunderts erschöpft sein werden, und zum anderen die Atmosphäre nicht mit dem Klimagift Kohlendioxid anreichern.

Prinzipiell vermag dies die Solarenergie zu leisten. Bedeckt man in der Sahara 6.7 Mio km^2 mit Sonnenwärmekraftwerken (bei einer Flächenleistungsdichte von 15 W/m^2), dann erhält man insgesamt 10^14 W. Man führe sich jedoch vor Augen, dass dies fast zwei Drittel der Fläche Europas sind!

Natürlich wird man nicht den gesamten Weltenergieverbrauch aus der Sahara heraus bestreiten. Nordamerika hat im trockenen Südwesten der USA riesige Flächen, die für Solarkraftwerke in Frage kommen, Südamerika die Atacama und die patagonische Wüste, Ostasien die Wüste Gobi, Ozeanien die australische Wüste. Photovoltaik lässt sich – im Gegensatz zu Sonnenwärmekraftwerken – auch an Orten mit überwiegend diffuser Lichteinstrahlung, zB. in Mitteleuropa, nutzen. Hinzu kommen noch substantielle Beiträge von Windkraftanlagen, sowie kleinere von Wasserkraft, Gezeiten, Wellen, Meeresströmungen, Biomasse und Erdwärme. In tropischen Gewässern kann eventuell auch OTEC (Ocean Thermal Energy Conversion – quasi die Nutzung des Meeres als riesige Solarthermikanlage) zum Einsatz kommen.

Das DESERTEC-Projekt. Je nach Region sind unterschiedliche erneuerbare Energiequellen optimal. Daher soll ein großes interkontinentales Netz entstehen, das die Quellen miteinander verbindet und den Strom in die Ballungszentren leitet. | CC BY-SA 2.5 TREC

Das DESERTEC-Projekt. Je nach Region sind unterschiedliche erneuerbare Energiequellen optimal. Daher soll ein großes interkontinentales Netz entstehen, das die Quellen miteinander verbindet und den Strom in die Ballungszentren leitet. | CC BY-SA 2.5 TREC

Die komplette Versorgung der Menschheit auf hohem Niveau aus klassischen erneuerbaren Quellen ist daher theoretisch möglich – die Betonung liegt allerdings vorläufig auf “theoretisch”. Riesige Solarkraftwerke und Windparks bauen sich nicht von heut auf morgen. Dazu sind gewaltig Mengen an Rohstoffen, sowie unzählige Arbeitsstunden von Menschen auf der ganzen Welt nötig. Im Vergleich wirkt das Apollo-Mondprogramm der NASA wie ein kleines Divertissement. (Der Vergleich ist allerdings problematisch: Bei Apollo floss der größte Arbeitsaufwand in Forschung und Entwicklung, die Materialkosten waren dagegen vernachlässigbar. Eine weltweite Komplettumstellung auf erneuerbare Energien würde vor allem aus dem Aufbau von Anlagen auf Basis bereits fertigentwickelter Technologien bestehen.)

Bis die nötigen Anlagen und die zugehörige Infrastruktur (Hochspannungsleitungen, Zufahrtstrassen zur Wartung, Ersatzteillager, Unterbringungen für das Bedienpersonal usw.) gebaut sind, sollten wir also nach anderen Wegen suchen, viel Energie bereitzustellen und gleichzeitig das Klima zu schützen. Sofern man nicht auf die fragwürdige CCS-Technologie zurückgreifen möchte (in den Boden gepresste Kohlendioxidlagerstätten sind nicht jedermanns Sache), vermag dies nur die Kernenergie zu leisten.

In Deutschland stellt sich den meisten Leuten das Nackenhaar auf, wenn sie das Wort “Kernkraftwerk” hören. Kernenergie erscheint gradezu als das Sinnbild gefährlicher, umweltschädlicher Technologien. Man verweist auf die drei bisher erfolgten großen Unfälle – Three Mile Island, Tschernobyl und Fukushima – und darauf, dass niemand wüßte wohin mit den radioaktiven Abfällen. Diese Einwände vernachlässigen aber, dass alle unsere Reaktoren noch aus den 70er und 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts stammen. Neukonstruktionen und wesentliche Weiterentwicklungen wurden seither nicht mehr vorgenommen. Die Risiken der Kernkraft sind somit ein hausgemachtes Problem: Hätte man, anstatt sich bei den ersten Anzeichen für technische Risiken entsetzt von der Technologie abzuwenden, konsequent neue, sicherere Reaktorkonzepte – zB. den Hochtemperaturreaktor (HTR) – erforscht und auch zum Einsatz gebracht, würden viele der gegen die Kernenergie vorgebrachten Bedenken gegenstandslos werden. Es existieren Entwürfe für inhärent sichere Reaktoren, bei denen der Super-GAU rein physikalisch unmöglich ist: Außer dem schon erwähnten HTR wird auch der Thoriumfluoridreaktor diskutiert, der zur Zeit vor allem in Indien erprobt wird, und der bislang allerdings nur als Entwurf vorliegende Laufwellenreaktor. Die beiden letzteren können sogar im Normalbetrieb mit Atommüll “gefüttert” werden und diesen unter Energieausbeute in kurzlebigere Nuklide transmutieren. Würde man also auf die Risiken der Kerntechnik nicht mit Paranoia, sondern rational reagieren, und umfangreiche Forschungsanstrengungen in die Entwicklung von Kernkraftwerken der IV. Generation investieren, bei denen die Risiken stark vermindert sind oder gar nicht auftreten, dann würde man über eine starke, klimaneutrale Energiequelle verfügen, die uns helfen könnte, viele Menschen auf der Erde mit elektrischer Energie zu versorgen, ohne dass dabei das Weltklima noch weiter durch CO2-Ausstoß destabilisiert wird.

Der Kugelhaufen-Reaktor - ein möglicher Entwurf eines Hochtemperaturreaktors. Als Brennstoff dienen Kugeln aus Uran und Thorium. Diese Aggregate können so gebaut werden, dass auch beim kompletten Ausfall der Nachwärmeabfuhrsysteme keine unzulässige Überhitzung auftreten kann. Der "Fall Fukushima" ist daher prinzipiell unmöglich. Südafrika, China und eventuell die Schweiz planen, diese sicheren Reaktoren einzusetzen. Warum nicht auch Deutschland? | © European Nuclear Society, 2003

Der Kugelhaufen-Reaktor - ein möglicher Entwurf eines Hochtemperaturreaktors. Als Brennstoff dienen Kugeln aus Uran und Thorium. Diese Aggregate können so gebaut werden, dass auch beim kompletten Ausfall der Nachwärmeabfuhrsysteme keine unzulässige Überhitzung auftreten kann. Der "Fall Fukushima" ist daher prinzipiell unmöglich. Südafrika, China und eventuell die Schweiz planen, diese sicheren Reaktoren einzusetzen. Warum nicht auch Deutschland? | © European Nuclear Society, 2003

Viele werden nun einwenden: Schön und gut, aber ist Uran denn nicht auch eine sehr begrenzte Ressource? Reichen die Vorräte denn wesentlich weiter als Öl und Kohle? Die Antwort ist überraschend: Uranerze sind zwar recht begrenzt vorhanden (wobei bemerkt sei, dass sicherlich viele Lagerstätten noch nicht entdeckt wurden – nach 1980 wurde kaum noch nach Uranerz gesucht), es existiert jedoch eine zweite Quelle, in der wesentlich größere Vorräte enthalten sind. Es handelt sich um das Meer.

Im Meerwasser sind insgesamt rund 4,5 Milliarden Tonnen Uran gelöst. In Japan wurden bereits Extraktionsverfahren getestet, mit denen dieses Uran herausgezogen werden kann. Die heutzutage vorhandenen Kernkraftwerke verbrauchen rund 50.000 Tonnen Uran pro Jahr. Stellt man also nur 10% des Meerwasser-Urans zur Verfügung, so könnte man sie damit 9.000 Jahre lang betreiben. Allerdings setzen sie zusammen nur etwa 370 GW (370 Milliarden Watt) frei. Aufgeteilt auf 10 Milliarden Menschen ergibt dies nur 37 W pro Mensch – nicht wirklich viel. Bei einer Verzehnfachung auf 370 W pro Mensch wäre man immerhin noch 900 Jahre lang im Rennen. Es existieren jedoch auch sogenannte Brüter, die nicht nur Uran 235 wie die gewöhnlichen Kernkraftwerke nutzen, sondern auch das Uran 238, welches über 99% des natürlich vorkommenden Urans ausmacht. Sie wandeln es in spaltbares Plutonium 239 um, und erreichen so eine Steigerung der Energieausbeute um einen Faktor 60. Damit ließen sich zehn Milliarden Menschen 1.000 Jahre lang mit pro Kopf über 10.700 W versorgen, wenn 10% des Meeresurans nutzbar gemacht werden würden.

Der Thoriumfluoridreaktor benutzt dagegen, wie sein Name schon sagt, als Ausgangsbrennstoff kein Uran, sondern das dreimal häufigere Element Thorium. Die wirtschaftlich abbaubaren Ressourcen werden weltweit auf 6 Millionen Tonnen geschätzt (im Meer befindet sich keines, da Thoriumoxid kaum wasserlöslich ist). Ein 1 GW-Thoriumreaktor verbraucht rund 6 Tonnen pro Jahr. Ähnlich wie in einem Uran-Brutreaktor wird dabei der Brennstoff fast vollständig umgesetzt. Verteilt man die Thoriumvorräte auf 1000 Jahre und zehn Milliarden Menschen, ergeben sich 100 W pro Person, bei einer Nutzungszeit von 100 Jahren 1.000 W. Die 6 Millionen Tonnen sind allerdings mit hoher Wahrscheinlichkeit zu gering geschätzt, da bislang kaum nach Thoriumlagerstätten gesucht wurde. Auch schlug der Nobelpreisträger Carlo Rubbia vor, einen durch einen Teilchenbeschleuniger verstärkten Thoriumreaktor zu konstruieren. Mit diesem würden 6 Millionen Tonnen Thorium 614 W über 1.000 Jahre pro Person liefern. Rubbia vermutet auch, dass rund 300 mal mehr Thorium aus der Erdkruste abgebaut werden kann als die bekannten 6 Millionen Tonnen. Falls er recht hat, ließen sich über 18.000 W pro Person 10.000 Jahre lang bereitstellen.

