Millionen Kundendaten von Sony gestohlen

Man kann wohl doch an Karma glauben, wenn man die letzten Ereignisse um Sony betrachtet. Mal abgesehen davon, dass auch die Kunden der japanischen Firma betroffen sind. Anfang Januar diesen Jahres hatte Sony eine Klage gegen den Hacker George Hotz eingereicht, welcher wohl besser unter seinem Pseudonym Geohot bekannt ist. Geohot, der sich bereits durch seinen Jailbreak des IPhones einen Namen gemacht hatte, ist es gelungen, die Spielekonsole Sony Playstation 3 zu hacken.

Bei einem Jailbreak handelt es sich um das inoffizielle Entsperren von Software, um etwa Programme zu installieren, welche vorher nicht möglich gewesen wären. Obwohl Geohot nur die Installation des Open Source Betriebssystemes Linux auf der Playstation 3 zum Ziel hatte, fühlte sich Sony angegriffen und ging, als abschreckendes Beispiel, zum Gegenangriff über und reichte Klage ein. Das Ganze mündete in einem Vergleich mit George Hotz, welcher eine Unterlassungsverfügung unterzeichnete. Im Gegenzug zog Sony die Klage zurück.

Sony hatte gesiegt. Zumindest schien es so, wenn man von dem riesigen Imageschaden, sowie den etlichen enttäuschten Nutzern absieht. Schon wärend des Rechtsstreites zwischen Geohot und Sony hat sich die Netz-Guerillagruppe Anonymous auf die Seite des jungen Unterstützers der freien Software geschlagen. Mit einer sogenannten Denial-of-Service-Attacke versuchten sie, Seiten und Webserver von Sony lahm zu legen. Auch nach der friedlichen, außergerichtlichen Einigung ließen Anonymous nicht von ihrem Vorhaben ab.

Am 26. April verkündete Sony schließlich in seinem offiziellen Blog, dass im Zeitraum vom 17. bis 19. April rund 77 Millionen Nutzerdaten aus dem Playstation Network und dem Qriocity Services gestohlen wurden. Bei den Daten handle es sich unter anderem um Name, Adresse oder Geburtsdatum. Gegenwärtig gibt es keine Anzeichen dafür, dass auch Kreditkarteninformationen entwendet wurden. Trotzdem hatte Sony vorsorglich ihre Kunden darauf hingewiesen, in den nächsten Tagen und Wochen ihre Kontobewegungen im Auge zu behalten und zu kontrollieren. Seitdem ist der Vorfall in aller Munde und die Medien reden von einem der größten Datendiebstähle in der Geschichte. Der Verdacht ist naheliegend, dass es sich bei dem Angriff um einen Racheakt von Geohot oder Anonymous handelt. Doch beide dementieren diesen Vorwurf. Anonymous bezeichnet Sony als inkompetent und Geohot hat sogar Mitleid mit den betroffenen Spielern.

In nahezu allen Medien wird nun gegen Hacker Sturm gelaufen. Doch muss man hier differenzieren: Als Hacker bezeichnet werden Experten für Internetsicherheit, Programmierer, welche geschlossene Systeme öffnen, um der breiten Masse einen Vorteil zu liefern, aber auch Leute, die gezielt nach Sicherheitslücken suchen und diese dann den verantwortlichen Administratoren mitteilen. Personen hingegen, welche mit ihren Taten Schaden anrichten wollen, sei es nun durch das Klauen von persönlichen Daten oder das komplette Deaktivieren von Diensten, bezeichnet man als Cracker. In den Medien wird oft, so wie auch hier im Fall von Sony, pauschal und fälschlicherweise, der Begriff “Hacker” verwendet.

Ziffer 2 des Pressekodex beschäftigt sich mit Sorgfältigkeit. In ihm heißt es unter anderem, dass der Sinn einer Aussage nicht verfälscht werden darf. Ein kurzer Blick in die Wikipedia zum Thema “Hacker” hätte schon im kurzen Anführungstext deutlich gemacht, das eine solche Pauschalisierung hier falsch ist. Ein Punkt, an dem viele Medien noch nachzuarbeiten haben.

 

 




Kommentare

2 Kommentare zu Millionen Kundendaten von Sony gestohlen

  1. The_Underscore schrieb am

    “In den Medien wird oft, so wie auch hier im Fall von Sony, pauschal und fälschlicherweise, der Begriff “Hacker” verwendet.” Nur weil manche Hacker/Hackergruppen behaupten, Black-Hats seien keine echten Hacker, heißt das nicht, dass ihre Definition von Hacker die “richtige” ist. Im allgemeinen Sprachgebrauch sind auch die Bösen Hacker. Wobei man Hacker natürlich nicht immer mit bösartigen Verbrechern gleichsetzen darf. @Topic: Sony hat es verdient. (Die betroffenen Nutzer aber nicht.)

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