Zu all diesem kommen noch die vorhandenen Atommüllvorräte hinzu, die von Thoriumfluoridreaktoren (und einigen Uranreaktorendesigns) als “Zusatzfutter” genutzt werden und so zusätzlich Energie liefern könnten. Weiterer Spaltstoff kann aus im Rahmen der Abrüstung außer Dienst gestellten Atombomben gewonnen werden.

Später, in der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts, wird man vermutlich auch Fusionsreaktoren bauen können, von denen prinzipiell kaum nukleare Risiken ausgehen und deren Rohstoffe im Meerwasser für menschliche Begriffe unerschöpflich sind. Zusammen mit der bis dahin hoffentlich großflächig ausgebauten Solartechnik könnte diese Energiequelle alle Menschen mit elektrischer Leistung auf europäisch/nordamerikanischem Niveau versorgen und auf der ganzen Welt einen hohen Lebensstandard ermöglichen.

ITER | Credit © ITER Organization, http://www.iter.org/

Der Versuchsfusionsreaktor ITER (International Thermonuclear Experimental Reactor) der zur Zeit in Cadarache in Südfrankreich aufgebaut wird. Die torusförmige Plasmabrennkammer ist im Bild deutlich erkennbar. Diese Fusionsmaschine soll zum ersten Mal mehr Energie freisetzen, als verbraucht wird, und den Weg für das Kraftwerk DEMO (DEMOnstration Power Plant) ebnen, in dem gezeigt werden soll, dass Fusion als wirtschaftliche Energiequelle eingesetzt werden kann. DEMO wird möglicherweise gegen 2030 in Japan entstehen. | Credit © ITER Organization, http://www.iter.org/

Was ergeben sich aus diesen Möglichkeiten für energiepolitische Schlussfolgerungen? Zum einen ist eine sofortige Abschaltung der Reaktoren das Letzte was man sich wünschen sollte – auf die Schnelle können sie nur durch fossile Energieträger kompensiert werden, und jede zusätzliche Tonne Kohlendioxid in der Atmosphäre ist eine Tonne zuviel. Zum anderen sollte man, anstatt von jeglicher Kerntechnik angstvoll die Finger zu lassen, in Forschungsprojekte zur Entwicklung der nächsten Generation von Kernkraftwerken investieren. Starke, kompakte, klimaneutrale Energiequellen sind unverzichtbar, um die Entwicklung der Menschheit zu fördern, die Umwelt zu schützen und den Lebensstandard in wirtschaftlich schwach entwickelten Ländern zu heben. Auch Afrika, Indien und Südamerika sollten endlich die Möglichkeit bekommen, ins Hochtechnologiezeitalter einzusteigen um ihren Bürgern ein Leben zu ermöglichen, das nicht vom ewigen Druck der Güterknappheit geprägt ist!

Darüber hinaus könnten Hochtemperaturreaktoren erforderlich sein, um in Dürreregionen (die sich leider dank Treibhauseffekt zur Zeit stark ausbreiten), Meerwasser in großem Stil zu entsalzen.

Eine interessante, in diesem Zusammenhang zuweilen gestellte Frage lautet, ob denn nicht auch die Kernenergie einen verhältnismäßig hohen CO2-Footprint habe. Natürlich ist ein Kernkraftwerk an sich komplett CO2-neutral. Zur Konstruktion der Anlage sind jedoch große Mengen an Stahl und Beton nötig, deren Produktion mit Kohlendioxidausstoß verbunden sind. Man kann also die Frage stellen, in welchem Maß die Nutzung der Kernenergie auf indirektem Weg zur Freisetzung von Kohlendioxid beiträgt.

Berechnungen zeigen, dass der gesamte Lebenszyklus eines Kernkraftwerks nur ein Zehntel der Kohlendioxidmenge eines gleichleistungsstarken fossilen Kraftwerks freisetzt. Bezieht man alle mit dem Betrieb des Fossilkraftwerks verbundenen industriellen Prozesse (zB. Transport von Kohle) mit ein, so verschiebt sich die Klimabilanz nochmal stark zugunsten der Kernenergie.

Die Energie- und Forschungspolitik der Grünen erscheint in diesem Licht einfach nur rückschrittlich und unverantwortlich. Nicht nur die Leistungsreaktoren sollen abgeschaltet werden, auch die Forschungsreaktoren stehen plötzlich auf der Kippe! Sogar gegen die Kernfusion machen grüne Politiker nun Stimmung. Man wartet beinahe auf den Tag, an dem die Grünen auch noch die Nuklearmedizin abschaffen wollen, da sie ebenfalls auf radioaktive Elemente angewiesen ist.

Aus meiner Sicht ist es besonders störend, dass viele in der Piratenpartei finden, auf den “Anti-Nuklear-Zug” aufspringen zu müssen. Die Piraten sollten, als einzige wirklich moderne und zukunftsorientierte Partei, zur Kerntechnik einen weniger hysterischen, rationaleren Zugang finden. Hochtechnologie besteht eben nicht nur aus Laptops und Solarzellen (gegen die natürlich per se nichts einzuwenden ist).

Historisch hat sich die Piratenpartei aus einer Hackerbewegung entwickelt, die sich für eine Lockerung und Neubewertung des Copyrightgesetzes für Daten im Internet stark gemacht hat. Inzwischen hat sich daraus ein politisches Konzept entwickelt, das darauf abzielt, alles Wissen der Menschheit für jeden frei verfügbar zu machen. Hinzu kommen Ideen bezüglich der maximalen Transparenz des Staates, der Kontrolle jedes Menschen über seine persönlichen Daten, sowie des Rechts auf gesellschaftliche Teilhabe, was von manchen im Sinne eines Bedingungslosen Grundeinkommens gedeutet wird. Basis für eine Zivilisation, in der solche Konzepte fruchten können, ist jedoch eine hochentwickelte, moderne Industrie. Man bezeichnet zwar die heutige Gesellschaft oft als “postindustrielle” oder “Informationsgesellschaft”, dies vernachlässigt aber, dass die elementare Grundlage unserer Existenz die produzierenden Wirtschaftszweige sind: Computer, Generatoren, Eisenbahnzüge, Flugzeuge und andere technische Produkte müssen in Industriewerken gefertigt werden, ganz zu schweigen von elementaren Grundbedürfnissen wie Wohnraum, Kleidung und Nahrung. Damit diese in großem Umfang vorhanden sind, und die Menschen auch die Freiheit haben, die neuen technischen Möglichkeiten kreativ zu nutzen, ist eine industrielle Infrastruktur mit hohem Automatisierungsgrad notwendig. Diese erfordert wiederum starke Leistungsströme.

Daher sollten wir eine kompakte, effiziente Energiequelle nicht aus purer Furcht über Bord werfen. Auch ist die Beherrschung von Naturkräften ein kultureller Wert an sich. Das umfassende Wissen, das die Piraten allgemein zugänglich machen möchten, muss ja erstmal durch Forschung gesammelt werden. Wirklich verstanden hat man physikalische Prinzipien aber immer nur dann, wenn sie nicht nur theoretisch untersucht, sondern auch praktisch angewendet wurden. Und die Nutzung der Atomkerne stellt in gewisser Hinsicht eine Art submikroskopische “Final Frontier” dar: Es handelt sich um die kleinsten Strukturen (~ 10^-14 m), die jemals menschlicher Beherrschung zugänglich waren. Der Berliner oder Münchener Forschungsreaktor sollte daher den Piraten kein Dorn im Auge sein, sondern ein Fenster in die Zukunft!

Beim Blick durch dieses Fenster sollten wir uns überlegen, wie unsere Zukunft aussehen soll! Wollen wir eine Menschheit, die in Stillstand verfallen ist, weil sie energetisch gerade so über die Runden kommt, oder eine “ausbaufähige” Zivilisation, die bei Bedarf immer größere Energiemengen mobilisieren kann? Ersteres mag nach dem Geschmack irgendwelcher reihenhausidyllischer Rechtskonservativer sein, aber gewiss nicht nach dem Geschmack von Piraten! Ein Pirat, egal ob nun im Sinne von Jack Sparrow oder eines digitalen Freiheitskämpfers, liebt das Abenteuer und nicht den Stillstand. Das größte Abenteuer der Menschheit ist die Forschung, und zwar insbesondere die Erforschung des Kosmos. Will man die Raumfahrt aber in größerem Umfang in Angriff nehmen, sind schwächliche chemische oder elektrische Antriebe nicht mehr das Mittel der Wahl. Chemische Raketen haben hohe Schubkräfte aber kurze Brenndauern und erzielen daher vergleichsweise niedrige Endgeschwindigkeiten. Ionenantriebe erreichen höhere Endgeschwindigkeiten, aber wegen der extrem geringen Schubkraft erst nach Wochen oder Monaten. Nuklear angetriebene Raumschiffe dagegen vereinen die Vorteile von chemischen und elektrischen Raketen ohne die jeweiligen Nachteile: Ihre Schubkräfte sind hoch, aber auch die Brenndauern. Sie ermöglichen es, mit verhältnismäßig geringem Aufwand Tausende von Tonnen Nutzlast zu anderen Planeten und zurück zu transportieren.

Kein Mensch möchte seine Lebenshoffnungen nur darauf setzen, dass bald die neue PC-Generation auf den Markt kommt und die Grafik der Videospiele noch etwas lebensechter wirkt. Der Mensch möchte sich ausdehnen, forschen, erkunden, denken und Abenteuer erleben. Wir sollten der nächsten Generation kein doziles Leben zwischen Büroarbeitsplatz und Spielkonsole bescheren, sondern die Möglichkeit, die Saturnmonde aus der Nähe zu sehen!

Die Oberfläche des Saturnmondes Titan (Gemälde). Wird in Zukunft dort eine bemannte Forschungsstation stehen? Es hängt von unseren heutigen Entscheidungen ab. | public domain (NASA)

Die Oberfläche des Saturnmondes Titan (Gemälde). Wird in Zukunft dort eine bemannte Forschungsstation stehen? Es hängt von unseren heutigen Entscheidungen ab. | public domain (NASA)

Futurologen haben für die Klassifizierung des Entwicklungsstandes von Zivilisationen die sogenannte Kardaschow-Skala eingeführt (benannt nach dem russischen Astrophysiker Nikolai Semjonowitsch Kardaschow). Diese gibt an, welche Gesamtleistung eine Zivilisation nutzbar machen kann:

Typ 1: Gesamte auf einem Planeten verfügbare Leistung – rund 10^16 W.

Typ 2: Gesamte Leistung eines Sterns – 10^26 W.

Typ 3: Gesamte Leistung einer Galaxis – 10^36 W.

Carl Sagan unterteilte die logarithmische Skala noch feiner in Dekaden – so nutzt eine Zivilisation der Stufe 1.1 10^17 W, der Stufe 0.7 10^13 W, was ungefähr unserem derzeitigen Entwicklungsstatus entspricht. Bezüglich des Datenaustauschs haben wir übrigens schon Stufe 1 erreicht – durch das den ganzen Planeten umspannende Internet. Im Bereich der Politik wäre ein demokratischer Weltstaat ein “Kardaschow-1-Gebilde”. Die europäische Union ist ein erster zaghafter Schritt in diese Richtung.

Die nutzbar gemachte Energie korrelierte im Laufe der bisherigen Geschichte stets mit dem erreichten Technologielevel. Man kann darüber spekulieren, welche Techniken in der Zukunft beim Erreichen der verschiedenen Kardaschowstufen zur Verfügung stehen werden. Zivilisationen auf Stufe 1 betreiben vermutlich bereits Raumfahrt in großem Umfang in ihrem ganzen Sonnensystem, verfügen über intelligente Computer und Nanocompiler. Kardaschow-2-Zivilisationen experimentieren vielleicht bereits mit interstellarer Raumfahrt. Und Zivilisationen auf Stufe 3 würden fraglos über geradezu “götterartige” Fähigkeiten verfügen: Überlichtflug, Umbau der Raumzeit, Bau künstlicher Sonnen und Planeten, vielleicht sogar Erschaffung neuer Universen, als Zufluchtsort, wenn unser Universum erkaltet.

Ein sogenannter Dyson-Schwarm - kosmisches Bauwerk einer Kardaschow-2-Zivilisation. Eine riesige Wolke von Raumstationen kontrolliert einen ganzen Stern. | public domain

Ein sogenannter Dyson-Schwarm - kosmisches Bauwerk einer Kardaschow-2-Zivilisation. Eine riesige Wolke von Raumstationen kontrolliert einen ganzen Stern. | public domain

Was sagen uns solche futuristischen Spekulationen über heutige energiepolitische Entscheidungen? Dass wir, wenn wir zu höheren technologischen Entwicklungsstufen fortschreiten wollen, uns nicht damit zufrieden geben sollten, unsere Energieversorgung auf einem bestimmten Niveau “einzufrieren”, sondern nach Möglichkeiten suchen müssen, sie weiter zu erhöhen. Eine Reduktion des Energieverbrauchs kann zwar vorübergehend eine sinnvolle Maßnahme zur Verringerung des CO2-Ausstoßes sein, mittel- und langfristig wird eine sich entwickelnde Zivilisation aber darauf angewiesen sein, immer mächtigere Quellen zu erschließen. Dabei werden auch Kernreaktionen fraglos eine wichtige Rolle spielen.

Und natürlich sagt uns der Blick aus der “Kardaschow-Perspektive” auch, dass wir uns nicht von jeder neuen Technologie ängstlich zurückziehen sollten, nur weil diese anfangs Risiken mit sich bringt. Um den Bynaus-Artikel zu zitieren: Wo wären wir hingekommen, wenn der erste Hominide, der mit dem Feuer experimentierte, nach der ersten Brandblase aufgegeben hätte?

Dies sollte an für sich gerade den Piraten einleuchten: Schließlich haben sie sich schon oft an “Freiheit-statt-Angst”-Kampagnen beteiligt. Man erlangt jedoch keine Freiheit, indem man alles krampfhaft vermeidet, was potentiell gefährlich sein könnte. Man erlangt sie, indem man die Gefahr rational betrachtet, und dann Maßnahmen trifft, die es ermöglichen, die Gefahr zu beherrschen – im Fall der Kernkraft durch die Entwicklung neuer Reaktortypen, die inhärent sicher ausgelegt sind. Auch die Tabuisierung ganzer Technologiezweige ist letztlich das Gegenteil von Freiheit. Wenn man die durch staatliche Unterdrückung und Kontrolle auferlegten Fesseln abwerfen möchte, sollte man sich nicht selbst gleich darauf neue anlegen. Freiheit schützt man nicht, indem man sie abschafft. Man schützt sie auch nicht, indem man sich von seinen eigenen Ängsten beherrschen lässt. Freiheit sollte mutig sein, nicht furchtsam.

Das Ziel sind die Sterne, und kein Kleingartenidyll.

Anmerkung: Dieser Artikel beruht auf einem Blogpost von @NeilBrainstrong und wurde gegenüber der Urfassung gekürzt.


Kommentare

43 Kommentare zu Die Piratenpartei und die Kardaschowskala

  1. mohikaner meinte am

    Eine sehr ausführliche Lobeshümne auf die Atomkraft. Allerdings wird die Endlagerung des Atommülls komplett ausgeklammert. Und der wird auch bei den skizzierten futuristischen super effizienten Atomkraftwerken anfallen. Auch die prognostizierte Sicherheit bezweifle ich. Nein, da warte ich lieber auf die Kernfusion. So gut wie kein atomarer Müll und bei Stromausfall erlischt das Fusionsfeuer von selbst. Bis dahin reicht der Ausbau der erneuerbaren Energien völlig aus.

    mohikaner

  2. TheBug meinte am

    WTF?

    Fissionsreaktoren sind also die Zukunft? Wer hat da den Schuss nicht gehört? Die tollen Konzepte der Atomtrolle die uns eine strahlende Zukunft wünschen ignorieren immer solche Kleinigkeiten wie, dass es die Materialien die man zum Bau der hypothetischen Hochtemperaturreaktoren und Laufwellenreaktoren schlicht nicht gibt. Das Zeug ist nichts weiter als gefährliche Spinnerei.

    Der Grüne Weg alles was mit Nukleartechnik zu tun hat zu verbieten ist genau so dumm wie der Glaube, dass wir von den Konzernen bei der nächsten Generation Fissionsreaktoren nicht genau so beschissen werden würden wie bisher. Forschung und Medizin ja, aber Leistungsreaktoren sind viel zu gefährliche Gebilde, als dass man sie erlauben darf. Abgesehen davon, dass die Endlagerfrage auch bei den “neuen” Reaktortypen ungeklärt bleibt.

    • T.Mollet meinte am

      Leider hat auch die Atomlobby kein Interesse an Reaktoren wie dem LFTR, schliesslich fällt da die ganze Brennelementeindustrie weg. Die riesigen Vorteile des LFTRs hab ich sonst weitunten Formuliert.

  3. geigerzähler meinte am

    Bei Atomenergie fällt auch haufenweise CO2 bei der Herstellungskette der Brennstäbe an (Uranabbau, Aufbereitung etc). Das wird gerne verschwiegen. Hier wirds verständlich erklärt: http://www.youtube.com/watch?v=wze3AoUjiRk Eine gute Dokumentation zu der Problematik ist dieser etwas neuere Dokumentarfilm: http://www.youtube.com/watch?v=L4u5rbcx1D0 Atomenergie verseucht die Welt quasi “auch ohne Atomkrieg”.

  4. LordSnow meinte am

    Das Weltraumprogramm ist nicht nur durch Forschung teuer, die NASA hat das Spaceshuttleprogramm aus Kostengründen eingestellt, die nichts mit der Forschung zu tun haben, aber gut, das ist eher unwichtig für das Thema.

    Man soll also nicht nur einzelne Forschungs- sondern auch breitflächig Leistungsreaktoren bauen, damit man diese Technologie und die Physik dahinter besser versteht. Das gleiche kann man bei Anlagen zu Photovoltaik, Solarthermie, Geothermie, Wasserkraft, Windkraft, Osmosekraft, Gezeitenkraft, … sagen – nur dass bei diesen kein atomares Endlager was es bis heute nicht gibt benötigt wird. Mehrere Millionen Tonnen Müll ins Universum schießen ist reine Utopie, sobald das tatsächlich möglich ist und wir nicht mehr mehrere Milliarden Euro im Jahr für die Zwischenlagerung des bisherigen Mülls ausgeben müssen, können wir die Diskussion nochmal von vorn aufrollen, vorher aber bitte schön auf generative Energiequellen umstellen, die zudem auch noch genutzt werden können, um sich von den Großkonzernen unabhängig zu machen.

    Im übrigen wäre es sinnvoll gewesen auf das Parteiprogramm und die offizielle Beschlusslage hinzuweisen, indem bereits definiert wurde, dass wir das genaue Gegenteil von diesem Gastbeitrag anstreben: http://wiki.piratenpartei.de/Parteiprogramm#Energiepolitik http://wiki.piratenpartei.de/Atomausstieg/Sicherheit_kerntechnischer_Anlagen

    • Harry meinte am

      Verglichen mit der rationalen Herangehensweise auf anderen Gebieten wird es sich bei dieser Beschlusslage wohl um nichts als GRÜNEN Zeitgeist handeln – mit einer hoffentlich sehr kurzen Verfallsdauer.

      • TheBug meinte am

        Grüner Zeitgeist? Seit wann hat Physik was mit Zeitgeist zu tun? Kernkraftwerke sind die mit Abstand dümmste Stromquelle, weil weder Versorgung noch Entsorgung geklärt sind und der Betrieb ein immenses Schadenspotenzial hat.

  5. KGB meinte am

    Ganz abgesehen von der ausgeklammerten Endlagerung, wird auch der Abbau als völlig unproblematisch beschrieben. Es soll sogar noch viel mehr Rohstoff geben und abgebaut werden als bisher. Solange diese neuen Lagerstätten nicht vollständig automatisiert und trotzdem wirtschaftlich abgebaut werden können, sind sie aus humanitären Gründen nicht vertretbar. Allein der jetzige Uranabbau ist eine Katastrophe [1,2,3] und auch ein noch so technisch sicherer Atomreaktor wird an dieser Katastrophe nichts verändern. Meiner Meinung nach, ist der Uranabbau der beste Grund sofort aus der Atomenergie auszusteigen.

    [1] http://wissen.dradio.de/uranabbau-schmutzige-seite-der-atomkraft.35.de.html?dram:article_id=5255 [2] http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,686633,00.html [3] http://www.zeit.de/2011/15/uranabbau-afrika-umwelt

  6. Kroll meinte am

    Erstens: ein Parteiprogramm ist nicht in stein gemeisellt, mann kann ihn ändern. Vorschläge sind da besonders bei einer Partei die Offenheit gegenüber Vorschlägen ganz oben im Programm hat wünschenswert. Zweitens: Uran ist nicht deswegen so gefährlich, weil es radioaktiv ist, sonder deswegen weil es ein Schwermetall ist. Dass vergisst man gerne, was ein Fehler ist. Im Endeffekt hat man den eindruck dass andere Schwermetalle weniger schaden anrichten, was schlicht und einfach falsch ist. Jedes verfahren dass die Umwelt mit Schwermetallen belastet stellt eine Gefahr dar, die mit Uranabbau vergleichbar ist. Viele solcher verfahren werden eingesetzt um sowohl konventionelle wie auch Erneuerbare Kraftwerke, und die damit verbundene Infrastruktur zu ermöglichen. Drittens: Auf Uran basierende Nuklearwirtschaft ist nicht der einziger Weg (was gerne nicht nur von den Grünen, aber auch von der etablierten Nuklearwirtschaft verschwiegen wird). Auch Thorium kann in Reaktoren verwendet werden. Thorium wird heute als Abfall nebenbei bei dem abbau von seltenen Metallen produziert (Seltene Metalle sind essentiell für Windkraft, Elektroauto & co.). Es besteht also kein bedarf für zusätzlichen Thoriumabbau. Bei Reaktoren wie der Fluoridreaktor entfällt zusätzlich komplett die Aufarbeitung, was der heutigen Nuklearwirtschaft ein Dorn im Auge ist (Aufarbeitung ist die Haupteinnahmequelle). Auch der Müll enthält fast keine Actinoide, was die Lagerzeit auf 300 Jahre verkürzt. Auch die Inhärente Sicherheit ist bei neuen Reaktorkonzepten bewiesen. Wir sollten uns mit diesen Reaktorkonzepten ohne Vorurteile beschäftigen. Zur zeit sieht dass eher so aus, dass man verzweifelt nach irgendwelchen Gründen sucht diese Reaktoren nicht zu erforschen.

    • TheBug meinte am

      Die “neuen” Reaktorkonzepte stammen in der Mehrzahl aus den 1960er Jahren, sind bis heute nicht umsetzbar, weil sie Materialanforderungen stellen, die nicht erfüllbar sind und werden regelmäßig als neu aufgetischt, mit relativ geringen konzeptionellen Veränderungen.

      Inheränte Sicherheit bedeutet: Wir haben alle bekannten Fehlermodi ausgeschlossen, so weit es die Baukosten zuließen.

      In diesem Sinne: Verarsche? Nein danke!

  7. LordSnow meinte am

    “Zur zeit sieht dass eher so aus, dass man verzweifelt nach irgendwelchen Gründen sucht diese Reaktoren nicht zu erforschen.”

    Unsinn, gegen Forschungsreaktoren unter besonders gesicherten Bedingungen hat niemand was. Ansonsten hat sich die Piratenpartei gerade erst vor einem 3/4 Jahr (noch vor Fukushima) klar gegen den (weiteren) Einsatz zur Stromerzeugung und für einen schnellstmöglichen Ausstieg positioniert. Für eine pro-AKW Kampagne wäre das EIKE-Forum oder die CDU/FDP sicherlich besser geeignet.

    • Kroll meinte am

      “Unsinn, gegen Forschungsreaktoren unter besonders gesicherten Bedingungen hat niemand was.” Wir haben seit Tschernobyl nur einen neuen Forschungsreaktor gebaut, aber acht abgeschaltet… Versuchsreaktoren nicht eingerechnet. Es gibt einen unterschied zwischen Forschungsreaktoren und Versuchsreaktoren. Die ersten sind für Materialforschung, oder zur Produktion von Radioisotopen nötig (neue Reaktorkonzepte unerwünscht), die zweiten sollen neue Reaktorkonzepte ausprobieren. Schon dass errichten eines Forschungsreaktors ist in Deutschland mit fast unüberwindlichen Schwierigkeiten verbunden. Ich bin kein Feind des Ausstiegs aus der heutigen Reaktortechnologie.Dafür bin ich ein Freund von neuen Reaktorkonzepten. Die CDU/FDP wollte nicht nur die Laufzeiten existierender Kraftwerke verlängern, sie hatte auch nicht geplant in zukunftsfähige Reaktorkonzepte zu investieren (außer Fusionskraftwerken, die auf sich noch laaaange warten lassen). Beides war und ist ein Fehler. “Für eine pro-AKW Kampagne wäre das EIKE-Forum oder die CDU/FDP sicherlich besser geeignet.” Nach dieser Logik wäre für eine Kampagne gegen Alkoholkonsum ein AA-Treffen am besten geeignet. Der sinn einer Kampagne ist es Leute die eine andere Meinung haben von deiner Meinung zu überzeugen. Es gibt eben Leute die eine Meinung wie Fabian Herrmann haben, und man sollte diese Meinung nicht mit WTF kommentieren, oder auf ein CDU/FDP Forum verbannen nur weil man anderer Meinung ist. Wenn mann sich nur mit Leuten umgibt die immer die gleiche Meinung haben, ist dass nichts gutes für die Entscheidungen die man trifft.

      • TheBug meinte am

        WTF?

        Nur um das noch mal klar zu stellen. Ich habe keinerlei Absicht mich da zu korrigieren.

        Die tollen neuen Reaktorkonzepte sind weitgehend ausprobiert worden und haben sich als unpraktikabel oder noch gefährlicher als der ältere Kram erwiesen. Den Laufwellenreakor als Testsystem zu erlauben wäre umwerfend dumm, das Ding ist schon auf dem Papier ein Havariekandidat, da Temperatur- und Strahlungsdichte in der Abbrandzone viel zu hoch sind um mit bekannten Materialen beherrscht zu werden.

        Und die wichtigste Frage ist: Warum sollte man mit so gefährlichem Mist hantieren, wenn man Strom mit Wind Solar, Wasser etc. erzeugen kann und das mit absolut minimalem Schadenspotenzial. Nur damit sich ein paar Leute wohl fühlen, weil das was sie High Tech nennen gebaut wird?

        • Kroll meinte am

          wie Ich schon mal gesagt habe: Will man nach den Sternen greifen, sind Energiedichte Brennstoffe unerlässlich. Wind kann nur dort Energie liefern, wo es Atmosphäre gibt, solar nur dort wo es es starke Sonnenstrahlung gibt. Und ich will dass meine Enkelkinder auf dem Mond stehen, und meine Urenkelkinder auf dem Pluto Flitterwochen verbringen. Und das geht einfach nicht mit Wind und Solar. Mit Kernkraft ist es aber möglich.

      • LordSnow meinte am

        “Wenn mann sich nur mit Leuten umgibt die immer die gleiche Meinung haben, ist dass nichts gutes für die Entscheidungen die man trifft.”

        Das ist das Grundprinzip der Demokratie mit Parteien, man sucht sich Menschen die ähnliche Ansichten haben und kämpft gemeinsam dafür. Die Piratenpartei kämpft u.a. für einen zügigen Atomausstieg und die FDP halt dagegen.

        Meinungspluralismus innerhalb der Partei ist zwar wichtig, aber der offizielle Grundkonsens innerhalb der Partei sollte zumindest noch als Randnotiz erwähnt werden, um für Parteiinteressierte keinen völlig falschen Eindruck zu erwecken.

  8. Andreas meinte am

    Ich halte nichts von großen, sehr leistungsstarken Anlagen, welche sich dann evtl. in der Hand von Energiekonzernen befinden. Ich persönlich halte eine Förderung von kleineren, effizienten Anlagen auf Kommunalebene und in kommunaler Hand für einen sinnvollen Weg. Aber da hat sicherlich jeder eine andere Anschauung. Und ich denke wenn es jeder schafft, sich bis zum Lebensalter selber zu entdecken, dann benötigt man eine Reise ins Universum nicht unbedingt :-)

    • Das mit der vielgepriesenen “dezentralen Energieversorgung” ist so eine Sache. Auf Basis der “klassischen Erneuerbaren” wirft das Schwierigkeiten auf: Ein Onshore-Windpark z.Bsp. hat eine Leistungsdichte von ca 2 W m^-2, eine PV-Anlage rund 10 W m^-2. Jeder Deutsche verbraucht mehrere kW. D.h. er muß, wenn er sich dezentral versorgen will, in der Nähe seiner Wohnung mehrere 100 m^2 abdecken. Wie das in einer Stadt mit mehreren 1000 Einwohnern/km^2 funktionieren soll, ist mir schleierhaft. Ganz anders sähe es natürlich mit nuklearer, dezentraler Versorgung aus. Ein Minireaktor, der irgendwo unterirdisch verbaut wird, könnte mühelos eine ganze Kleinstadt “antreiben”.

      PS. Ich glaube nicht, dass die Menschen glücklich werden, wenn sie ihr Leben nur auf Selbstentdeckung ausrichten. Ich weiß dass Epikur und bestimmte Strömungen im Buddhismus das anstreben aber die Menschheit braucht weiter gesteckte Perspektiven, sonst schläft sie geistig ein.

  9. Max meinte am

    Welcher Vollposten der Redaktion hat den diesen Vollpfosten der Energiepolitik hier schreiben lassen?

    Sämtliche hier aufgeführten Kernenergiereaktoren sind gescheitert. Die Kugelhaufenruinen machen größte Kopfzerbrechen, weil die Kugeln kaputt gehen und das Gelände kontaminieren. Ganz zu schweigen von dem Material, dass man in der Elbmarsch findet.

    Die Fusionskonstante (50 Jahre) konnte auch noch keiner durchbrechen. Stets geht man davon aus, dass in 50 Jahren so ein Ding betriebsbereit sein wird – seit über 50 Jahren und auch in diesem Artikel.

    Die Piratenpartei hat festgestellt, dass die Handhabe des Kernbrennstoffs nicht sichergestellt werden kann und nicht zu verantworten ist. Die logische Konsequenz ist, damit nicht zu hantieren.

    Und das ist gut so!

    Schickt diesen Weltraum-Phantasten zurück in sein Spielzimmer, aber lasst den hier nicht solchen Blödsinn verbreiten. Die Leser könnten meinen, das geschriebene wäre tatsächlich ernst gemeint.

    • Kroll meinte am

      “Sämtliche hier aufgeführten Kernenergiereaktoren sind gescheitert. Die Kugelhaufenruinen machen größte Kopfzerbrechen, weil die Kugeln kaputt gehen und das Gelände kontaminieren. Ganz zu schweigen von dem Material, dass man in der Elbmarsch findet.” Sowohl Teilchenbeschleinigte Thoriumreaktoren, wie auch Thoriumflüssigfluoridreaktoren wurden nie gebaut, somit kann ihr “scheitern” nicht bewiesen werden. (Bei Flüssigfluoridreaktoren würde ein “proof of concept” Reaktor erfolgreich 5 Jahre lang betrieben (MSR-Reaktor), jedoch hat man die Finanzierung komplett gestrichen noch bevor ein Reaktor in dem tatsächlich Thorium zum Einsatz kam gebaut wurde). Sie sind gescheitert weil man sich geweigert hat es einmal zu probieren diese Reaktoren zu bauen.

      Ob man den HTR auch nicht verbessern könnte bleibt spekulativ. Die Technologie hat in Deutschland nie eine zweite Chance bekommen. Na ja, gibt ja genug Konzepte die immer noch auf ihre erste Chance warten.

      Die Fussionskonstante ist tatsächlich ziemlich ärgerlich. Dennoch, Fussionskraftwerke haben das Potential viel Energie zu liefern, auch dort wo Sonnenlicht selten bis gar nicht ankommt. Will man nach den Sternen reichen, sind sehr Energiedichte Brennstoffe unerlässlich.

      • TheBug meinte am

        Vielleicht sollte man mal einen Bullshit-Reaktor testen, Grundmaterial dafür ist ja ausreichend vorhanden. Fragt sich nur was der SInn davon ist.

        Wie wäre es damit Haus-Heizungen auf Dynamit umzustellen? Ist bestimmt auch ein technisch lösbares Problem. Nur wozu?

        Genau so unsinnig ist es die gefährlichste Technik die man finden kann zur Stromerzeugung einzusetzen.

        • Deine Kommentare hier sind von Beleidigungen und Krawall geprägt. Auseinandersetzung in der Sache anhand von Fakten? Fehlanzeige! Das allein sagt schon viel aus.

          • TheBug meinte am

            Fakten sind sehr wohl in meinen Kommentaren drin. Ich habe nur sehr wenig Geduld mit Leuten die sich irrational verhalten, insbesondere wenn zum wiederholten male abgedroschene Pseudofakten präsentiert werden.

            Jegliches AKW Projekt löst sich in Luft auf, so bald die staatlichen Zuschüsse dafür gestrichen werden. Was sagt uns das über die Wirtschaftlichkeit?

            Kein AKW hat eine Haftpflichtversicherung, weil keine Versicherung bereit ist so eine Police auszustellen. Was sagt uns das zum Thema Sicherheit und Schadenspotenzial?

  10. Fabian meinte am

    Da ist ja einiges an Kommentaren zusammengekommen. Ich möchte auf einige Bemerkungen näher eingehen.

    Atommüll:

    Ein Problem ja, aber ein vergleichsweise kleines. Im Vergleich mit den sonstigen Karzinogenen, die in der chemischen Industrie anfallen, sind die Materialströme, die ein Kernkraftwerk verlassen, sehr gering, was einfach an der phänomenalen Energiedichte liegt. Und im Gegensatz zu vielen chemischen Giften verringert sich die Gefährlichkeit von Kernmüll mit der Zeit von selbst. Außerdem wies ich ja auf die Möglichkeit der Transmutation unter Energiegewinn hin, zum Beispiel mit dem Flüssigsalzreaktor: http://info.ornl.gov/sites/publications/files/Pub29596.pdf

    Sicherheit:

    Klingt überraschend, aber von der Sicherheit her schneiden bereits herkömmliche Leichtwasserreaktoren sehr gut im Vergleich mit anderen Kraftwerken ab: http://nextbigfuture.com/2011/03/deaths-per-twh-by-energy-source.html Mit der Einführung moderner Reaktorkonzepte würde sich die Sicherheit nochmal deutlich erhöhen. Die Kernschmelze ist beim HTR nicht möglich, weil Betriebszustände, die den Kern schmelzen lassen könnten, einfach von der dahintersteckenden Physik her nicht möglich sind, genauso wie einen mit Helium gefüllten Zeppelin nicht das Schicksal der Hindenburg ereilen kann. Und die nötigen Materialien sind durchaus vorhanden bzw. Near-Term-Technologies: http://world-nuclear.org/sym/2003/pdf/matzie.pdf

    CO2-Footprint:

    Hierzu sind die Berechnungen des IPCC im Text verlinkt. Die Klimabilanz von Kernkraftwerken ist ähnlich gut wie die von Windparks. Übrigens wird sie um so besser, je mehr die gesamte Wirtschaft, die um das Kernkraftwerk “außen herum” existiert, dekarbonisiert ist. Das Kernkraftwerk selbst ist ja völlig CO2-neutral.

    Abbau:

    Der Abbau des Urans kann in der Tat ein soziales und ökologisches Problem sein, dies ist jedoch nicht ein exklusives Problem der Kernenergie, sondern eines, das bei vielen verschiedenen Rohstoffen auftritt, besonders bei Schwermetallen. Hier gibt es durchaus Handlungsbedarf, aber in dem Sinne, dass die Abbaubedingungen verbessert werden müssen, nicht dass man gleich auf den Vebrauch des Urans verzichtet. Übrigens habe ich ja auch auf die Möglichkeit der Meeresextraktion hingewiesen, die üblichen Abbau unnötig macht. Thorium dagegen fällt, wie Kroll bemerkte, als Nebenprodukt bei der Förderung und Verarbeitung anderer Mineralien an, so dass hier fürs Erste gar keine spezielle Förderung nötig wäre.

    Was die Fusion angeht:

    Die ist eine essentielle Zukunftstechnologie, und ich habe in der Tat den Verdacht, dass es eine Near-Term-Technology (~ 10 Jahre) wäre, wenn die Politiker Lust hätten, mal wirklich ordentlich Forschungsmittel in die verschiedenen Projekte zu stecken. Wenn Fusionsreaktoren zur Verfügung stehen und ans Netz gehen sollen, muss allerdings erstmal der Brennstoff Tritium von Spaltreaktoren vorproduziert werden – die Fusionsreaktoren können zwar selbst Tritium erbrüten, damit die Reaktion gestartet werden kann, muß aber erstmal natürlich ein Ausgangsvorrat vorhanden sein. Dazu wird man allerdings wohl keine Leistungsreaktoren, sondern spezialisierte “Tritiumfabriken” nutzen. Es gibt jedoch auch andere mögliche Fusionsgemische: Reines Deuterium oder auch Wasserstoff-Bor.

    Zu den klassischen Erneuerbaren:

    Deren Hauptproblem ist ihre Diffusivität – ihre Flächenleistungsdichten sind sehr gering, im Bereich einiger Watt pro Quadratmeter. Daher ist es kaum möglich, die nötigen gigantischen Anlagen in ein dicht besiedeltes europäisches Land “hineinzupressen”. Wenn man also ordentliche Mengen an Solar- und Windstrom einsammeln will, muss man schon im Stil von DESERTEC nach Afrika ausweichen. Aber DESERTEC ist ein riesiges Projekt und bis die Anlagen fertig sind sollten wir keinesfalls unnötig CO2 freisetzen und Fossilkraftwerke nachbauen. Zum Einhalten der Klimaziele sind Kernkraftwerke vorerst unverzichtbar, selbst wenn das vielen Umweltschützern nicht schmeckt.

    Zum Schluss will ich noch etwas loswerden: Wenn man die Umwelt ernsthaft schützen möchte, kann man nicht gegen DESERTEC und die Kernkraft gleichzeitig sein. Man kann gegen Kernkraft und für DESERTEC, oder gegen DESERTEC und für die Kernkraft, oder aber, so wie ich, für DESERTEC und für die Kernkraft sein: Best of all possible worlds.

    • Andreas meinte am

      @Fabian:

      Wieviel Rohmaterial (Brennstoff) hat die BRD aus eigenen Resourcen zur Verfügung? Es ist unsinnig, sich wie bei Öl von Drittstaaten abhängig zu machen.

      Ist die Klimabelastung durch CO2 wissenschaftlich bewiesen? Bislang nicht. Es gibt Beweise dafür, aber auch Beweise dagegen. Nichtsdestostrotz ist eine Dezimierung von Schadstoffen erstrebenswert.

      Wurden in die CO2 Neutralität der AKW Bau/Wartung/Beschaffung/Aufbereitung/Endlagerung des Rohmatials, sowie der Rückbau mit eingerechnet? Ein klares No.

      Wer ist der IPCC und wer steckt hinter ihm? z.B. http://www.youtube.com/watch?v=wsaPBX2xnQY Inwieweit diese Berichte wahr sind, kann ich nicht beurteilen. Aber ich nehme diese als kritischer Bürger zur Kenntnis.

      Wieviele Milliarden wurden bereits in diese Technik zu Forschungszwecken investiert?

      Sind in die Kostenrechnung für AKW`s bislang alle Kosten inkl. Forschung, staatliche Förderung, spätere Rückbaukosten,sowie Endlagerkosten eingerechnet worden?

      Gibt es noch weitere, sinnvolle Alternativtechniken ausser AKW und Desertec? Ja

      Ich denke, dass die letzten 50 Jahre die Entscheidungen der Politik massgeblich durch Lobbyismus zu Gunsten der Atomtechnik und zu Ungunsten der Alternativtechniken beeinflusst wurden.

      An vielen kleinen Energieanlagen, welche unseren Strom produzieren könnten…. verdienen große Energiekonzerne nichts. Das ist m.E. einzig und allein der Grund, warum die Politik diesen Weg nicht beschreitet. Meine Hoffnungsträger der 80er Jahre in Sachen Energie (die Grünen) sind leider dem Lobbyismus zum Opfer gefallen und somit politisch wertlos geworden.

      Energieversorgung gehört zu den Grundbedürfnissen der Menschheit. Von daher sollten idealerweise die Rohmaterialien zur Energiegewinnung in der BRD liegen. Deshalb sollte auch die Versorgung mit Energie durch den Staat, lokale Kommunen, Städte, Kreise und auch durch die einzelnen Bürger und nicht durch gewinnorientierte Energiekonzerne angestrebt werden.

      Nicht gigantische Anlagen, wie du schreibst… Ich denke viele kleine Energieanlagen auf Kommunalebene… das könnte ein vernünftiger Weg in die Zukunft sein.

      Nichts für Ungut

      Andreas

      • Kroll meinte am

        “Wieviel Rohmaterial (Brennstoff) hat die BRD aus eigenen Resourcen zur Verfügung? Es ist unsinnig, sich wie bei Öl von Drittstaaten abhängig zu machen.” Hmm, die Frage lies mich irgendwie nicht in ruhe… hatte aber wenig zeit für Recherchen. Um ehrlich zu sein habe ich immer an den Freien Markt geglaubt, und daran dass wenn irgendwas im Überfluss auf der Welt vorhanden ist, kann man es einfach kaufen. Uran 235 ist Weltweit eher begrenzt verfügbar. kommt aber zusammen mit U238 vor. Abbauwürdige Uranvorkommen in Deutschland sind eher klein. Leider gilt dass auch für Thorium. Seltene Erden Erze kommen in Deutschland nur in sehr kleinen Mengen vor http://www.infogeo.de/dokumente/download_pool/Seltene_Erden_Rohstoffe_Deutschland_November_2010.pdf . Besonders interessant für Thoriumgewinnung sind Monazit vorkommen. Da machte man einige interessante Entdeckungen auf internationalem Gewässern: http://www.tagesschau.de/wirtschaft/selteneerden104.html In der Bundesrepublik haben wir aber auch ziemlich viel Radioaktiven Müll. der Schwer radioaktiver enthält viel U238 (“verbrauchte” Brennelemente), der leicht radioaktiver (z.B. Asche aus Kohle) Enthält auch viel Thorium. wie dass genau aussieht http://www.world-nuclear.org/info/inf30.html . (besonders interessant finde ich die Mappe von Europa ganz unten). Aus solch einem Radioaktiven Müll kann man Spaltbare Materialien Gewinnen. Man entfernt dabei den Radioaktiven Teil des Mülls (der Neue Treibstoff) wodurch der Restliche Teil weniger Radioaktiv wird, und ganz “normaler” (billiger zu entsorgen) Müll wird. (bleibt nur noch die Problematik Schwermetalle zu lösen). Kann man so den bedarf Deutschlands decken? Hängt davon ab wie effizient man den Treibstoff nutzen würde. Man geht davon aus dass bei besonders Effizienten Reaktoren (Einige Schnelle Brüter und Flüssigsalzreaktor) 90 bis 99% des eingesetzten Treibstoffs auch verbraucht würde (im Gegensatz zu 0,5-0,7% Heute), und mann für einen 1GW/h Reaktor ca. 1 Tonne Treibstoff jährlich brauchen würde (heute ca. 200 Tonnen). Über Treibstoff für Fussionskraft muss ich wohl nicht reden, Wasserstoff gibt es überall. “Wieviele Milliarden wurden bereits in diese Technik zu Forschungszwecken investiert?” In Nukleartechnik insgesamt bestimmt unzählige Milliarden, in die Zukunftsfähigen Technologien… http://www.itheo.org/sites/default/files/pdf/Why%20Didn't%20This%20Happen%20-%20Kirk%20Sorensen%20-%20FlibeEnergy%20-%20ThEC11.pdf seiten sind leider nicht nummeriert, aber habs nachgezählt: auf Seite 37-38 sind die interessanten Zahlen und Diagramme (MSBR ist der Flüssigsalzreaktor, LMFBR der Schnelle Brüter, kosten in Millionen $). Mein Lieblingszitat befindet sich auf Seite 45: “Alvin, if you are concerned about the safety of reactors, then I think it may be time for you to leave nuclear energy.” . Mit so einer Begründung hat man den Erfinder des Flüssigsalzreaktors entlassen… Der kalte Krieg war doch eine wundervolle zeit, nicht war?

        • T.Mollet meinte am

          Um Thoriumrserven sollte man sich keine Sorgen machen, wenigstens für die nächsten pr Millionen Jahre. Thorium kommt in der Erdkruste durchschnittlich mit der Konzentration von 11 ppm vor. Gegenüber dem nutzbaren Uran ist es also rund 550 mal häufiger. Aufgrund des sehr hohen Energehaltes von rund 22 GWh/kg wovon man rund 11 GWh/kg in Elektrizität wandeln kann. Thoriumengpässe wird es nicht geben, es fällt ganz einfach bei der Förderung von seltenen Erden als “Abfall” an. Der LFTR nutzt etwa 99% des Thoriums. Die restlichen 1% sind das äusserst wertvolle Pu 238(aktueller Preis bei der NASA: 30 mio. $/kg). Mit deiner Halbwertzeit von 70-80 Jahren ist es perfekt als nukleare Batterie für Weltraumsonden geeignet. (Ach ja, es ist nicht spaltbar–> keine Bombe)

    • TheBug meinte am

      Tja, wo fängt man da an? Alles Strohmänner, die schon dutzende Male verbrannt wurden. Exakt diese Pseudoargumente begegnen einem immer wieder.

      Der Vergleich mit der chemischen Industrie ist schon mal falsch, weil es kein Argument ist, dass etwas anderes auch ein Gefährdungspotenzial hat. Die Behauptung chemische Stoffe wären gefährlicher als radioaktive ist grundlegend falsch, da es bei chemischen Stoffen immer eine Möglichkeit zur Neutralisation oder Abscheidung gibt und die meisten toxischen Stoffe aufgrund ihrer Reaktivität toxisch sind, sich also selber abbauen. Radioaktive Stoffe dagegen sind schwer zu separieren und bleiben radioaktiv, egal in was für einer chemischen Verbindung sie vorliegen. Chemie: 6, Demagogik: 3-.

      Sicherheit, der Komiker mit seiner Liste der Todesfälle pro TWh ist schon so oft auseinander genommen worden, es hat schon komische Züge, wenn der immer wieder zitiert wird. Die Zahl der Todesfälle durch Tschernobyl die er mit maximal 4000 angibt ist lächerlich niedrig, die Zahl der Toten durch so einen Unfall ist kaum zu bestimmen, da die Mehrzahl der Leute irgendwann durch Krebs stirbt. Es gibt also einen Anstieg in der statistischen Sterberate, der sich aber relativ schlecht lokalisieren lässt, da die Exposition sehr unterschiedlich ist und Leute nicht unbedingt bis zu ihrem Tod im verstrahlten Gebiet wohnen. Bei Wasserkraft rechnet er übrigens munter alle Dammbrüche die nichts mit Energieversorgung zu tun haben und die durch Kriegseinwirkung mit ein. HTR sind besonders bei Staaten beliebt die ganz dringend Atomwaffen brauchen, macht sich praktisch mit dem Erbrüten von Plutonium. Der zitierte PBMR wird nicht gebaut weil sich keine Investoren finden, komisch, sonst wird doch alles gemacht womit man Geld verdienen kann… Quellenwahl: 6 mit ausdrücklichem Verweis nicht immer den gleichen Scheiß zu wiederholen.

      CO2 Footprint, ja, die Bilanz wird bestimmt immer besser je geringer die Konzentrationen der Lagerstätten sind die abgebaut werden. Die IAEA listet im lächerlichen Versuch die Kernkraft als die Zukunftstechnologie zu promoten auch Vorkommen von wenigen 1000 t. Das macht sich extrem gut in der Energiebilanz, wenn man für eine Menge die im typischen Brecher einer Mine in wenigen Monaten durchgezogen wird eine ganze Mine auffährt. Argumentation: 5

      Abbau, Cigar Lake? Thorium, was für ein Reaktor? Abgesehen davon, dass die ganze andere Problemkette identisch bleibt. Meeresextraktion, sinnvoll, wenn man etwas gewinnt was so fein verteilt ist, dass die Energiebilanz negativ wird. Und komm nicht mit dem Japaner und seinen Polymeren, dafür gibt es die notwendigen Flächen nicht um solche Mengen zu gewinnen.

      Fusion, hilft super, wenn ganz bestimmt demnächst eine neue Technologie zur Verfügung steht. Kernfusion war für mich auch mal die wichtigste neue Energietechnik, dann wurde ich erwachsen und begann zwischen Realität und SF zu unterscheiden. Reden wir noch mal drüber wenn sie da ist.

      Erneuerbare, die verfügbare Energiedichte reicht sehr wohl aus, man muss sie nur konsequent nutzen. Der Energieertrag pro Fläche steigt auf ständig durch verbesserte Technik, bei Windparks ist z.B. ein Faktor 10 durch Vertikalrotoren möglich.

      Wir können es uns nicht leisten ein AKW länger als unbedingt notwendig laufen zu lassen. Die mit der Technik verbundenen Probleme und Kosten stehen in keinem Verhältnis zum Nutzen. Nachdem die Kernkraft-Branche Jahrzehnte Zeit hatte zu beweise, dass sie in der Lage wäre diese Probleme zu lösen, hat sich erwiesen, dass sie sich bestenfalls überschätzt, schlimmstenfalls gerade heraus gelogen hat.

      Und jetzt hör bitte endlich auf solchen Müll zu reden und unsere Zeit zu verschwenden. Kernkraft ist mindestens in Deutschland endlich tot und sie wird hoffentlich nie wieder aufstehen.

      • Kroll meinte am

        “Der Vergleich mit der chemischen Industrie ist schon mal falsch”. Nein ist er nicht. Leute müssen über Risiken aufgeklärt werden, und müssen mit der Tatsache konfrontiert werden, dass es auch andere Risiken als Atomkraft auf der Welt gibt. Chemikalien, insbesondere Schwermetalle gehören dazu. Sonst haben wir absurde Situation wie die folgende: Zwei Männer unterhalten sich in der U-bahn besorgt über Fukushima, spekulieren wild um wie viele Jahre früher sie deswegen sterben werden. Dann steigen sie aus, ziehen jeder seine schachtel Zigaretten raus und rauchen erstmal eine… Chemikalien sind kein Problem wenn sie von der Umwelt isoliert vorliegen. Probleme gibt es aber wenn sie auf große Flächen und Volumen verteilt werden. Wie dass in der Praxis aussieht: http://www.greenpeace.de/themen/umwelt_wirtschaft/weltgipfel_2002/artikel/bhopal_die_andauernde_katastrophe/ http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,674630,00.html http://de.wikipedia.org/wiki/Dichlordiphenyltrichlorethan Nur ein paar beispiele, die eigentlich Theoretisch zu bewältigen sein sollten. Es gibt ja Verfahren diese Gifte zu beseitigen, blöderweise nur in kontrollierten Bedingungen. Bei Schwermetallvergiftungen sieht es ähnlich aus. Zur Therapie in diesen fällen werden z.B. so vielwersprechenden Verfahren wie Homeopathie, Akupunktur oder Bioresonanz vorgeschlagen. Besser gehst nicht. Theoriewissen bekommst du ne 2, für Praxiswissen ne 5 (wir wollen ja nicht zu Streng sein…)

        “Die Zahl der Todesfälle durch Tschernobyl die er mit maximal 4000 angibt ist lächerlich niedrig, die Zahl der Toten durch so einen Unfall ist kaum zu bestimmen…” Ok, ich stimme zu, persönlich glaube ich eher an die 60000 die im alternativem bericht erwähnt werden. So wird die Zahl der Todesopfer pro KW um einen Faktor von 10 erhöht. Sieht immer noch nicht wirklich schlecht aus. Gut dann nehmen wir mal die absoluten Horrorzahlen an, die schlimmste Zahl die ich gefunden habe waren 1,2 Millionen. Dass kling Schon mal riiiiichtig furchteinflössend!! Gut, dann vergleichen wir dass mit Der anzahl an toten von Kohlekraft weltweit… etwa 2 Millionen… Jährlich… Was bauen wir noch mal in Deutschland um Kernkraftwerke schnell zu ersetzen? Kohlekraftwerke? Also ich mag den Komiker der die zu niedrigen Zahlen angibt lieber, seine Witze waren zumindest witzig. “HTR sind besonders bei Staaten beliebt die ganz dringend Atomwaffen brauchen” Die Staaten die HTR Erforschen haben entweder schon Atomwaffen (und die nötige Technologie diese zu produzieren), oder Planen nicht ein Atomwaffenprogramm zu starten. Sie brauchen nicht dringend eine Quelle für waffenfähiges Plutonium, sie brauchen aber dringend Elektrische Energie. Der PBMR wird nicht gebaut, es gibt aber ein ähnliches Programm dass planmäßig verläuft: http://www.iaea.org/NuclearPower/Downloads/Technology/meetings/2011-March-TWG-GCR/Day1/HTR-PM-Status-SYL-20110328.pdf “komisch, sonst wird doch alles gemacht womit man Geld verdienen kann…” Ja wirklich? Dann war ja die ganze EEG Geschichte unnötig…

        “Die IAEA listet im lächerlichen Versuch die Kernkraft als die Zukunftstechnologie zu promoten auch Vorkommen von wenigen 1000 t.” Uran hab ich nie wirklich gemocht… Thorium hat da deutliche vorteile.

        “Abbau, Cigar Lake? Thorium, was für ein Reaktor?” Seltene Metalle sind Essentiell für viele Anwendungen in bereich Elektronik und Energieerzeugung. Die meisten Vorkommen sind mit Thorium “verseucht”. Dass ist das Hauptargument um Seltene Erden nicht abzubauen. Der Effekt: http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,792935,00.html Übrigens, China hat ein Programm in dem sie Ihr Thorium sinnvoll anwenden will: http://www.bueso.de/node/4192 oder http://www.cas.cn/xw/zyxw/ttxw/201101/t20110125_3067050.shtml (benutze Google Translator) Das beantwortet wohl die Frage was für ein Reaktor.

        “Fusion… Reden wir noch mal drüber wenn sie da ist.” Ich erwarte auch nicht dass Fusion bald da ist. Ich bin mir aber sicher sie wird niemals da sein wenn wir sie nicht finanziell unterstützen. Kein Unternehmen investiert in Forschung, wenn die Patente auslaufen bevor das Produkt fertig ist, auch wenn diese die Welt vor dem Untergang retten sollte. Ok, ist vielleicht jetzt übertrieben, ich wollte nur betonen dass manchmal auf Privatkapital kein verlass ist.

        “Erneuerbare, die verfügbare Energiedichte reicht sehr wohl aus, man muss sie nur konsequent nutzen. Der Energieertrag pro Fläche steigt auf ständig durch verbesserte Technik, bei Windparks ist z.B. ein Faktor 10 durch Vertikalrotoren möglich.” Ist wunderbar! Wie viel kostet so einer? Ok, dann bauen wir ein paar solche, gleich neben unseren Kohlekraftwerken die einspringen müssen wenn der Wind mal nicht weht.

        “Und jetzt hör bitte endlich auf solchen Müll zu reden und unsere Zeit zu verschwenden.” Wieso? Ich mag gute Diskussionen. Ist gut für die Gehirnzellen, und mann findet immer wieder links zu interessanten Artikeln bei so einer Diskussion :D.

        • TheBug meinte am

          Straßenverkehr ist übrigens auch gefährlich, wollte ich mal so erwähnen. Hat mit dem Thema genau so nichts zu tun, aber ist so schön irrelevant für die Diskussion.

          Gegen Schwermetall würde ich Chelat-Therapie vorschlagen.

          Zum Rest: Gähn! Immer die gleiche Leier, beim nächsten Reaktor wird bestimmt alles besser.

          • T.Mollet meinte am

            Einfache Frage:

            Durch Kohleverstromung sterben jährlich 1 Million Menschen. Durch Kernenergie sehr wenige.

            Also ersetzt man nun Kohlekraftwerke durch Kohlekraftwerke?

            Überigens, Schadstoffe von Kohlekraftwerken verursachen nachweislich Hirnschäden bei Kindern in der Schwangerschaft, je nach Intensität sind sie bis 8 IQ unkte “dummer”.

            Kann mir jemand einen Grund nennen, warum KKWs abgesllt werden, obwohl noch mehr als 1 Kohlekraftwerk am laufen ist?

            Ach ja, kleiner Typ, kannst ja mal herausfinden warum das LFTR-Programm gestoppt wurde, kannst dein Gesicht wahren, denn die pöse Atomlbby ist nicht ganz unschuldig…

          • Kroll meinte am

            “Zum Rest: Gähn! Immer die gleiche Leier, beim nächsten Reaktor wird bestimmt alles besser.”

            Wieso dürfen sie nicht behaupten dass es beim nächsten Reaktor besser wird? Du behauptest ja auch dass die nächste Windmühle besser wird als die heutigen. Haben Erneuerbare ein Monopol auf Optimismus?

            Du Prophezeist das Probleme der Nukleartechnik unlösbar sind. Das ist eine selbsterfüllunde Prophezeiung. Wenn man verhinder das jemand Probiert diese Probleme zu lösen, werden sie auch nicht gelöst.

  11. T.Mollet meinte am

    Ich möchte noch kurz ein paar Vorteile des Flüssigsalzreaktors oder LFTR eingehen:

    -Sicherheit: Der Brennstoff Thorium liegt in flüssiger Form vorin Salze gelöst). Er ist Selbstregulierend(warm weniger Kernspaltungen, kalt mehr) Falls die Kühlung ausfällt, fliesst der Brennstoff in unterirdische Tanks, wo die Nachzerfallswärme passiv abgeführt wird und die Salze erstarren. Der Reaktor wirdei Normaldruck betrieben. Bei einem Leck im Reaktor fliest der Brennstoff Konstruktionsbedingt auch in die Tanks. Bisher wurde aber nur die Eintrittswarscheinlichkeit auf praktisch Null gesenkt. Falls, wer weiss wie, der Reaktorinhalt in die Umwelt gelangt, ist auch der Schaden nahe Null, da die Stoffe im Salz gebunden sind und das Inventar sehr klein ist weil andauernd die Spaltprodukte entfernt werden.

    -Endprodukt(bei herkömmlichen KKWs radioaktiver Abfall) Als Enprodukt fallen nur Spaltprodukte an, davon können 83% schon nach 10 Jahren teuer verkauft werden(nicht mehr radioaktiv) wie z.B. Rhodium(teurer als Gold) der Rest muss noch 300 Jahre sicher aufbewahrt werden. Ein weiteres Endprodukt findet man in der Zerfallsreihe vom erbrüteten U233: Bismut 213 Um geringe Mengen Bismut 213 zu gewinnen, sind grosse Mengen Uran 233 notwendig, welche bei diesem Reaktor vorhanden sind. Bismut 213 würde eine revolutnäre Strahlentherapie für Krebskranke ermöglichen und warscheinlich Tausenden das Leben retten.

    -Proliferation Mit U233 kann theoretisch eine Bombe gebaut werden. Aber eben nur theoretisch. U233 wird im Reaktor mit geringen Mengen U232 kontanimiert, welche das verwenden von Elektronik verunmöglicht. Dafür sprechen auch die 10’000de A-Bomben, es befindet sich keine einzige U233 ohne darunter.

    -Thorium Es wird Thorium verwendet Thorium ist auf der ganzen Welt vorhanden und fällt als Abfallprodukt bei der Förderung der seltenen Erden an. Eine Mine in den USA könnte den Weltbedarf ohne Probleme sicherstellen(und es gibt 1000 Orte auf der Welt, die dies auch könnten) Durch die Verwendung von Thorium könnten die Preise von HiTech-Metallen wenier stark steigen, da nicht die Entsorgung des Thoriums bezahlt werden muss.

    -Wirtschaftlichkeit Kein Fluss oder Meer nötig. Kann klein gebaut werden(kein grosses Containment notwendig). Arbeitet unter Normaldruck. Höherer Wirkungsgrad(ca. 50%) Verwendung der Abwärme um z.B. einen Dieselersatz herzustellen oder Meerwasser zuntsalzen. Preis wird wohl irgewo zwischen 1-3 cent/kWh sein.

    Das sind ein paar Vorteile des MSR, wer sich für das Konzept und die zukünftigen hauptenergieversorgung der Menschheit interessiert, soll sich doch hier erkundigen: http://energyfromthorium.com/ Ein interessanter Artikel zum Reaktor findet man auch hier: http://www.novo-argumente.com/magazin.php/archiv/novo112_77

    • TheBug meinte am

      Jau, kann ja nichts mehr schief gehen. Abgesehen von den Dingen an die man nicht gedacht hat.

      Windkraftanlagen können übrigens ganz böse umfallen oder Rotorblätter verlieren. Zum Glück ist die Kontamination aber relativ leicht beherrschbar.

      Schöne verstrahlte Träume an die Atomtrolle.

  12. T.Mollet meinte am

    Moderne Windkraftangen kontanimieren auch nicht dort, wo sie aufgestellt werden, die kontanimieren in China (Neodym googeln)

    Noch Schöne Träume an den Energiespeicher und die so tollen Aswirkunge der ENergiewende: http://oekowatch.org/index.php/de/component/content/article/1-beitraege/548-negative-umweltbilanz-der-energiewende

    Wie bereits gesagt wurde nicht nur das Risiko praktisch vernichtet, sondern die Auswirkungen wurden noch praktisch auf Null reduziert. Kontanimiert wäre die nahe Umgebung für maximal 80 Tage…

    Lustig ist eigentli auch, dass wenn die ganzen Zahlen von 30 000-90 000 Toten stimmen sollten, das dann durch medizinische Untersuchungen alleinin Deutschland jährlich 10 000 Menschen an den Folgen medizinischer Untersuchungen sterben würden. Oder 400-500 Menschen in Europa an den Folgen von radioaktiver Verseuchung welcher sie durch Verzehr von Bananen ausgesetzt wurden, sterben…

    Die Liste lässt sich beliebig vortsetzen. Das dumme ist, dass sich alle diese Aussagen nur mit der LNT-Hypothese begründen lässt. z.B. auf Saz übertragen würde das heissen: “Beim Verzehr von 100g Salz sterben 100% der Menschen, wenn nun 100 Menschen 1g Salz essen wird warscheinlich einer von ihnen sterben.” Zudem könnte wie warscheinlich bei der radioaktiven Bestrahlung durch die Sonne positive Auswirkungen haben(Sonne: geringe Strahlendosis–> Bräune, man ist besser gegen hohe Strahendosen geschützt)

    Zudem ist es ein riesiger Unterschied ob man die Dosis in 1 Sekunde wie in Hiroshima oder Nagasaki oder während einem Jahr aufgeommen hat. Schliesslich kann der Körper bei einer langsamen Bestrahlung eher so schnell reparieren wie es zerstört wird, als es bei einer einmaligen Dosis der Fall sein wird. Warscheinlich hilft eine schwache stetige Strahlung sogar eine einmalige starke Dosis besser zu überstehen, schliesslich sind die Reperaturmechanismen dann besser trainiert.

  13. Rainier meinte am

    Die Lobeshymnen auf LFTR und HTR sollten etwas relativiert werden: Der LFTR hat Sicherheitsprobleme aufgrund seines geringen Anteils sog. verzögerter Neutronen im Kern und aufgrund der Möglichkeit, dass bei ungewollter Abkühlung Brennstoff auskristallisieren und kritische Massen bilden kann. Der Prototyp in Oak Ridge war nicht sehr erfolgreich und bekam 1970 keinen Nachfolger.

    Deutsche HTR (Kugelhaufenreakten) waren ein grosses technisches Debakel, ihr Rückbau wird uns noch für viele Jahrzehnte beschäftigen, obwohl sie schon mehr als 20 Jahre. stillgelegt sind. Sie haben zwar keine Kernschmelze, dafür aber andere sehr schwerwiegende Unfallmölichkeiten (Graphitbrand wie in Chernobyl, Explosionen mit Wasserdampf, nukleares Durchgehen bei Wassereinbruch…..).

    Schliesslich Thorium: Es erfordert prinzipiell waffenfähiges Material (U-233, U-235, Pu-239) als Brennstoff, denn es ist nur ein Brutstoff und hilft daher auch nur in Verbindung mit Wiederaufarbeitungsanlagen weiter. Aus Thorium erbrütetes Uran-233 ist übrigens ein optimales Material zumindestens für Terroristen, um eine hochwirksame Atombombe zu bauen: Das sehr einfache Hiroshima-Prinzip kann nämlich, anders als beim Plutonium, angewandt werden und komplizierte Elektronik braucht man dazu nicht. Ausserdem ist seine kritische Masse niedrig. Die USA haben U-233-Bombe gezündet. Insgesamt ist Thoriumverwendung hochproblematisch.

    • T.Mollet meinte am

      Der LFTR hat definitiv keine Sicherheitsbedenken, von wo haben sie denn diesen Unsinn her? http://en.wikipedia.org/wiki/Molten_Salt_Reactor#Safety

      Der Prototyp von 1965-1969 war sehr erfolgreich, der Grund für das Einstellen des Programms waren Nichteignung für Bombenbau, fehlen der (teuren) Brennelementherstellung und fehlende Sicherheitsansprüche(Zitat an Alvin Weinberg, Entwickler des LFTRs: “If you’re so concerned about the safty of nuclear energy, it might be time for you to leave the nuclear business.” Dummereise hatte der Zitierte die macht, das MSR-Programm zu beenden…

      Zum Thema Thorium. Prinzipiell ist es natürlich möglich eine Bombe zu bauen. Aber Uran 233 kann man praktisch auch Zuhause herstellen(Fusor+im Garten Thorium ausbuddeln) Dennoch ist man 1. Lebensmüde wenn man dies macht, 2. kann man diese Bombe kaum zünden. 3. wird man diese Bombe kaum unbemerkt transportieren können, da starke Gammastrahlung davon augehen.

    • Kroll meinte am

      HTR ist nicht entgütig tot: http://www.iaea.org/NuclearPower/Downloads/Technology/meetings/2011-March-TWG-GCR/Day1/HTR-PM-Status-SYL-20110328.pdf

      Graphit im Reaktor brennt kaum (sogar im Tschernobyl Reaktor ist nur 15% ausgebrannt). Also, hören die Brennelemente auf zu brennen, hört auch das Graphit auf zu brennen. z.B.im Windscale Reaktor wurde nur das Graphit direkt neben den Brennenden Reaktorstäben beschädigt.

      Die U233 Bombe war eigentlich eine U233/Pu239 Bombe. Der Anteil an U233 war wahrscheinlich unter 50%. Dieser wurde auch nicht im Flüssigsalzreaktor hergestellt, um sehr reines, waffenfähiges U233 herzustellen benutzte man andere Reaktoren. U233 wurde nur im einem Waffentest benutzt. Trotz Wettrüsten würde U233 als Bombenmaterial kaum Beachtung geschenkt.

    • Kroll meinte am

      “Der LFTR hat Sicherheitsprobleme aufgrund seines geringen Anteils sog. verzögerter Neutronen” Kurz über Grundlagen: Alle Neutronen aus einer Spaltung kommen sind Schnelle Neutronen, man kann sie aber verlangsamen indem man einen Moderator (z.B Wasser oder Graphit, eine reihe andere Stoffe) benutzt. Somit kann man alle schnelle Neutronen in verzögerte Neutronen verwandeln. Allgemein wenn man von LFTR spricht, geht man davon aus dass ein Moderator und somit langsame Neutronen zum Einsatz kommen. Flüssigsalzreaktoren die mit schnellen Neutronen arbeiten haben keinen Moderator, verwenden auch meistens Plutonium 239/Uran 238 der im schnellen Spektrum gegenüber Thorium Vorteile hat. Somit ist dass auch kein LFTR, sondern ein LFPR (Plutonium Reaktor).

  14. Alex meinte am

    Hallo Erstmal an alle.

    Per zufall bin ich auf eure Disskusionen gestoßen und muss sagen das die Menschen wirklich mit zuviel Angst an die sache mit Kernkraft angehen. Genauso wie damals im Mittelalter als Wissenschaftler verfolgt und getötet wurden, aus angst vor deren Erfindungen, weil sie es sich nich erklären konnten wie das alles funktioniert und nich zuhören wollten. Und wenn es menschen gab die den Leuten glaubten, hatten sie zuviel angst vor dem spott der mehrheit, die der Kirche hinterhersabberte.

    Sollten wir dann nicht aus den fehlern lernen? Wieviel leid und zerstörung wird auch durch die Ölindustie verursacht? Ein endloses Thema. Kernkraft sollte desswegen nicht als “Hexer” angesehen werden nur weil man darunter eine technologie verstehet die auf dem stand vom Jahre 1980 basiert. Es wurde weitergeforscht und es gibt möglichkeiten Wie das erwähnte Thorium kraftwerk. http://www.final-frontier.ch/thoriumenergie

    Die vorteile dieser technologie im bezug auf Energiegewinnung sind gegenüber anderen auf Kohle, Erdöl oder Uran basierten Techniken um längen besser. Schon alleine der gedanke, mann könnte den Atommüll in lagerstätten wiederverwerten und das man kaum Abfall mehr produziert, oder die tatsache das man dieses Kraftwerk einfach so abschalten kann… was will man mehr? (Dazu mehr unter dem link oben)Und da Erneuerbare Enegien niemals alle unsere Enerie probleme lösen können (mit alle meine ich nicht nur deutschland;) )Müssen wir an solche konzepte glauben. Aber wenn wir dann lieber mit Energieknappheit leben möchten und uns nur abzocken lassen wollen….

    Damit will ich natürlich nich sagen Das ich für die Alte Atomkraft bin… Aber wir entwickeln uns weiter (hoffentlich) und wenn wir die weiterentwicklung so ausbremsen wie das jetzt so die sache ist sehe ich Schwarz. Und als Informatisquelle “Youtube” oder “Wikipedia” zu nutzen finde ich ziemlich fragwürdig. Wir lassen uns eine gÜnstige und im verhältniss um längen bessere versorgung entgehen die für jeden über jahtausende besteht. In der zeit fände man bestimmt noch besse lösungen.

    Also warum darauf verzichten??? ACHSO JA STIMMT MIT DEM ANDEREN SCHROTT KANN MAN VIEL MEHR KOHLE MACHEN….

  15. Pingback: Kernkraft für Afrika | Nuklearia

  16. Pingback: Die Entropiewende – #JedenTagEinAntrag #PA260 | Nuklearia

  17. DerVO meinte am

    Ich stimme zu bis auf einen Punkt:

    Wollen wir eine Menschheit, die in Stillstand verfallen ist, weil sie energetisch gerade so über die Runden kommt, oder eine “ausbaufähige” Zivilisation, die bei Bedarf immer größere Energiemengen mobilisieren kann? Ersteres mag nach dem Geschmack irgendwelcher reihenhausidyllischer Rechtskonservativer sein, [...]

    Sind es wirklich die politisch Konservativen, die sich gegen den technologischen Fortschritt stemmen? Siehe rot. Siehe grün. Siehe auch Mehrheit der Kommentare unter diesem Post.

    Liebe Grüße aus dem Reihenhaus DerVO

  18. Pingback: Brief an die Nachhaltigkeit | Nuklearia

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